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29.04.2013

12:49 Uhr

Wechsel von der dpa

Büchner wird „Spiegel“-Chefredakteur

Der Chefredakteur der Deutschen Presse-Agentur (dpa) wechselt zum „Spiegel“. Wolfgang Büchner beerbt die entlassenen Doppelspitze Mascolo und Müller von Blumencron. Büchner soll den „Spiegel“ und „Spiegel Online“ leiten.

Wolfgang Büchner (links) wird Chefredakteur des „Spiegel“. dpa

Wolfgang Büchner (links) wird Chefredakteur des „Spiegel“.

Berlin/HamburgWolfgang Büchner (46) wird neuer Chefredakteur des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ und von „Spiegel Online“. Der bisherige dpa-Chefredakteur solle sein Amt zum nächstmöglichen Zeitpunkt antreten, teilte „Der Spiegel“ am Montag in Hamburg mit. Damit übernimmt erstmals in der Geschichte des Magazins ein Chefredakteur die Bereiche Print und Online zugleich.

Büchner kennt das Hamburger Verlagshaus bereits: 2001 stieg er bei „Spiegel Online“ ein, von 2008 bis 2009 war er Chefredakteur des Nachrichtenportals. Seit Anfang 2010 steht Büchner an der Spitze der dpa-Redaktion, Mitte 2009 war er zu der Nachrichtenagentur gekommen.

„Spiegel“-Geschäftsführer Ove Saffe sagte laut Mitteilung: „Er bringt alle Voraussetzungen mit, die beiden Redaktionen des Nachrichten-Magazins "Der Spiegel" und der Nachrichten-Website "Spiegel Online" erstmals gemeinsam zu führen und damit die publizistische Zukunft der Medienmarke "Spiegel" erfolgreich zu gestalten.“

Die Zeitungskrise

Deutschland, Zeitungsland

Trotz aller Hiobsbotschaften aus der Medienbranche ist Deutschland immer noch ein Zeitungsland: Nach aktuellen Angaben des Bundesverbandes deutscher Zeitungsverleger (BDZV) gibt es hier 315 lokale und regionale Abonnementzeitungen, 10 überregionale Blätter sowie 8 Straßenverkaufszeitungen, vor allem die „Bild“.

Die Auflagen sinken

Doch die meisten Blätter verlieren von Jahr zu Jahr an Auflage. Im zweiten Quartal 2013 wurden pro Erscheinungstag 20,64 Millionen Tageszeitungen verkauft, wie aus einer Erhebung der IVW hervorgeht. Das sind rund 4 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Darin sind rund 0,38 Millionen E-Paper-Ausgaben enthalten. Bei den Wochenzeitungen zeichnet sich ein ähnlicher Trend ab: Die verkaufte Auflage sank um rund 20.000 auf 1,73 Millionen Exemplare.

Der Werbemarkt schwächelt

Die sinkende Auflage trifft die Zeitungen gleich doppelt: Zum einen sinken die Vertriebserlöse, wenn die Verlage den Verkaufspreis nicht anheben (was in den letzten Jahren aber viele getan haben). Zum anderen verdienen sie weniger mit den Anzeigen – deren Preis richtet sich nach der Reichweite. Während der Gesamtwerbemarkt 2012 um 0,9 Prozent schrumpfte, verzeichneten die Zeitungen einen Umsatzrückgang von 9,1 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Fürs laufende Jahr erwartet der Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft, dass die Verlage maximal eine schwarze Null erreichen.

Rubrikenmärkte wandern ins Netz ab

Mit Kleinanzeigen, Stellenausschreibungen und Autoanzeigen haben die Verlage jahrzehntelang gutes Geld verdient. Doch die Rubrikenmärkte sind weitgehend ins Internet abgewandert – viele der Portale gehören nicht Verlagen, sondern anderen Akteuren. Hier gibt es nur wenige Ausnahmen. Im Online-Geschäft sehr aktiv ist beispielsweise der Axel-Springer-Verlag, ihm gehören das Immobilienportal Immonet und das Stellenportal Stepstone.

Digitale Produkte gleichen Minus nicht aus

Die große Hoffnung auf den Verkauf digitaler Ausgaben hat sich bislang nicht erfüllt. Zwar verkaufen sich E-Paper immer besser, im zweiten Quartal 2013 waren es rund 380.000 Exemplare. Doch das ist zu wenig, um den Rückgang der Printauflage aufzufangen. Die Reichweite der Web-Portale steigt zwar, doch die Werbeeinnahmen gleichen das Umsatzminus nicht aus. Viele Verlage hoffen, mit Bezahlmodellen im Netz mehr Geld zu erwirtschaften.

