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11.07.2013

17:51 Uhr

Wegen Internetgeschäften

EU-Ermittler durchsuchen Deutsche Telekom

Wegen des Verdachts auf Missbrauch der Marktmacht ermittelt die EU-Kommission gegen mehrere europäische Telekomfirmen. Auch die Telekom steht unter Beobachtung aus Brüssel – und zeigt sich verwundert über das Vorgehen.

Telekom-Zentrale in Bonn: Auch sie wurde von Wettbewerbshütern aus Brüssel durchsucht. ap

Telekom-Zentrale in Bonn: Auch sie wurde von Wettbewerbshütern aus Brüssel durchsucht.

Frankfurt/Brüssel/BonnDie Deutsche Telekom ist zusammen mit mehreren Konkurrenten ins Visier europäischer Wettbewerbshüter geraten. Die EU-Kommission ließ Büros in Deutschland, Frankreich und wohl auch Spanien durchsuchen. Es gehe um den Verdacht, dass Anbieter von Internet-Zugängen gegen EU-Recht verstoßen haben, teilte die Brüsseler Behörde mit. Zunächst wurde allerdings nicht bekannt, welche Vergehen genau die Kommission vermutet. In ihrer Mitteilung verwies sie lediglich auf Artikel 102 des EU-Vertrags, in dem es um Missbrauch der Marktmacht geht. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa aus Branchenkreisen geht es um mögliches Fehlverhalten beim Zusammenschalten der sogenannten Backbone-Netze, über die der Internet-Verkehr fließt. Angestoßen habe den Fall die Beschwerde eines US-Wettbewerbers, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Die EU-Kommission nannte wie immer in solchen Fällen keine Firmennamen. Allerdings bestätigte neben der Deutschen Telekom auch die France-Télécom-Tochter Orange den Besuch der Ermittler. Nach Informationen aus Branchenkreisen war auch der spanische Anbieter Telefónica betroffen. Das Unternehmen äußerte sich zunächst nicht dazu.

Die Deutsche Telekom zeigte sich „sehr verwundert“ über das Vorgehen der Kommission. „Bisherige Vorwürfe haben sich als haltlos herausgestellt. Deshalb wurden entsprechende Verfahren vor nationalen Regulierungsbehörden, die sich intensiv mit dem Sachverhalt auseinandergesetzt haben, eingestellt“, betonte ein Sprecher. Die Telekom sei im weltweiten Markt für Internetverkehr intensivem Wettbewerb ausgesetzt. „Dieser Markt wird von US-Großanbietern dominiert, insofern sind wir hier der falsche Adressat.“ Die Telekom arbeite eng mit den Behörden zusammen, um den Sachverhalt aufzuklären.

Fakten zur Telekom

Spitzenreiter in Europa

Die Deutsche Telekom ist mit einem Jahresumsatz von über 60 Milliarden Euro eines der größten europäische Telekommunikationsunternehmen. Der Konzern beschäftigt rund 220.000 Mitarbeiter. Größte Tochter mit mehr als 22 Milliarden Euro Umsatz ist Telekom Deutschland. Außerdem ist die Deutsche Telekom in 12 weiteren Ländern vertreten.

Ein Erbe der Bundespost

Hervorgegangen ist der Konzern aus der Deutschen Bundespost. Um das Staatsunternehmen wettbewerbsfähig zu machen, wurde es von 1990 an in die Geschäftsbereiche Telekom, Postdienst und Postbank aufgeteilt und schrittweise privatisiert. Seit 1995 ist die Deutsche Telekom eine Aktiengesellschaft.

Ein Global Player ...

Der erste Vorstandsvorsitzende Ron Sommer versuchte, den ehemaligen Staatsbetrieb mit Zukäufen in aller Welt zum „Global Player“ zu machen. Heute ist die Deutsche Telekom in 50 Ländern vertreten und erlöst mehr als die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland.

... mit Hoffnung auf die USA

T-Mobile US tat sich gegen die Marktführer AT&T und Verizon lange schwer. Seit dem Zusammenschluss mit dem Wettbewerber MetroPCS und unter der Führung des CEOs John Legere, ist die Kundenzahl wieder deutlich gewachsen, der Umsatz ebenso. Allerdings stehen auch hohe Investitionen an.

Auch Orange zeigte sich zuversichtlich über den Ausgang der Untersuchungen, unter anderem weil die französische Wettbewerbsbehörde Cogent bei einer früheren Untersuchung keine Vergehen festgestellt habe. Der Kommission zufolge fand die Razzia am Dienstag statt, laut Orange dauert die Inspektion noch an und könnte sich über mehrere Tage hinziehen. Der niederländische Konzern KPN und das britische Schwergewicht BT teilten mit, sie seien nicht betroffen gewesen.

Der EU-Kommission zufolge sind die Durchsuchungen ein erster Schritt und sagen noch nichts über tatsächliche Vergehen aus. Eine Frist für den Abschluss der Untersuchung gebe es nicht. Preis- und Marktabsprachen zum Schaden von Verbrauchern und Kunden sind in der EU streng verboten. Es drohen Strafen von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes. Die Kommission verwies ausdrücklich auf die Bedeutung des Marktes. Der Service von Internetanbietern sei äußerst wichtig, damit Verbraucher schnell und günstig im Internet surfen könnten - unabhängig vom Standort des Providers.

Die Durchsuchungen sind eine überraschende Wendung im Tauziehen zwischen der Kommission und der Branche um die künftige Gestaltung des europäischen Telekom-Marktes. Die Unternehmen fordern schon länger eine großzügigere Regulierung mit mehr Freiheiten für Fusionen in einzelnen Ländern. Sie verweisen dabei auf stete Umsatzrückgänge, hohe Investitionen in die Infrastruktur und die Auslastung der Netze durch Internet-Dienste. Die Kommission zeigte sich bisher eher bereit, ein Zusammenrücken auf europäischer Ebene zu unterstützen und treibt zugleich den Kampf gegen die Roaming-Gebühren bei Telefonaten im europäischen Ausland voran.

Kommentare (5)

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Karlaugust

11.07.2013, 17:21 Uhr

Hoffentlich wird der Telekom ein drakonisches Strafgeld aufgebrummt.
Erst wurde sie mit Steuergeldern zum Monopolisten aufgebaut und nach der Marktöffnung hat sie immer noch die "Hoheit" über die letzte Meile zum Endverbraucher.
Einen echten Wettbewerb gibt es immer noch nicht, solange die Telekom ihre monopolartige Stellung nicht verliert.
Weg mit dem Dinosaurier!

nixahnung

11.07.2013, 17:56 Uhr

so lange der staat noch drin ist, machen die was sie wollen.
Und da wird auch keiner was gegen machen. Ausser den mund auf.....am stammtisch

IsaakNewton

11.07.2013, 19:58 Uhr

Ich denke, wenn die EU eines Tages alle ihre Regulierungsziele erreicht hat, wird sich in Europa nichts mehr bewegen. Alle Leistungstraeger werden dann verschwunden sein, und die "Euro-Harzer" werden diesen Erdteil bevoelkern.

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