Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.09.2011

17:54 Uhr

Vodafone-Chef Colao

„Indien ist Wachstumsmarkt mit extrem großem Potenzial“

VonKatharina Slodczyk

Wie Vodafone-Chef Vittorio Colao gemeinsam mit Apple, Google & Co. wachsen und zugleich die Netzqualität verbessern will - und warum man ein Unternehmen wie eine Fußballmannschaft führen kann.

Vodafone-Chef Vittorio Colao. Reuters

Vodafone-Chef Vittorio Colao.

Handelsblatt: Herr Colao, Vodafone stand mal für spektakuläre Übernahmen. Unter ihrer Führung ist der Konzern vor allem geschrumpft, hat sich aus China, Japan, Polen und Frankreich zurückgezogen. Welches Land ist als nächstes dran?

Vittorio Colao: Wir tun heute das, was 2011 und für die Zukunft richtig ist. Wir haben Minderheitsbeteiligungen verkauft. Denn es ist nicht unser Geschäft Minderheitsbeteiligungen zu verwalten, bei denen wir nur begrenzt strategisch und operativ führen.

Es gibt aber Ausnahmen.

Die Ausnahme sind die USA, unsere Beteiligung an Verizon Wireless. Dazu stehen wir und erhalten für unser Investment 2012 erstmals wieder eine Dividende in Höhe von 4,5 Milliarden Dollar. Also kein Grund, dort irgendetwas zu verändern. Und wir halten eine Minderheitsbeteiligung an Airtel in Indien, was mehrheitlich im Besitz der Mittal-Familie ist, dadurch im Prinzip aber nicht verkäuflich ist – außer an Mittal. Unsere Hausaufgaben haben wir gemacht, wie ich es zugesagt habe.

Es gibt noch einige Beteiligungen, die einfach so mitlaufen, ihnen aber nicht viel einbringen – etwa in Neuseeland und Australien, wo sie 50 Prozent halten. Das Geschäft könnte man auch abstoßen und für Aktionäre mehr Wert schaffen, wie sie stets predigen?

Diese Gesellschaften waren bei der Neuausrichtung unserer Beteiligungen kein Thema. Und „verkaufen“ und „Werte schaffen“ sind durchaus zwei verschiedene Paar Schuhe. Wir müssen in Australien unsere Margen weiter verbessern und wollen unser Ziel erreichen, die Nummer zwei zu werden und nicht mehr Nummer drei zu sein. Danach werden wir uns mit unserem Partner zusammensetzen und sehen, was weitere Perspektiven sind. 

Einen Teil des Geldes, das sie zuletzt eingenommen haben, haben sie in Indien investiert, um die Tochtergesellschaft dort komplett zu übernehmen. Die Dinge entwickeln sich in Indien aber nicht so wie gedacht, weil Ihnen eine Steuernachzahlung in Milliardenhöhe droht.

Indien ist Zukunft, ein Wachstumsmarkt mit extrem großem Potenzial. Man muss zwei Dinge in Indien unterscheiden. Das eine ist die Auseinandersetzung mit den Behörden über die Steuernachzahlung. Dazu werde ich mich heute aber nicht äußern – aus Respekt vor den Richtern des höchsten indischen Gerichts, die sich gerade mit dem Thema beschäftigen. Das andere ist die kaufmännische Entwicklung unseres Geschäfts dort, und daran gibt es überhaupt nichts auszusetzen. Wir wachsen, wir gewinnen neue Kunden, wir haben dort eine ausgezeichnete Infrastruktur.

Das Indien-Geschäft soll das drittgrößte im Vodafone-Reich werden, haben sie als Ziel ausgegeben. Wann wird es soweit sein?

Das wird schnell gehen. Zuletzt lag der Umsatz in Indien bei 3,8 Milliarden Pfund, also Platz sechs unter allen Vodafone Gesellschaften. Was den Kundenzuwachs angeht, ist Indien schon auf Platz eins. Als ich 2008 wieder zu Vodafone zurückkehrte, haben wir stets von den Big Four gesprochen, von Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. Inzwischen reden wir von den Big Six, die 80 Prozent des Geschäfts ausmachen. Indien und Südafrika sind inzwischen dazugekommen. Sie sind bereits Kernelement unseres Geschäfts und werden immer stärker und größer.

In Indien nutzen aber gerade mal zwei Prozent ihrer Kunden Datendienste und gehören damit zu denen, die ihnen Wachstum und gleichzeitig Gewinn einbringen. Indien mag also ein großer Markt sein, aber kein profitabler – mit einem operativen Verlust von 37 Millionen Pfund im abgelaufenen Geschäftsjahr. Wann soll sich das ändern?

Das wird kommen, schneller als Sie denken. Es gibt bereits Smartphones für 80 Dollar, in ein paar Jahren wird es sie für 50 bis 60 Dollar geben. Das ist der Moment, wo sich auch viele Inder ein solches Gerät zulegen werden und wo es mit dem Datengeschäft richtig losgehen wird. Indien hat 1,2 Milliarden Bewohner und ist von einer ungeheuren Dynamik geprägt.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Pendler

05.09.2011, 19:31 Uhr

Dass Indien ein wichtiger Zukunftsmarkt ist, weiß die dt. autoindustrie schon seit vielen Jahren. Alle wichtigen Autohersteller haben in Indien schon seit Jahren erfolgreich ihre Produktionsstätten laufen.

Viele Dt. Experten arbeiten dort und sind als exzellent motivierte- und ausgebildete Fachkräfte von den Indern gerne gesehen. Es versteht sich, dass sie diese Expertenausbildung in betriebseigenen Bildungsstätten erworben haben und nun in genau so erfolgreich in Asien anwenden.



Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×