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11.10.2013

01:19 Uhr

Weg aus der Krise?

Blackberry-Gründer erwägen Rückkauf

Neue Entwicklungen bei Blackberry: Die Gründer des Unternehmens planen scheinbar den Rückkauf. Ob der tiefe Fall so gestoppt werden kann, ist fraglich. Lazardis gilt als einer der Verantwortlichen für die heutige Krise.

Blackberry-Gründer Mike Lazaridis (hier in einem Archivbild) plant scheinbar mit Douglas Fregin den Rückkauf des Unternehmens. ap

Blackberry-Gründer Mike Lazaridis (hier in einem Archivbild) plant scheinbar mit Douglas Fregin den Rückkauf des Unternehmens.

Die beiden Gründer des angeschlagenen kanadischen Handyhersteller Blackberry ziehen eine Übernahme des Unternehmens in Erwägung. Mike Lazaridis und Douglas Fregin untersuchten "die Möglichkeit zur Abgabe eines gemeinsamen Gebots", hieß es in Unterlagen für die US-Börsenaufsicht SEC, die am Donnerstag bekannt wurden.

Sie hätten einen Plan für einen Neuanfang, teilten der ehemalige Co-Chef Lazaridis und sein einstiger Kompagnon mit. Lazaridis hält inzwischen einen Anteil von acht Prozent an Blackberry.

Die beiden Männer ziehen demnach "alle Optionen" in Erwägung, darunter auch den Kauf sämtlicher Blackberry-Aktien, die ihnen nicht bereits gehören. Dies könnten sie alleine oder "mit anderen interessierten Investoren" tun. Als Berater engagierte Lazaridis Goldman Sachs und Centerview Partners LLC.

Blackberry hatte sich nach dem enttäuschenden Start seines neuen Smartphones im August zum Verkauf angeboten. Mit der Angelegenheit vertrauten Personen zufolge ist das kanadische Unternehmen mit Cisco Systems, Google und SAP im Gespräch, die sich aber nicht zu den Informationen äußerten. Der Vorstoß von Lazaridis könnte eine Alternative zum Plan von Großaktionär Fairfax Financial Holdings Ltd sein, der zusammen mit anderen Investoren neun Dollar je Aktie angeboten hat.

Fairfax ist mit zehn Prozent bereits größter Anteilseigner von Blackberry. Zu dem Übernahmeplan gehört, Blackberry vorübergehend von der Börse zu nehmen. Beobachter glauben aber, das Übernahmeangebot sei nur ein Lockmittel, um weitere Interessenten anzuziehen.

Der Abstieg von Blackberry

Ein unterschätzter Konkurrent

Apple stellt im Januar 2007 das iPhone vor. Während Steve Jobs gewohnt großspurig von einer Revolution spricht, gibt sich Blackberry-Hersteller RIM konziliant: Nicht jeder könne auf Glas tippen, das Design der Blackberry-Geräte sei daher überlegen. Im neuen Segment der Smartphones ist RIM jedenfalls eine Bank.

Erstes Blackberry ohne Tasten

Gänzlich unbeeindruckt ist RIM aber nicht: Einige Monate nach dem iPhone-Start bringt das kanadische Unternehmen sein erstes Gerät mit Touchscreen heraus, das Blackberry Storm. Es soll die RIM-Smartphones auch unter normalen Verbrauchern zum Must have zu machen. Das Gerät ist pannenanfällig und bekommt allenfalls durchwachsene Rezensionen. Trotzdem steigert RIM seinen Marktanteil weiter.

Neues Betriebssystem

RIM übernimmt im April 2010 die Software-Schmiede QNX, deren Betriebssystem später die veraltete Blackberry-Software ersetzen und Smartphones, Tablets, aber auch Systeme wie Autoelektronik antreiben soll. Zu diesem Zeitpunkt steht Apple bereits kurz vor der Einführung des iPhone 4. RIM ist technologisch ins Hintertreffen geraten.

Ein Konkurrent fürs iPad?

