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30.07.2014

15:22 Uhr

Vor Fusion der Mobilfunker

E-Plus jubelt, O2 schwächelt

Telefónica Deutschland leidet unter dem Preiskampf in der Mobilfunkbranche. Das Unternehmen mit der Marke O2 macht Verluste. E-Plus hingegen zeigt sich vor dem Zusammenschluss der Mobilfunker gestärkt.

Der O2-Konzern Telefónica hat in Deutschland deutlich an Gewinn und Umsatz verloren, E-Plus gewinnt vor dem Zusammenschluss der beiden Marken. Reuters

Der O2-Konzern Telefónica hat in Deutschland deutlich an Gewinn und Umsatz verloren, E-Plus gewinnt vor dem Zusammenschluss der beiden Marken.

Frankfurt/DüsseldorfWenige Wochen vor der Übernahme durch Telefónica Deutschland präsentiert sich der Mobilfunkbetreiber E-Plus in bester Laune. „Nach einem starken ersten Quartal haben wir im abgelaufenen unser hohes Tempo gehalten“, erklärte der E-Plus-Chef und designierte Vorstandsvorsitzende der Telefónica Deutschland Holding, Thorsten Dirks, am Mittwoch in Düsseldorf. Das Unternehmen, das noch zum niederländischen Telekom-Konzern KPN gehört, zählt seit einigen Jahren zu den Mobilfunkbetreibern mit den höchsten Kundenzuwächsen.

Bei einem Umsatz von 1,6 Milliarden Euro steigerten die Düsseldorfer mit ihren Marken (BASE, Simyo, Blau.de, Aldi-Talk, Ay Yildiz) die Kundenzahl im ersten Halbjahr 2014 um fast 900.000 auf 25,8 Millionen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen kletterte um 3,8 Prozent auf 448 Millionen Euro. Dirks kündigte an, gemeinsam mit Telefónica ein „führendes digitales Telekommunikationsunternehmen“ zu schaffen.

Unterdessen bleibt der deutsche Ableger des spanischen Telekomriesen Telefónica kurz vor der Übernahme in den roten Zahlen. Im zweiten Quartal verbuchten die Münchner bei einem Kundenbestand im Mobilfunk von 19,4 Millionen und Umsatzerlösen von 728 Millionen Euro einen Verlust von 24 Millionen Euro. Dieser summierte sich für das erste Halbjahr auf einen Betrag von 64 Millionen Euro.

Was die Fusion von E-Plus und O2 für den Kunden bedeutet

Worum geht es?

Die niederländische KPN verkauft ihre Tochter E-Plus an Telefónica Deutschland. Das wurde bereits im Juli 2013 angekündigt. Telefónica Deutschland gehört seinerseits zum spanischen Telefónica-Konzern und bietet vor allem die Mobilfunk-Marke O2 an. „Das neue Unternehmen wird erhebliche Größen- und Effizienzvorteile erzielen“, erklärte Telefónica Deutschland am Mittwoch. Abgeschlossen sein soll der Kauf voraussichtlich bis Ende September.

Wie viele Mobilfunkanbieter gibt es jetzt noch?

Von den großen Anbietern, die ein eigenes Mobilfunknetz besitzen, gibt es in Deutschland künftig nur drei statt vier. Neben Telefónica Deutschland sind dies die Deutsche Telekom und Vodafone. Allerdings gibt es noch viele weitere Mobilfunkmarken. Sie gehören entweder auch zu diesen großen Konzernen oder zu anderen Anbietern. Diese Anbieter leihen sich sozusagen das Netz von den Großen und bieten dann den Endkunden eigene Verträge an. Außerdem könnte sich künftig nach Einschätzung der EU-Kommission auch wieder ein weiterer Anbieter mit eigenem Netz etablieren.

Was bedeutet der Wegfall eines so großen Unternehmens?

Die EU-Kommission hatte bei der Fusion zunächst Bedenken. Sie befürchtete, die Konzentration könne dazu führen, dass sich die verbleibenden Firmen nicht mehr so hart bekriegen - was für die Kunden schlecht wäre, die gerade vom Wettbewerb Vorteile haben. Deshalb hat die EU-Behörde eine ganze Reihe Auflagen für die Fusion gemacht. Dazu gehört zum Beispiel, dass Telefónica 30 Prozent der Netzkapazitäten des neuen Unternehmens verkaufen muss.

Reichen die Auflagen aus?

Die EU-Kommission sagt Ja: „Verbraucher werden weiterhin in den Genuss der Vorteile eines wettbewerbsorientierten Marktes kommen“, kündigte Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia an. Der auf die Branche spezialisierte Professor Torsten J. Gerpott von der Universität Duisburg-Essen hält die Auflagen dagegen für ungenügend. Sie dienten als „Deckmäntelchen“ für eine industriefreundliche und verbraucherfeindliche Politik der Kommission, sagte er AFP. Auch Ilja Braun von der Verbraucherzentrale Bundesverband warnt: „Eine Konzentration im Markt birgt für Verbraucher immer Gefahren.“

Steigen jetzt die Preise?

Das ist nicht ausgeschlossen. Zwar seien kurzfristig keine Preissteigerungen zu befürchten, glaubt Gerpott. Er verweist aber zugleich auf Österreich, wo es vor 18 Monaten eine vergleichbare Übernahme gab. Dort seien „die Preise nicht mehr so schnell gefallen und zum Teil sogar gestiegen“. Das könnte mittelfristig auch in Deutschland passieren, meint der Wirtschaftsprofessor. Telefónica äußert sich nicht konkret zu Preisen. In einer Erklärung versichert das Unternehmen aber, „den Markt mit innovativen Produkten und Services (...) noch stärker herauszufordern.“

Ändern sich die bestehenden Mobilfunk-Verträge?

Bei bereits abgeschlossene Verträgen besteht kein Grund zur Sorge. „Bestehende Verträge ändern sich nicht“, sagte ein Sprecher von Telefónica Deutschland.

Verschwindet E-Plus jetzt ganz?

Ob die Marke E-Plus bestehen bleibt oder verschwindet, das lässt sich laut Telefónica Deutschland noch nicht sagen. Dafür müsse erst der Abschluss der Übernahme abgewartet werden.

Was kann noch passieren?

Denkbar sind laut Verbraucherschützer Braun, dass einige Billigmarken wegfallen, die bisher unter dem Dach von E-Plus und Telefónica angeboten werden. Ferner könnten auch Läden geschlossen werden. „Es macht keinen Sinn, dann einen O2-Laden neben einem E-Plus-Laden zu haben“, sagte Braun.

Bei der Entwicklung der Umsätze seien im Ablauf der beiden vergangenen Quartale aber positive Tendenzen erkennbar, hieß es in einer Mitteilung. Hierzu trügen vor allem das mobile Datengeschäft und positive Impulse bei der Kernmarke O2 bei.

Der Unternehmensvorstand von Telefónica zeigte sich zuversichtlich, die Übernahme von E-Plus im dritten Quartal abschließen zu können. Erste Schritte im Hinblick auf die neue Organisation seien bereits festgelegt worden, hieß es. Die neue Mobilfunkallianz, die die EU-Kommission Anfang Juli unter Auflagen genehmigt hatte, wird gemessen an der Kundenzahl mit mehr als 45 Millionen verkaufter SIM-Karten der größte deutsche Anbieter sein.

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