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06.05.2012

14:39 Uhr

Virtuelle Friedhöfe

Der Umgang mit dem digitalen Erbe

VonSusanne Schier

Was passiert mit den Massen an Daten im Internet, wenn der Nutzer einmal stirbt? Meist wissen Angehörige nicht einmal, wo der Verstorbene im Netz unterwegs war. Firmen helfen dabei, die virtuellen Daten zu sichern.

Ein gerahmtes Poster in der Eingangshalle von Facebook. dpa

Ein gerahmtes Poster in der Eingangshalle von Facebook.

FrankfurtEin Drittel der Deutschen verbringt seine gesamte Freizeit im Internet. Durchschnittlich 140 Minuten sind die Nutzer dem Branchenverband Bitkom zufolge täglich online, um Emails zu checken und Kontakte zu pflegen. Doch was passiert mit diesen Daten, wenn ein Nutzer einmal verstirbt?

Kaum jemand beschäftigt sich mit dieser Frage - auch wenn sich deren Brisanz angesichts der steigenden Datenmengen im Internet stets erhöht. Fast niemand denkt beispielsweise daran, beim Notar oder Anwalt Benutzernamen und Passwörter zu hinterlegen und so den Erben zu helfen.

So reagieren die Dienste

Facebook …

… versetzt das Profil beim Tod eines Nutzers in den Gedenkzustand. Es ist dann nur für Freunde sichtbar.

Xing …

… schaltet das Profil sofort inaktiv und löscht es nach etwa drei Monaten endgültig.

Gmx und Web.de …

… vergeben ein Einmalpasswort. Die Erben entscheiden, ob sie das Postfach weiterführen oder nicht.

Yahoo …

… gewährt den Erben keinen Zugriff. Alle Rechte an dem E-Mail-Account erlöschen mit dem Tod des Nutzers.

Bisher ist das aber kaum die Realität. Zwar haben die Erben einen Anspruch auf den digitalen Nachlass - meist aber fehlt ihnen der Zugriff darauf und oft wissen die Angehörigen gar nicht, wo der Verstorbene im Netz unterwegs war und Spuren hinterlassen hat. So haben sich erste Firmen darauf spezialisiert, den digitalen Nachlass zu sichten - und entsprechend dem Wunsch des Verstorbenen, zu löschen oder zu speichern.

Einfach ist das nicht. Denn die Internetdienste reagieren unterschiedlich, wenn sie vom Tod eines Nutzers erfahren. Facebook etwa versetzt die Konten verstorbener Mitglieder in den Gedenkzustand. Nur bestätigte Freunde können das Profil dann noch sehen. Alternativ können Angehörige die Entfernung beantragen.

Bitkom-Präsident Dieter Kempf betont: "Da sich im Netz wichtige Informationen befinden können, sollten Angehörige genauso sorgfältig damit umgehen wie mit Schriftstücken aus Papier."

Um herauszufinden, welche Online-Dienste ein Verstorbener überhaupt genutzt hat, welche Spuren er im Netz hinterlassen und welche Informationen er im virtuellen Raum hinterlegt hat. Dazu können sie einen Suchdienst beauftragen - wie etwa Semno.

Die Trauerbegleiterin Birgit Janetzky, die das Unternehmen im Jahr 2010 mit dem IT-Spezialisten Marc Zielenski gegründet hat, spricht mit vielen Kunden : "98 Prozent der Menschen haben sich noch nie mit ihrem digitalen Nachlass beschäftigt", sagt Janetzky. Wenn sie die Angehörigen von ihrem Service überzeugen konnte, untersucht sie mit ihrem Kollegen den Computer und die Internetnutzung des Verstorbenen.

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