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17.02.2014

18:50 Uhr

Wächter über den Zufall

Der Casino-Geheimdienst

VonChristof Kerkmann

Niemand soll den Zufall schlagen: Das Hightech-Casino Aria in Las Vegas überwacht jeden Winkel per Kamera, damit kein Zocker die Bank überlistet. Ein Besuch beim Casino-Geheimdienst in der Hauptstadt des Glücksspiels.

Alles im Blick: Ted Whiting ist Überwachungschef des Aria-Casinos. Christof Kerkmann

Alles im Blick: Ted Whiting ist Überwachungschef des Aria-Casinos.

Las VegasTed Whiting hat etwas gegen Dunkelheit. Auch das Halbdunkel mag er nicht. Im schummrigen Licht versagen seine wichtigsten Helfer: Kameras.

Whiting hat auf seiner Visitenkarte den Titel Director of Surveillance: Er ist Überwachungschef im Aria, dem wohl modernsten Casino in der Spielerstadt Las Vegas. Der Security-Boss und seine Hilfssheriffs passen auf, dass niemand beim Blackjack, Roulette oder am einarmigen Banditen dem Zufall ein Schnippchen schlägt. In einem stillen Kontrollraum unter der blinkenden, klingelnden Welt der Automaten und Spieltische beobachten sie auf einer Wand mit dutzenden Monitoren das Geschehen von oben. „Der Feind einer Kamera“, sagt Whiting also, „ist schlechtes Licht.“

Der Betrug ist so alt wie das Glücksspiel. Deswegen investieren die Casinos in aller Welt enorme Summen, um Kartenzählern und Spielern mit Assen im Ärmel auf die Spur zu kommen. Allerdings reden die Betreiber ungern über ihre Sicherheitssysteme, mehrere Spielbanken in Las Vegas lehnten ein Interview ab. Sie wollen mögliche Betrüger nicht auf dumme Gedanken bringen.

Ted Whiting ist da offenherziger – aus Kalkül. Seine Botschaft an die Spieler soll lauten: Wir sehen euch. Und wenn ihr betrügt, dann kriegen wir euch.

Zockerhauptstadt Las Vegas

Hauptstadt des Glücksspiels

Las Vegas ist mit rund 600.000 Einwohnern die größte Stadt im US-Staat Nevada – und eine der Metropolen des Glücksspiels: Die Casinos gelten als Hauptattraktion. Die Vergnügungsmeile Las Vegas Strip liegt allerdings außerhalb der eigentlichen Stadtgrenze.

Wachstum dank Bauarbeitern

Seinen heutigen Charakter nahm Las Vegas in den 30er Jahren an: Als der Hoover-Staudamm am heutigen Lake Mead in rund 50 Kilometern Entfernung gebaut wurde, strömten viele Arbeiter in die Stadt, um sich nach der Schicht in den Bars und Nachtclubs abzulenken. Als das Glücksspiel legalisiert wurde, öffnete ein Casino nach dem anderen.

... und der Mafia

Dass Las Vegas wurde, was es heute ist, hat auch mit der Mafia zu tun. Sie wollte an dem wachsenden Amüsiergeschäft mitverdienen. In den 50er und 60er Jahren gehörten Geldwäsche und Korruption zum Alltag. Gangster finanzierten etliche bekannte Hotels mit.

Vom Ratpat zu Celine Dion

Seit den 50er Jahren bietet Las Vegas auch Bühnen für die großen Stars. Erst traten Frank Sinatra, Sammy Davis Jr und Dean Martin auf, dem „Rat Pack“ folgten Elvis Presley und Madonna. Heute gehört die Sängerin Celine Dion zu den großen Attraktionen.

Cäsarenpalast und Ritterburg

In den 90er Jahren eröffneten am Las Vegas Boulevard außerhalb des Stadtkerns zahlreiche Hotels. Viele widmen sich einem Thema: Das Venetian ist im Stile Venedigs gestaltet, der Caesar's Palace soll an das Alte Rom erinnern, das Luxor an die ägyptischen Pyramiden, und das Excalibur sieht von außen aus wie eine bunte Ritterburg. Jedes ist für sich eine kleine Stadt – mit Restaurants, Tagungssälen und natürlich Casinos.

Heiraten im Schnelldurchgang

Ein weiterer Wirtschaftszweig: Heiraten. Dank lockerer Gesetze geht das ist Las Vegas sehr unkompliziert. Paare benötigen wenig mehr als ihren Pass und die Gebühr. Gegen Aufschlag singt auch ein Elvis-Imitator. Der King selbst hatte sich 1967 in der Glitzerstadt trauen lassen.

Das 2009 eröffnete Aria ist einer der modernsten Hotelkomplexe an der Zockermeile Las Vegas Boulevard, den die Einheimischen schlicht „Strip“ nennen. Das gilt für die Zimmer in den geschwungenen Doppeltürmen aus Stahl und Glas, in denen Vorhänge und Klimaanlage vollautomatisch gesteuert werden. Erst recht gilt das für das Überwachungssystem im weitläufigen Casino.

Dafür hat Chef-Schnüffler Whiting gesorgt, schon vor der Eröffnung. Beim milliardenteuren Bau des Komplexes passte er darauf auf, dass in den Spielsälen an den richtigen Stellen Lampen eingebaut wurden, damit seine Kameras später auf gut beleuchtete Roulette- und Pokertische blicken konnten. Anders als in vielen älteren Kasinos, in denen die Bilder wenig zeigen. „Wir kriegen nicht jeden Betrüger, aber mehr als alle anderen“, sagt Whiting, der auch schon als Kellner, Kartengeber und Casino-Kassierer gearbeitet hat.

An diesem Freitagnachmittag ist Stoßzeit für den Casino-Geheimdienst: Flugzeuge mit Wochenendbesuchern landen im Minutentakt in der Party- und Zockerstadt. Die Touristen wollen feiern, sich zwei oder mehr Drinks genehmigen trinken, tanzen, Celine Dion oder den Cirque du Soleis in einer der vielen Shows bewundern. Und fast alle werden wenigstens ein paar Dollar beim Glücksspiel riskieren. An den Tischen mit den hohen Einsätzen setzen die Profi-Zocker sogar Tausender. Unten im Keller starren sieben der 21 Überwacher auf die Bildschirme an der Wand. Sie haben 2.000 Automaten und 145 Spieltische des Casinos im Blick.

Kommentare (4)

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Skeptiker

17.02.2014, 19:00 Uhr

...und ich dachte immer, die Hauptstädte des Glücksspiels wären die Bankenmetropolen...

Der_ewige_Spekulant

18.02.2014, 08:41 Uhr

@ Skeptiker

Sie können Gift darauf nehmen, dass die Investmentbanken Goldman Sachs, Morgan Stanley, Merrill Lynch und Co. ganz genau wissen, wie ihr Depot aussieht.

Auch wissen die in etwa, wie Sie handeln werden.
Was Amazon kann (weiß was Sie kaufen werden), das können die Banken schon lange.

gugginga

18.02.2014, 15:11 Uhr

übrigens: wer Karten zählt beim BlackJack ist kein Betrüger, sondern nur ein Spieler der sein Hirn gebraucht, was aber Casinos gern verbieten....das muß man sich wirlich so vorstellen: Denken verboten im Casino!!

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