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10.07.2012

16:52 Uhr

Vue Entertainment

Britischer Kinobetreiber will Cinemaxx kaufen

Die deutsche Kinokette Cinemaxx soll verkauft werden. 174 Millionen Euro bietet der britische Kinobetreiber Vue Entertainment. Die Parteien sind sich einig. Allerdings fehlt noch die Zustimmung der Kartellwächter.

Cinemaxx-Kino Dammtor in Hamburg. dpa

Cinemaxx-Kino Dammtor in Hamburg.

Berlin/HamburgDie deutsche Kinokette Cinemaxx kommt unter britische Regie. Der Kinobetreiber Vue aus Großbritannien will den Hamburger Kinobetreiber für rund 174 Millionen Euro übernehmen. Je Aktie werden 6,45 Euro geboten. An der Börse stieg der Kurs des Papiers am Dienstag zeitweise um mehr als 40 Prozent auf über 6,30 Euro. Großaktionär Herbert Kloiber hat bereits zugegriffen und verkauft seinen knapp 85-prozentigen Anteil. Der Übernahme müssen die Kartellbehörden noch zustimmen.

Cinemaxx begrüßt den neuen Eigner grundsätzlich. „Wir sind sehr zuversichtlich, mit Vue eine gute Perspektive zu haben“, sagte ein Unternehmenssprecher. Cinemaxx betreibt in Deutschland 31 und in Dänemark 3 Kinocenter mit rund 75 000 Plätzen. 2011 kamen 16,3 Millionen Besucher in die mehr als 290 Kinosäle - allerdings ein Rückgang von 7,1 Prozent.

Die Geschichte von Cinemaxx

Die Gründung

Die Kinokette Cinemaxx blickt auf eine wechselvolle 35-jährige Unternehmensgeschichte zurück. 1977 brachte Hans-Joachim Flebbe in Hannover in ersten Kinosälen Filme auf die Großleinwand. Er gründet 1989 auch die Cinemaxx-Gesellschaft, begibt sich als Vorreiter der Mulitplexkinos und mit einer Auslandsexpansion aber auf schwerer werdendes Terrain.

Der Niedergang

Im harten Wettbewerb um Kinogänger gerät das Unternehmen vor gut zehn Jahren in einen Strudel: die Besucherzahlen gehen zurück, der Markt ist mit Kinosälen nahezu überbestückt, hohe Mieten für die kaum anders zu nutzenden Vorführungssäle belasten.

Wechsel eingeleitet

Im Juni 2008 gibt Pionier Flebbe vor der Hauptversammlung seine Abschiedsvorstellung, der Hauptaktionär und Filmrechtehändler Herbert Kloiber verlangt einen Wechsel. Der damalige Finanzvorstand Christian Gisy rückt an die Spitze - und bringt den Sanierungsprozess voran. Ein Jahr später kehrt das Unternehmen nach langer Verluststrecke in die Gewinnzone zurück.

Die Rückkehr

Für 2011 meldet der Konzern einen Jahresüberschuss von rund 19 Millionen Euro (Vorjahr: 28,2 Millionen). Der Umsatz geht um 2,5 Prozent auf rund 200 Millionen Euro zurück. Besucher blieben aus - 7,1 Prozent weniger kamen als im Vorjahr. Kinobetreiber sind stark abhängig von der Qualität der auf den Markt kommenden Filme - und vom Wetter. Unter dem Dach der britischen Vue Entertainment soll Cinemaxx wieder stärker in Europa mitspielen.

Vue Entertainment verfügt über 85 Kinos mit rund 800 Sälen in Großbritannien, Irland, Portugal und Taiwan. Seinen Umsatz gibt das Unternehmen mit 300 Millionen Pfund (rund 378 Mio Euro) an, bei Cinemaxx beträgt er knapp 200 Millionen. Gemeinsam kommen sie auf rund 5100 Mitarbeiter (Cinemaxx: 1800).

Kinobetreiber sind - neben dem Wetter - maßgeblich von der Qualität der angebotenen Filme abhängig - im ersten Quartal 2012 überzeugten weiterhin der Dauerbrenner aus Frankreich „Ziemlich beste Freunde“ und der deutsche Film „Türkisch für Anfänger“. Der Cinemaxx-Vorstand sieht in live übertragenen Opern-Aufführungen oder Konzerten Potenzial weiteres Wachstum. Nach einer Verluststrecke und Sanierungsphase kämpfte sich der Konzern 2009 unter Führung von Vorstandschef Christian Gisy wieder in die Gewinnzone zurück. Der Jahresüberschuss 2011 lag bei knapp 20 Millionen Euro.

Unter dem Dach der Briten wittert Mehrheitseigner Kloiber, der nach acht Jahren seine Anteile verkauft, wieder Morgenluft für das Hamburger Unternehmen. Schließlich habe der Vorstandschef in knapp fünf Jahren und in durchaus turbulenten Zeiten die Aktiengesellschaft zu einem profitablen und schuldenfreien Unternehmen gemacht, teilte der Filmrechthändler mit. „Heute kann Cinemaxx wieder gestärkt auf Expansionskurs gehen“.

Der Vorstandschef von Vue Entertainment, Tim Richards, sieht in den Cinemaxx-Multiplexkinos eine perfekte Ergänzung zur eigenen Marke. Die Expansion auf das europäische Festland sei Teil der Unternehmensstrategie seit Gründung 2003. „Wir sind fest davon überzeugt, dass die neue Gruppe die Zahl der Kinobesuche weiter steigern kann, indem sie ein herausragendes Kinoerlebnis bietet, das seinesgleichen sucht“, teilte Richards mit.

Sein Vorstoß dürfte von einer anderen Seite des britischen Commonwealth aufmerksam beobachtet worden sein: Der australische Freizeitkonzern Amalgameted Holdings (AHL) hatte mit seiner Greater Union 2003 die deutsche Kinokette CineStar (Lübeck) vollständig übernommen - für Cinemaxx der schärfste Konkurrent im Inland.

Von

dpa

Kommentare (2)

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ich

10.07.2012, 18:30 Uhr

Na ja, Cinestar führt den Markt gemeinsam mit der Cineplex Gruppe an. CinemaxX ist lediglich die Nummer drei im Teich. Schärfster Konkurrent ist da ein relativer Begriff.

Mike

11.07.2012, 16:33 Uhr

CineStar ist lediglich Marktführer bei der Anzahl der Multiplexkinos in Deutschland. CinemaxX hingegen macht mit über 40 Kinos weniger ( im vergleich zu CineStar ) den höheren Umsatz in Deutschland. Cineplex ist zudem keine Kinokette ( Gruppe ) sondern ein Verbund einzelner kleiner Kinobetreiber die ediglich unter dem Dachverband "Cineplex" in Deutschland agieren. Somit ist CinemaxX ganz klar Marktführer zusammen mit CineStar in Deutschland. Die 3. Position geht dann wohl eher an UCI und Platz 4 an Kinopolis.

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