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05.11.2015

18:08 Uhr

Wechsel bei Axel Springer

Kai Diekmann gibt die „Bild“-Chefredaktion auf

VonKai-Hinrich Renner

Generationswechsel bei der „Bild“-Zeitung: Kai Diekmann gibt die Chefredaktion ab. Seine Nachfolgerin steht auch schon fest. Seine bisherige Stellvertreterin Tanit Koch übernimmt den Job.

Verlässt die Chefredaktion der „Bild“: Kai Diekmann. dpa

Kai Diekmann

Verlässt die Chefredaktion der „Bild“: Kai Diekmann.

Hamburg. Der moderne Mensch ist Globalist, und so spürte Kai Diekmann vor nicht allzu langer Zeit im Silicon Valley die neuesten digitalen Trends auf, war dann in Südkorea, um die dortige Mobile-Szene zu erkunden, und postet zwischendurch via Twitter und Facebook besondere Bilder, zum Beispiel von seinen Ziegen, die er auf seinem Grundstück bei Potsdam hält.

Die Frage ist: Wie kommt man noch dazu, als Chefredakteur die „Bild“-Zeitung zu machen? Antwort: In Zukunft überhaupt nicht mehr.

Zum Jahresende gibt der Journalist sein Amt bei „Bild“ in der bisherigen Form auf – und übergibt an seine Stellvertreterin Tanit Koch, 38, die Unterhaltungschefin des Boulevardblatts. Diekmann, 51, bleibt Herausgeber der Publikationen der „Bild“-Gruppe und bestimmt die publizistische Linie dieser „roten Gruppe“. Künftig werden die Chefredakteure von „Bild“, „Bild am Sonntag“, „Bild.de“ und „BZ“ direkt an ihn berichten.

15 Jahre wird es Diekmann am Ende am Balken von „Bild“ ausgehalten haben, länger als jeder andere Chefredakteur zuvor. Auf zehn Jahre war Peter Boenisch gekommen. Seit Jahresanfang hat er mit Mathias Döpfner, Vorstandschef des Medienhauses Axel Springer, über die Personalrochade gesprochen. Dann war Zeit für den Generationswechsel. Das Konzept von „Bild“ habe „sowohl digital als auch international spannende Entwicklungsperspektiven“, kommentiert Döpfner: „Diese Potenziale wird Kai Diekmann in seiner neuen, übergeordneten Aufgabe konkretisieren.“

Diekmann wird also so etwas wie der Entwicklungsminister für das wirtschaftlich für Springer eminent wichtige Objekt. Er soll sich neue Formate, Ableger und Kooperationen für „Bild“ einfallen lassen – auch im Ausland. Gedacht wird an neue digitale Objekte.

Kritiker bringen die Demission Diekmanns in Zusammenhang mit der Auflagenentwicklung von „Bild: Sie hat sich in 15 Jahren von knapp vier Millionen auf gut zwei Millionen fast halbiert. Zwar ist das branchentypisch; es gibt aber auch Boulevardtitel, deren Auflage nicht ganz so stark einbrach wie die des Marktführers. Die „Hamburger Morgenpost“ verlor in diesem Zeitraum 30 Prozent, die Münchener „tz“ nur 20 Prozent. Wie es in Verlagskreisen heißt, gingen die Bruttoanzeigenumsätze von „Bild“ von Januar bis September um 15 bis 20 Prozent zurück. Brutto legten die Anzeigenumsätze der deutschen Zeitungen dagegen im gleichen Zeitraum um 0,2 Prozent zu.

„Bild“ und Diekmann selbst verweisen auf die durch Bild.de gestiegene Gesamtreichweite und die weiter ausgebaute Marktführerschaft. Zudem gilt die Zahl von fast 300 000 zahlenden Online-Lesern („Bild plus“) den Verlagsmachern als Erfolg.

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