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23.01.2012

22:28 Uhr

WAZ-Mediengruppe

Geschäftsführer Hombach scheidet nach Anteilsverkauf aus

Die drei Erben des WAZ-Mitbegründers Erich Brost haben ihren 50-Prozent-Anteil an Petra Grotkamp verkauft. Damit wächst deren Anteil auf 66,6 Prozent. Bodo Hombach scheidet mit dem Abschluss als WAZ-Geschäftsführer aus.

Die Mehrheit der Anteile der WAZ-Mediengruppe gehört nun Petra Grotkamp. ap

Die Mehrheit der Anteile der WAZ-Mediengruppe gehört nun Petra Grotkamp.

EssenMit einem spektakulären Millionen-Geschäft hat die WAZ-Mediengruppe ihre Eigentümerverhältnisse neu geordnet: Die drei Erben des Mitbegründers Erich Brost haben ihren 50-Prozent-Anteil an Petra Grotkamp verkauft. Die Tochter des zweiten Firmengründers Jakob Funke hält damit durchgerechnet 66,6 Prozent, teilte Grotkamps Anwalt am Montagabend mit. Das Bundeskartellamt habe bereits zugestimmt. Der Erwerb erfolge mit wirtschaftlicher Rückwirkung zum 31. Dezember 2011.

Der Testamentsvollstrecker der Brost-Erben habe zugestimmt, die Verträge seien unterschrieben, teilte die Verlagsgruppe mit. Zum Kaufpreis gab es keine Angaben. Er soll laut Branchenkreisen bei etwa 500 Millionen Euro liegen. Ex-Kanzleramtsminister Bodo Hombach, der für die Brost-Seite zehn Jahre lang WAZ-Geschäftsführer war, scheidet mit dem Abschluss aus dieser Position aus.

Er werde die Mediengruppe aber weiter beraten und im Initiativkreis der Ruhr-Industrie vertreten, teilte Hombach mit. „Von Anfang an habe ich den Verkauf der WAZ-Anteile der Brost-Erben an Frau Grotkamp als richtig erachtet“, schreibt Hombach in einer Presseerklärung. Er biete „eine große Chance für eine neue WAZ-Ära in einer im Umbruch befindlichen Medienlandschaft“.

Die WAZ-Mediengruppe mit 40 Zeitungen und mehr als 100 Zeitschriften erwirtschaftete 2011 mit etwa 15.000 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 1,1 Milliarden Euro, 2010 waren es noch 1,2 Milliarden Euro Umsatz. Nach deutlichem Personalabbau soll das Betriebsergebnis 2011 wieder im dreistelligen Millionenbereich liegen. Ein WAZ-Sprecher wollte dazu keine Angaben machen.

„Das Ende des bisherigen Einigungszwanges zwischen den beiden Gründerfamilien erleichtert die Entscheidungsfindung im Konzern. Für die Zukunft ist dies eine wichtige Voraussetzung, die WAZ-Mediengruppe weiter auszubauen“, schreibt der Testamentsvollstrecker Peter Heinemann in einer Presseerklärung. Geschäftsführer der Funke-Seite ist der 2008 vom Springer-Verlag nach Essen gekommene Christian Nienhaus.

Nach der Klärung der Eigentümerverhältnisse werden in der Branche weitere Reformen bei der WAZ etwa zum Ausbau des digitalen Angebots erwartet. Die neue Mehrheitseigentümerin Petra Grotkamp muss sich dabei allerdings mit den beiden weiteren Eigentümern Stephan Holthoff-Pförtner und Renate Schubries abstimmen. Teil der Verträge sei auch die Zusicherung Grotkamps, für mindestens ein Jahr keine Konzerngesellschaft weiterzuverkaufen, teilte Testamentsvollstrecker Heinemann mit.

Klaus Schubries begrüßte als Bevollmächtigter der Funke-Familien-Gesellschaft (FFG) den Kauf der Brost-Anteile durch Grotkamp ausdrücklich. „Ich bringe damit die Hoffnung zum Ausdruck, dass es uns gemeinsam in der Einigkeit, die bei den letzten FFG-Sitzungen praktiziert worden ist, gelingen wird, die WAZ Mediengruppe erfolgreich in die Zukunft zu führen und weiter zu entwickeln“, erklärte Schubries.

Der Sozialdemokrat Erich Brost und der Konservative Jakob Funke hatten 1948 die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ mit einer Lizenz der britischen Militärregierung gegründet. Aus ihr entstand einer der größten regionalen Zeitungsverlage Europas.

Von

dpa

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