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29.10.2014

12:23 Uhr

Whatsapp

Facebooks teure Wette

Für viele Smartphone-Nutzer ist Whatsapp nicht mehr wegzudenken – doch die Popularität macht sich nicht bezahlt: Die Facebook-Tochter macht kaum Umsatz und schreibt hohe Verluste. Der Konzern wettet auf die Zukunft.

Konkurrenz hinter sich lassen

Zuckerberg hat große Pläne

Konkurrenz hinter sich lassen: Zuckerberg hat große Pläne

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DüsseldorfMit der milliardenschweren Übernahme von Whatsapp geht Facebook eine teure Wette ein. Das zeigt die Zwischenbilanz des Konzerns, in der er erstmals Zahlen zur Tochterfirma vorlegt. Der Messaging-Dienst machte mit seinen 600 Millionen Nutzern im ersten Halbjahr lediglich 15,3 Millionen Dollar (zwölf Millionen Euro) Umsatz. Er schrieb 232,3 Millionen Dollar Verlust, was aber zum größten Teil aus Aktienoptionen für die Mitarbeiter resultiert. Facebook hatte das Start-up im Februar für 21,8 Milliarden Dollar gekauft.

Die Kosten für den Geschäftsbetrieb waren im ersten Halbjahr mit 13,5 Millionen Dollar überschaubar. Allerdings verbuchte Whatsapp 206,5 Millionen Dollar für aktienbasierte Vergütungen und die Ausgabe von Anteilen. Offenbar nutzte das Start-up diese Möglichkeit, um Mitarbeiter anzulocken.

Whatsapp ist werbefrei, das Unternehmen verdient an einem Jahresbeitrag von 99 Cent, der nach dem ersten, kostenlosen Jahr fällig wird. Gründer Jan Koum, der das Unternehmen weiter leitet, will sich mit dem Geld von Facebook im Rücken auf das Wachstum der Nutzerbasis konzentrieren. Der Umsatz werde sich in fünf Jahren oder noch später einstellen, erklärte er am Dienstag. Er betonte erneut, dass er in der App keine Werbung schalten will. Facebook hatte dem Start-up bei der Übernahme große Unabhängigkeit zugesagt.

Facebooks Weg zum Weltkonzern

Vorläufer Facemash

Als Student an der Harvard-Universität programmiert Mark Zuckerberg mit mehreren Kommilitonen 2003 die Plattform facemash.com. Dort präsentiert er zwei zufällig ausgewählte Fotos von Harvard-Studentinnen – die Nutzer sollen über die Buttons „hot“ oder „not“ die attraktivere auswählen. Weil Zuckerberg die Bilder illegal beschafft hat und das Projekt massive Protesten auslöst, wird es nach kurzer Zeit wieder eingestellt.

„Thefacebook" geht online

Mark Zuckerberg und seine Mitgründer eröffnen im Februar 2004 „Thefacebook“. Es handelt sich um die Online-Version der gedruckten Jahrbücher. Das Konzept wird bald auf andere Universitäten ausgeweitet und verbreitet sich schließlich weltweit. