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09.09.2013

10:35 Uhr

Vodafone

Übernahme von Kabel Deutschland wackelt

Vodafone will Kabel Deutschland übernehmen – aber die Aktionäre sperren sich: Der Mobilfunkanbieter könnte daran scheitern, dass zu wenige das Angebot annehmen. Bis Mittwoch ist noch Zeit.

Ob Vodafone und Kabel Deutschland zusammenfinden, ist fragwürdig. Bisher haben nur wenige Aktionäre das Angebot des britischen Konzerns angenommen. dpa

Ob Vodafone und Kabel Deutschland zusammenfinden, ist fragwürdig. Bisher haben nur wenige Aktionäre das Angebot des britischen Konzerns angenommen.

LondonDie geplante Übernahme von Kabel Deutschland durch Vodafone steht einem Pressebericht zufolge auf der Kippe. Der britische Mobilfunkanbieter könnte dabei scheitern, die Schwelle von 75 Prozent der Kabel-Papiere zu erreichen, schrieb die „Financial Times“ (Montagausgabe). „Einige der Kabel-Anteilseigner glauben, dass die Andienungsquote unterhalb dieser Hürde liegen wird“, zitiert die Zeitung ungenannte Aktionäre. Eine Veränderung der Kaufofferte und der damit verbundenen Bedingungen schloss der britische Telekom-Konzern aus.

Das Vodafone-Angebot läuft am Mittwoch um 24.00 Uhr aus. Bislang haben die Briten kaum Kabel-Aktionäre auf ihre Seite gezogen. Vodafone bietet 84,50 Euro in bar für jeden Kabel-Deutschland-Anteilsschein. Dazu kommen 2,50 Euro Dividende, die Kabel Deutschland für das Geschäftsjahr 2012/13 versprochen, aber noch nicht ausgezahlt hat. Die Offerte ist damit 7,7 Milliarden Euro schwer - einschließlich Schulden ist Vodafone das Unternehmen 10,7 Milliarden Euro wert.

Wichtige Fragen und Antworten zum Vodafone-Deal

Was genau hat Vodafone vor?

Vodafone wird Kabel Deutschland komplett übernehmen. Der britische Telekommunikationskonzern hatte dazu 87 Euro je Kabel-Deutschland-Aktie geboten. Damit bewerteten die Briten den deutschen Kabelanbieter mit insgesamt 10,7 Milliarden Euro. Die Übernahme soll noch in diesem Jahr über die Bühne gehen.

Warum ist Vodafone an Kabel Deutschland interessiert?

Kabel Deutschland hat eine gut ausgebaute Infrastruktur: Das Unternehmen ist in 13 der 16 Bundesländer aktiv und hat 8,5 Millionen Kunden. Die Kabel reichen bis in die Wohnungen der Kunden und sind nicht nur für Fernsehen, sondern auch für Internetanschlüsse gut geeignet. Kabel Deutschland bietet schon jetzt Telefon- und Internetanschlüsse. 75 Prozent aller Neukunden hierzulande entscheiden sich bei schnellen Internetanschlüssen mittlerweile für Kabelnetz-Betreiber.

Was ist der Unterschied zwischen DSL- und Kabelanschlüssen?

Technisch ist das natürlich etwas anderes, für den Kunden ist es aber letztlich kein großer Unterschied. Über das Telefon- wie über das Fernsehkabel können Internetdaten übertragen werden. Fernsehkabel sind sogar besonders schnell. Anrufe laufen bei Kabelanschlüssen über Internettelefonie - das ist aber selbst bei Telekom-Anschlüssen mittlerweile teilweise so. Kunden haben weiterhin eine klassische Telefonnummer und ihr normales Telefon.

Was haben die Unternehmen gemeinsam vor?

Die Grundzüge haben Vodafone und Kabel Deutschland bereits in einer „Grundsatzvereinbarung“ geregelt. Kabel Deutschland soll demnach als eigenständiges Unternehmen mit Zentrale in Unterföhring bei München erhalten bleiben. Die Geschäftsfelder sollen aufgeteilt werden: Kabel Deutschland verantwortet das gesamte Festnetz-Geschäft beider Unternehmen; Vodafone soll das Mobilfunk-Geschäft verantworten.

Was bedeutet das für die Kunden von Kabel Deutschland und Vodafone?

Vodafone hat zwar selbst ein Festnetz, das meist entlang der großen Bahnstrecken in Deutschland verläuft. Die letzten Meter der Leitungen bis in die Wohnung der Kunden muss das Unternehmen in den meisten Fällen aber bei der Deutschen Telekom mieten. Wo es geht, sollen die Kunden nun künftig per Fernsehkabel angeschlossen werden. Leitungen von der Telekom wollen die Unternehmen nur noch dort mieten, wo Kabel Deutschland keine Leitungen bis die Wohnung verlegt hat.

Sind auch Bestandskunden von den Änderungen betroffen?

Die Umstellung von der Telefon- auf die Kabeldose wird zunächst vermutlich vor allem Neukunden betreffen. Aber auch alte Kunden sollen voraussichtlich umgestellt werden: „Die Idee ist, unsere Netzinfrastruktur bestmöglich zu nutzen. Dann dürften auch Kunden migriert werden“, sagt eine Kabel-Deutschland-Sprecherin. Denkbar ist ebenso, dass Nutzer des Kabel-Deutschland-Internetangebotes, das bislang im Netz von O2 (Telefónica) betrieben wird, dann auf Vodafone umgestellt werden.

Die Führungsspitze von Kabel Deutschland empfiehlt den Aktionären, das Gebot anzunehmen. Offen ist noch die Zustimmung der EU-Wettbewerbshüter. Das Bundeskartellamt hatte keine Einwände gegen die im Juni angekündigte Übernahme angemeldet.

Die Briten wollen durch den Kabel-Deal in Deutschland ein Schwergewicht mit superschnellen Datennetzen im Mobilfunk und Festnetz schaffen und Marktführer Telekom in die Zange nehmen.

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Kommentare (6)

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eplus

09.09.2013, 10:27 Uhr

ist abver bekannt, dass Vodafone das nur macht, um dem Engländern das Schnüffeln zu erleichtern?

Account gelöscht!

09.09.2013, 10:47 Uhr

Schnüffeln macht für die Briten und Amerikaner vor allem in Bezug auf mittlere und große Unternehmen Sinn, insbesondere wenn diese international tätig sind. Kabel Deutschland ist als Lieferant für solche Unternehmen nicht denbar, da braucht es Unternehmen mit globaler Infrastruktur. Das dürfte also wohl kaum ein Grund für diese Übernahme sein.

Icke79

09.09.2013, 11:16 Uhr

Über Vodaphone kommen die Schnüffler dann direkt und ohne Umwege bis an den Router, der von KabelDeutschland gesetellt wurde. Dann ist es nur noch eine winziger Schritt über eine Hintertür in das Netzwerk der Nutzer zu gelangen.
Aber das machen die natürlich nicht, denn das hat ja Herr Friedrich schriftlich mitbekommen, als er das letzte Mal in die USA reisen durfte. /ironie aus

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