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24.06.2013

15:58 Uhr

Vodafone will Kabel Deutschland

Ein neuer Telekom-Riese feuert den Wettbewerb an

Fast elf Milliarden Euro bietet Vodafone für Kabel Deutschland. Die Offerte der Briten erscheint so verlockend, dass die Münchener akzeptieren und den Bieterwettstreit beenden. Doch was bedeutet das für die Kunden?

Vodafone-Deal: Konkurrenz muss sich warm anziehen

Video: Vodafone-Deal: Konkurrenz muss sich warm anziehen

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London/DüsseldorfVodafone hat im Milliarden-Rennen um die Übernahme von Kabel Deutschland zweimal binnen zwei Wochen sein Angebot aufgestockt. Nun sind die Briten beinahe am Ziel. Der britische Mobilfunker bietet den Aktionären 87 Euro je Anteil. Damit werde Deutschlands größter Kabel-Anbieter inklusive Schulden mit 10,7 Milliarden Euro bewertet, teilten die Unternehmen am Montag mit.

Die Führung von Kabel Deutschland empfiehlt den Aktionären, dieses Gebot anzunehmen. Damit könnten die rund 8,5 Millionen Kunden der Münchner künftig zu Vodafone-Kunden werden. „Gemeinsam haben wir die Chance, der führende Telekommunikations- und TV-Anbieter in Deutschland zu werden und eine einzigartige schlagkräftige Kombination aus Festnetz und Mobilfunk zu schaffen“, erklärte Vorstandschef Adrian von Hammerstein am Montag. „Es geht um Wachstum“, sagte Vodafone-Chef Vittorio Colao.

Allerdings gibt es noch Hürden. Kabel-Deutschland-Aktien befinden sich weitgehend im Streubesitz, was eine Übernahme erschwert. Größter Aktionär ist der Finanzinvestor Blackrock mit rund zehn Prozent. Zudem muss das Kartellamt dem Milliarden-Deal seinen Segen geben. Die Übernahme wäre der größte Medien- und Telekommunikationsdeal in Deutschland seit mehr als einem Jahrzehnt. Das könnte den Wettbewerb anheizen – zum Vorteil der Kunden.

Wichtige Fragen und Antworten zum Vodafone-Deal

Was genau hat Vodafone vor?

Vodafone wird Kabel Deutschland komplett übernehmen. Der britische Telekommunikationskonzern hatte dazu 87 Euro je Kabel-Deutschland-Aktie geboten. Damit bewerteten die Briten den deutschen Kabelanbieter mit insgesamt 10,7 Milliarden Euro. Die Übernahme soll noch in diesem Jahr über die Bühne gehen.

Warum ist Vodafone an Kabel Deutschland interessiert?

Kabel Deutschland hat eine gut ausgebaute Infrastruktur: Das Unternehmen ist in 13 der 16 Bundesländer aktiv und hat 8,5 Millionen Kunden. Die Kabel reichen bis in die Wohnungen der Kunden und sind nicht nur für Fernsehen, sondern auch für Internetanschlüsse gut geeignet. Kabel Deutschland bietet schon jetzt Telefon- und Internetanschlüsse. 75 Prozent aller Neukunden hierzulande entscheiden sich bei schnellen Internetanschlüssen mittlerweile für Kabelnetz-Betreiber.

Was ist der Unterschied zwischen DSL- und Kabelanschlüssen?

Technisch ist das natürlich etwas anderes, für den Kunden ist es aber letztlich kein großer Unterschied. Über das Telefon- wie über das Fernsehkabel können Internetdaten übertragen werden. Fernsehkabel sind sogar besonders schnell. Anrufe laufen bei Kabelanschlüssen über Internettelefonie - das ist aber selbst bei Telekom-Anschlüssen mittlerweile teilweise so. Kunden haben weiterhin eine klassische Telefonnummer und ihr normales Telefon.

Was haben die Unternehmen gemeinsam vor?

Die Grundzüge haben Vodafone und Kabel Deutschland bereits in einer „Grundsatzvereinbarung“ geregelt. Kabel Deutschland soll demnach als eigenständiges Unternehmen mit Zentrale in Unterföhring bei München erhalten bleiben. Die Geschäftsfelder sollen aufgeteilt werden: Kabel Deutschland verantwortet das gesamte Festnetz-Geschäft beider Unternehmen; Vodafone soll das Mobilfunk-Geschäft verantworten.