RIM äußert sich öffentlich zwar skeptisch über Tablet-Computer, arbeitet aber selbst an einem solchen Gerät. Im April 2011 kommt das Playbook heraus. Es hat bereits das neue Betriebssystem QNX an Bord, enttäuscht aber trotzdem die Fachwelt, nicht zuletzt weil anfangs Programme für E-Mail, Kalender und Adressbuch fehlen. Der Absatz verfehlt die Erwartungen, bis der Preis deutlich sinkt.

Der Brain Drain beginnt

RIM kündigt im Juli 2011 an, 2000 Mitarbeiter zu entlassen – offiziell, um die „Kosten zu optimieren“. In den Vorjahren war die Belegschaft rasant gewachsen. Die Moral leidet unter den Einschnitten, viele Talente und auch etliche Führungskräfte verlassen von sich aus das Unternehmen im kanadischen Waterloo nahe der US-Grenze.

Serverausfall erschüttert Vertrauen

Im Oktober 2011 fallen die Server von RIM vier Tage lang aus, weltweit haben Nutzer Probleme, auf ihre Mails und Nachrichten zuzugreifen. Die Panne trifft RIM ins Mark: Sicherheit und Zuverlässigkeit sind bisher ein Markenzeichen der kanadischen Firma. Die schlechte Krisenkommunikation sorgt für zusätzlichen Frust.

Probleme mit dem neuen System

Auch das noch: RIM darf sein neues Betriebssystem aus markenrechtlichen Gründen nicht BBX nennen. Der neue Name lautet Blackberry 10, oder BB 10, wie RIM im Dezember 2011 erklärt. Zudem verschiebt die Firma den Start auf Ende 2012.

Die Chefs treten ab

Der Druck wird zu groß – die langjährigen Firmenchefs Mike Lazaridis und Jim Balsilie treten im Januar 2012 zurück, bleiben aber im Verwaltungsrat. Der bisherige Vorstand Thorsten Heins, 54, übernimmt.

Neue Geräte, neues Glück?

Nach mehreren Verzögerungen präsentiert RIM im Januar 2013 das neue Betriebssystem Blackberry 10 und sechs neue Smartphones. Sie sollen nicht nur Managern die Arbeit erleichtern, sondern auch Spaß machen – so wie das iPhone oder die zahlreichen Android-Geräte. Doch der Absatz bleibt hinter den Erwartungen zurück, der Marktanteil fällt immer weiter. Das Unternehmen benennt sich um und heißt nun wie sein wichtigstes Produkt.

Neuer Chef krempelt Blackberry um

2013 denkt das Blackberry-Management über einen Verkauf des Unternehmens nach. Am Ende stellt die kanadische Finanzfirma Fairfax mit anderen Investoren eine Milliarde Dollar frisches Geld zur Verfügung. Der deutsche Chef Thorsten Heins geht im November 2013, der frühere Sybase-Chef John Chen übernimmt. Er richtet das Unternehmen neu aus und stellt Software in den Mittelpunkt. Das Hardware-Geschäft lagert er aus - und beendet damit eine traditionsreiche Geschichte.

Der Aktienkurs stieg nach Bekanntwerden der Pläne Lazaridis' leicht. Seit der Vorlage schlechter Geschäftszahlen hatten die Blackberry-Papiere mehr als 20 Prozent eingebüßt.

Bei Blackberry kriselt es seit längerem. Im September kündigte der Smartphone-Hersteller an, 4500 Stellen zu streichen. Damit muss mehr als jeder dritte Angestellte gehen. Kurz danach gab das Unternehmen einen Verlust von 965 Millionen Dollar (etwa 715 Millionen Euro) im zweiten Quartal des Geschäftsjahrs 2013/2014 bekannt.

Lazaridis gilt als einer der Verantwortlichen für die heutigen Probleme von Blackberry: Während seiner Amtszeit hatte Blackberry unter anderem den Trend zu Touchscreen-Telefonen unterschätzt. Er war im Streit mit dem aktuellen Firmenchef Thorsten Heins aus dem Unternehmen ausgeschieden. Lazaridis und Fregin hatten das Unternehmen, das zunächst Research in Motion hieß, 1984 gegründet. Fregin stieg 2007 bei Blackberry aus, Lazaridis im Mai dieses Jahres.

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