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31.10.2013

07:34 Uhr

WDR stellt sich Kritik

„Unerhört, ungebildet und unhöflich“

VonJakob Struller

Sonst kritisiert der WDR selbst, gestern Abend war es mal anders herum. Der neue WDR-Intendant Tom Buhrow stellte sich der Kritik seiner Zuhörer und Zuschauer – öffentlich. Es ging um die Daseinsberechtigung des Senders.

(„Ich nehme die Anregung mit“: Der Intendant des Westdeutschen Rundfunks (WDR), Tom Buhrow (ganz links), gab sich am Mittwochabend volksnah und stellte sich der Kritik von Zuschauern und Zuhörern. dpa

(„Ich nehme die Anregung mit“: Der Intendant des Westdeutschen Rundfunks (WDR), Tom Buhrow (ganz links), gab sich am Mittwochabend volksnah und stellte sich der Kritik von Zuschauern und Zuhörern.

Köln„Unerhört, ungebildet und unhöflich“ sei es, dass der Name des Komponisten Mendelssohn Bartholdy immer wieder falsch von WDR-Moderatoren ausgesprochen werde - so lautet die Beschwerde eines WDR-Hörers. Und es sollte an diesem Mittwoch Abend nicht die einzige bleiben, der sich Tom Buhrow, frisch gebackener WDR-Intendant, stellen musste. Es ist ein neuer Weg, den der Sender geht. Etwa 200 Zuschauer sind im Studio im „Kunstwerk“ in Mönchengladbach, und können Dampf ablassen, zusätzlich werden Zuschriften von Zuschauern und Zuhörern vorgetragen. Es geht um die Daseinsberechtigung der Öffentlich-Rechtlichen, ums Programm, die Nachrichten, den Tatort, das junge Publikum. Es geht manchmal um winzige Details und natürlich oft um den Rundfunkbeitrag.

Neu-Intendant Tom Buhrow antwortet auf Fragen aus dem Publikum, spricht mit Kollegen und Kritikern und wirkt ehrlich bemüht, auf jedes einzelne Problem einzugehen. Nach Aldi, Apple und anderen Marken checkt der Westdeutsche Rundfunk WDR sich selbst. Das 90-minütige Format soll es von nun an öfter geben. Und in weiten Teilen funktioniert es gut.

Natürlich, eine Veranstaltung nach dem Motte „endlich mal den Chef sprechen“ hat mit mehren Problemen zu kämpfen: Vor allem mit der Frage, was sie bringen soll, außer den Menschen guten Willen zu zeigen. Denn die Probleme, die bei solchen Anlässen meist vorgetragen werden, sind dem Chef entweder wohl bekannt aber schwer lösbar oder es sind Sonderwünsche.

Zum Beispiel nach „einer ganzen Sendung nur für die lokalen Kulturstätten“, wie ein Zuschauer fordert. Oder nach mehr Randsportarten in den Sportsendungen. Oder dass das Symphonieorchester öfter auch im Fernsehen auftreten solle. Legitime Sonderwünsche seien das, versicherte Buhrow. Aber eben Dinge, für die es zu wenig Platz und zu wenig Nachfrage gebe. „Ich kann da nur um Verständnis werben“, sagt der Intendant oft. Und noch häufiger: „Aber ich nehme die Anregung mit.“

Dabei wirkt Buhrow zwar tatsächlich voller Verständnis für die Fans von Eishockey, Orchestermusik und Seidenmuseum. Dass sich auf ihre „Anregungen“ bald das Programm grundlegend ändert, wirkt dennoch nicht wahrscheinlich.

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

31.10.2013, 08:10 Uhr

"Die Kabarett-Band „Der Familie Popolski“ soll mit Polka für Auflockerung sorgen und überzeugt sogar Buhrow davon, in der „Wodka-Pause“ einen Kurzen zu trinken – schließlich sei das im Polnischen Fernsehen Vorschrift."

Wodka-Pause? Einen Kurzen trinken? Das kann man auch anders sehen: Da wird durch Gruppenzwang zum Saufen animiert... und Alle machen mit. Und das in einer Sendung, in der kurz zuvor von Jugendschutz gesprochen wurde? Ob der Herr Intendant schon mal was von Koma-saufen gehört hat, welches genau durch solchen Gruppenzwang entsteht?

Erbärmliche Sendung, die nur der Selbstbeweihräucherung diente.

Kapturak

31.10.2013, 08:25 Uhr

Das Regierungsfernsehen gehört abgeschafft. Die öffentlich-rechtlichen sollten in Genossenschaften mit freiwilliger Mitgliedschaft umgewandelt werden.

Rory-Breaker

31.10.2013, 08:44 Uhr

Was mich am WDR besonders stört, ist die Tatsache, dass dieser Sender politisch eben nicht unabhängig und neutral ist. Tatsächlich ist eine große Affinität in Kommentaren, Berichterstattungen, ja bereits in der Auswahl der Nachrichten in Richtung links (pro Grüne, pro SPD) zu erkennen, was außerordentlich deutlich wurde, als für kurze Zeit in NRW eine christlich-liberale Koalition regierte. Seit es wieder eine rot-grüne Koalition in NRW gibt, hört man weit weniger Kritik über die Landesregierung. Das fällt definitiv auf. WDR, westdeutscher Rotfunk eben...

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