Was bedeutet das für die Kunden von Kabel Deutschland und Vodafone?

Vodafone hat zwar selbst ein Festnetz, das meist entlang der großen Bahnstrecken in Deutschland verläuft. Die letzten Meter der Leitungen bis in die Wohnung der Kunden muss das Unternehmen in den meisten Fällen aber bei der Deutschen Telekom mieten. Wo es geht, sollen die Kunden nun künftig per Fernsehkabel angeschlossen werden. Leitungen von der Telekom wollen die Unternehmen nur noch dort mieten, wo Kabel Deutschland keine Leitungen bis die Wohnung verlegt hat.

Sind auch Bestandskunden von den Änderungen betroffen?

Die Umstellung von der Telefon- auf die Kabeldose wird zunächst vermutlich vor allem Neukunden betreffen. Aber auch alte Kunden sollen voraussichtlich umgestellt werden: „Die Idee ist, unsere Netzinfrastruktur bestmöglich zu nutzen. Dann dürften auch Kunden migriert werden“, sagt eine Kabel-Deutschland-Sprecherin. Denkbar ist ebenso, dass Nutzer des Kabel-Deutschland-Internetangebotes, das bislang im Netz von O2 (Telefónica) betrieben wird, dann auf Vodafone umgestellt werden.

Offen ist aber auch noch, wie der Mitbieter Liberty Global reagiert. Der zum Imperium des Murdoch-Rivalen John Malone gehörende US-Kabelgigant könnte Vodafone noch dazwischen funken. Die Amerikaner hatten bereits einen vorläufigen Vorschlag bei den Münchnern eingereicht – dabei kursierte ein Preis von 85 Euro. „Der Kampf um Kabel Deutschland kommt nicht unerwartet“, meint Ralf-Dieter Wagner vom Beratungsunternehmen Accenture. „Das ist die nächste Stufe der Konsolidierung, die sich in der Infrastrukturbranche in Deutschland und im europäischen Ausland schon seit einiger Zeit abzeichnet.“

Allerdings müssten sie die Wettbewerbshüter überzeugen. „Vermutlich wird das Kartellamt aber hier besonders genau hinsehen, weil Liberty Global mit Unitymedia bereits eine sehr marktstarke Position innehat“, sagt Armin Rott, Professor für Medienökonomie an der Uni Hamburg, zu Handelsblatt Online. „Das Kartellamt war in der Vergangenheit hier stets bemüht, ein Kabel-Monopol zu verhindern.“ Vodafone-Chef Colao rechnet indes nicht mit dem Widerstand der Wettbewerbshüter.

Die Übernahme ist auch ein Zeichen für den Wandel der Branche. „Der Kampf um Kabel Deutschland kommt nicht unerwartet“, meint Ralf-Dieter Wagner vom Accenture-Geschäftsbereich „Communications, Media & Technology“. „Das ist die nächste Stufe der Konsolidierung, die sich in der Infrastrukturbranche in Deutschland und im europäischen Ausland schon seit einiger Zeit abzeichnet.“ Sowohl für Liberty als auch für Vodafone wäre Kabel ein wichtiger Baustein, um das Deutschland-Geschäft auszubauen.

Kommentare (23)

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GrandLEXUS

24.06.2013, 16:45 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Anton

24.06.2013, 17:08 Uhr

Ich war bereits Kunde von Vodafone und hatte mit denen erhebliche Probleme bezüglich der Gebührenabrechnung.
Mit Kabel Deutschland war ich bis dato bestens zufrieden.
Sollte es zu einer Übernehme durch Vodafone kommen, werde ich meinen Vertrage kündigen. An Vodafone werde ich keinen Cent mehr bezahlen!!!

NKM

24.06.2013, 17:17 Uhr

Und wieder geht ein gutes deutsches Unternehmen ans Ausland - schade drum.
Als erstes wird der Service beschnitten - kennt man ja schon von anderen Unternehmen...z.B. alles was sich Telefonica einverleibt hat.
Service ist ein Kostenfaktor - sowas braucht man halt nicht ;-)

Viel Spass an die (Ex)Kunden von KDG - willkommen bei Vodafone!

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