Hoffnung auf die große Reichweite

„Gedruckt, online und mobil erreichen die Zeitungen aktuell ein Publikum, das so groß ist wie nie zuvor“, erklärt der BDZV. Auf diese Reichweite hoffen die Verleger. Als Chancen nennt der Verband das Digitalgeschäft, aber auch neue Geschäftsfelder wie Aus- und Weiterbildung oder Veranstaltungsmanagement. Allerdings haben viele Verlage mit diversen Sparrunden das Personal stark ausgedünnt – das erschwert die Umsetzung neuer Ideen.

Bezahlinhalte als Ausweg?

Immer mehr Verlage hoffen, mit Bezahlinhalten den Umsatz steigern zu können. Beim „metered model“, das etwa die „Welt“ verwendet, dürfen die Leser nur eine bestimmte Zahl an Artikeln kostenlos lesen – danach müssen sie ein Abo abschließen. Und die „Bild“ stellt nur einen Teil der Artikel kostenlos ins Netz, andere Beiträge bekommen nur zahlende Kunden zu sehen.

Am 9. April war die bisherige „Spiegel“-Doppelspitze von Print-Chef Georg Mascolo und Digital-Chef Mathias Müller von Blumencron abgesetzt worden. Die Trennung erfolgte aufgrund „unterschiedlicher Auffassungen zur strategischen Ausrichtung“.

Bis zu Büchners Start wird die „Spiegel“-Redaktion geführt von den beiden stellvertretenden Chefredakteuren, Klaus Brinkbäumer und Martin Doerry. Rüdiger Ditz, Chefredakteur von „Spiegel Online“, verantwortet das Nachrichtenangebot im Internet.

Deutschlands führende Nachrichtenagentur dpa erlebte unter Büchner große Umwälzungen. Über seine Nachfolge werde der dpa-Aufsichtsrat entscheiden, teilte die Nachrichtenagentur mit. Einen genauen Zeitplan für die Berufung eines neuen Chefredakteurs gebe es noch nicht.

Die dpa gratulierte Büchner zu seiner neuen Aufgabe. „Als Chefredakteur hat Wolfgang Büchner wesentliche Impulse für die konzeptionelle und organisatorische Weiterentwicklung der dpa-Redaktion gegeben“, sagte Karlheinz Röthemeier, der Vorsitzende des dpa-Aufsichtsrates. „Wir haben ihn als kreativen Kopf und erfolgreichen Redaktionsmanager erlebt, der konsequent seinen Weg gegangen ist. Der dpa-Aufsichtsrat dankt Wolfgang Büchner sehr für sein großes Engagement zum Wohle des Unternehmens in den vergangenen Jahren.“ In einer außerordentlich einberufenen Redaktionskonferenz im Berliner Newsroom gab es lang anhaltenden Applaus für Büchners Leistungen.

Über den Kurznachrichtendienst Twitter verabschiedete sich Büchner auch öffentlich: „Liebe @dpa -Kollegen, Ihr seid großartig. Danke für vier lehrreiche, aufregende, wunderbare Jahre.“

Von

dpa

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

01.05.2013, 19:59 Uhr

"Buddistische Neonazis" oder der Qualitätsjournalismus eines ehemals kritischen Magazin.
Wie der Qualitätsjournalismus des heutigen Spiegels aussieht, der früher mal ein kritisches Magazin gewesen sein soll, erkennt man unter anderem an einem kürzlich veröffentlichte Artikel über Muslime in Burma.

In diesem Artikel beschreibt der Autor Karl-Ludwig Günsche, wie eine "buddhistische Neonazi-Gruppe"(sic) friedliche Muslime terrorisieren würde.

Wie sich herausstellte, verhielt sich die Sache dann in Wahrheit doch etwas anderes, als es der reißerisch verfasste Artikel suggerierte:
Tatsächlich handelte es sich bei der "rassistischen Gruppe", wie es in der Überschrift des Spiegel-Artikel heißt, um eine Gruppe burmesischer Mönche, die in auf Reaktion auf dauerhafte islamische Aggression und Gewaltakte von Muslimen in der Region zur gewaltlfreien! Selbstverteidigung übergegangen sind -- Der spanische Autor "Hermes" hat aufgedeckt, was hinter den Behauptungen des Spiegel-Artikels steckt.
http://gatesofvienna.net/2013/04/defeating-myarabia/#more-28296

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