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18.08.2011

18:22 Uhr

Wegen zu geringen Wettbewerbs

EU will Mobilfunkpreise im Ausland regulieren

VonThomas Ludwig

Die EU-Kommission will die Preise deckeln, die Unternehmen für mobile Telefonate und Surfen im Ausland verlangen dürfen. Deutschen Anbietern ist die Regulierung ein Dorn im Auge.

Eine deutsche Urlauberin telefoniert auf Mallorca am Strand von Playa de Palma mit einem Handy: Die EU will die Preise fürs Telefonieren im Ausland regulieren. Quelle: dapd

Eine deutsche Urlauberin telefoniert auf Mallorca am Strand von Playa de Palma mit einem Handy: Die EU will die Preise fürs Telefonieren im Ausland regulieren.

BrüsselNeelie Kroes nimmt ungern ein Blatt vor den Mund. "Der Markt funktioniert nicht", sagte die EU-Kommissarin für die digitale Agenda kürzlich über mobile Sprach- und Datendienste in Europa. Sie moniert die nach wie vor hohen Gebühren, die im Ausland für Telefonate und Internetnutzung auf dem Handy entstehen. Gerade Urlauber schrecken die hohen Preise ab. Viele schalten laut Kroes aus Angst vor der Gebührenfalle ihr Handy aus, wenn sie über die Grenze fahren. "Wir müssen", betonte Kroes, "die Probleme mit einem dauerhaften strukturellen Lösungsansatz an der Wurzel packen."

Wie diese Wurzelbehandlung aussehen könnte, skizziert sie in ihrer neuen Roamingverordnung. Kroes will Kunden, die im Ausland telefonieren oder Daten aus dem Internet laden, bis 2016 deutlich entlasten - zuerst via Preisgrenzen, später auch über die freie Wahl des Anbieters.
Kroes sieht Risiko für Verbraucher.

Roaminggebühren entstehen bei Gesprächen, die ein Handynutzer in einem fremden Netz im Ausland führt. Seit 2007 verpflichtet Brüssel die Mobilfunkanbieter in der EU, die Obergrenze für die Gebühren zu senken. Die entsprechende Verordnung läuft aber im Juni 2012 aus.

Darin sieht die Kommission ein Risiko für die Verbraucher. Der Wettbewerb sei nach wie vor unterentwickelt. Medienkommissarin Kroes hat deshalb eine Anschlussregelung präsentiert. Spätestens 2016 sollen die Roamingkosten ganz wegfallen und das Telefonieren mit dem Handy in einem anderen EU-Land nicht teurer sein als daheim. Auf den Wettbewerb will sich Kroes dabei vorerst aber nicht verlassen. Den Plänen zufolge sollen die Kosten für Telefonate im Ausland von 2014 an von maximal 35 Cent auf dann 24 Cent je Minute sinken, zuzüglich Mehrwertsteuer. SMS sollen demnach statt elf Cent nur noch zehn Cent kosten dürfen.

EU-Verordnung für Roaming-Gebühren: Die geplanten Großhandelspreise

Auch für den Zugriff auf das Internet will die Kommission erstmals Preisobergrenzen festlegen. So sollen die Mobilfunkanbieter von Mitte 2012 an pro Megabyte maximal 90 Cent berechnen dürfen (plus Mehrwertsteuer). 2014 soll die Grenze auf 50 Cent sinken. Heute kostet ein Megabyte im Schnitt 2,50 Euro.

Um bestehende Strukturen aufzubrechen, will Kroes Kunden ab 2014 ermöglichen, im Ausland ein Netz zu wählen, mit dem sie telefonieren wollen. Heute landen sie automatisch bei dem Anbieter, mit dem ihr deutscher Mobilfunker ein Roamingabkommen besitzt.

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