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13.12.2013

14:17 Uhr

Wegen NSA-Affäre

Pensionsfonds verklagt IBM

Die NSA-Affäre schlägt weiter Wellen: Weil der Konzern verheimlicht habe, inwieweit der Skandal das China-Geschäft belastete, verklagt ein Aktionär den IT-Konzern IBM. Zwei Funktionäre werden explizit beschuldigt.

Insgesamt sackten die Erlöse des US-Konzerns nach der Affäre um vier Prozent ab. Die IBM-Aktie brach um mehr als sechs Prozent ein. Reuters

Insgesamt sackten die Erlöse des US-Konzerns nach der Affäre um vier Prozent ab. Die IBM-Aktie brach um mehr als sechs Prozent ein.

New YorkEin IBM-Aktionär hat den IT-Konzern in Zusammenhang mit der NSA-Abhöraffäre verklagt. Der Konzern habe verheimlicht inwieweit der Skandal das Geschäft in China belastet und in der Konsequenz zum Verlust von mehr als zwölf Milliarden Dollar an Marktwert geführt habe, hieß es in der bei einem Gericht in New York eingereichten Klage des Louisiana Sheriffs' Pensionsfonds.

Um seine geistigen Eigentumsrechte zu schützen, habe sich IBM im US-Kongress dafür starkgemacht, persönliche Kundendaten unter anderem in China an die NSA weitergeben zu dürfen, erläuterte der Fonds in der Klageschrift. Nach der Affäre um das Prism-Spähprogramm der NSA und den Enthüllungen des früheren Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden habe Chinas Regierung die Zusammenarbeit mit IBM abrupt gestoppt. Dies habe dazu geführt, dass IBM ein enttäuschendes drittes Quartal verzeichnete. In China ging der Umsatz um 22 Prozent zurück. Insgesamt sackten die Erlöse des US-Konzerns um vier Prozent ab. Die IBM-Aktie brach um mehr als sechs Prozent ein. Zwölf Milliarden Dollar an Marktwert wurden vernichtet.

Wie die NSA das Internet überwacht

Immer neue Enthüllungen

Seit Sommer 2013 kommen immer neue Details über Spionageaktivitäten von Geheimdiensten im Internet ans Licht. Sie basieren auf Dokumenten, die der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden an Journalisten übergab. Ein Überblick über die zentralen Erkenntnisse.

Prism

Prism: Der Name stand zunächst für die gesamte Affäre, umfasst aber nur einen Teil des Repertoires der NSA. Über Prism hat der Überwachungsdienst Zugriff auf Nutzerdaten großer US-Internetfirmen, darunter Google, Yahoo, Microsoft und Facebook. Ein Geheimgericht ordnet die Herausgabe der Informationen an. Das seien etwa Inhalte von Mails, Suchanfragen oder Chats, berichtete die britische Zeitung „Guardian“. Die Firmen sind zum Stillschweigen verpflichtet. Die Internetriesen streiten vor Gericht dafür, mehr Details veröffentlichen zu dürfen.

Tempora

Tempora hießt ein Programm des britischen Dienstes GCHQ. Der GCHQ arbeitet eng mit der NSA zusammen. Gemeinsam mit Australien, Neuseeland und Kanada bilden die Länder die Allianz der «Five Eyes», («Fünf Augen»), in der Informationen ausgetauscht werden. Unter dem Codenamen Tempora soll der GCHQ mehr als 200 Glasfaserkabel anzapfen, über die Daten um die Welt rasen. So habe der GCHQ Zugriff auf den Internetverkehr, der über die angezapften Kabel läuft.

Xkeyscore

Die gewaltigen Datenmengen, die die NSA sammelt, müssen irgendwie ausgewertet werden. Dazu dient die Software XKeyscore. Damit können NSA-Analysten wie Snowden die Datenberge nach Verdächtigen durchsuchen. Der deutsche Bundesnachrichtendienst setze ebenfalls eine Version von XKeyscore ein, berichtete „Der Spiegel“.

Verschlüsselung aushebeln

Wenn Daten verschlüsselt durchs Netz geschickt werden, können Geheimdienste nicht einfach so mitlesen. Doch NSA und GCHQ können Medienberichten zufolge mehrere gängige Verschlüsselungstechniken knacken oder aushebeln, darunter die oft eingesetzt SSL-Technologie. Es ist allerdings unklar, welche Techniken genau in welchem Maße für die Dienste zugänglich sind.

Anonymität aufheben

Auch das Anonymisierungsnetzwerk Tor, mit dem Nutzer ihre Spuren im Netz verwischen können, war Spionageziel der NSA. Der Geheimdienst schaffte es allerdings wohl nicht, das Netzwerk direkt zu knacken.

Überwachung ausländischer Staatschefs

Nicht nur Angela Merkels Handy geriet offenbar ins Visier der NSA. Der „Guardian“ berichtete, der Nachrichtendienst habe Telefone von 35 Spitzenpolitikern überwacht. Auch die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff und ihr mexikanischer Kollege Enrique Peña Nieto seien ausgespäht worden.

Angriff auf Google und Yahoo

Die NSA konnte laut der „Washington Post“ den Datenverkehr zwischen den Rechenzentren der beiden Internet-Riesen abgreifen. In den Rechenzentren werden Informationen aus E-Mail-Diensten, Suchanfragen oder Dokumente der Nutzer gespeichert. Inzwischen sollen die Daten auch zwischen den Rechenzentren verschlüsselt unterwegs sein.

Der Fonds beschuldigt explizit Firmenchefin Virginia Rometty und Finanzvorstand Mark Loughridge, der diesen Monat im Alter von 60 Jahren in Rente geht. Sie seien dafür verantwortlich, dass der Konzern die Risiken seiner Lobbyarbeit und die Verbindung zur NSA nicht früher offengelegt hätten. „Die Vorwürfe sind lächerlich und unverantwortlich“, sagte IBM-Sprecher Doug Shelton. Der Konzern werde sich vor Gericht vehement dagegen wehren. Der Fonds verlangt Schadensersatz und strebt eine Sammelklage an.

Von

rtr

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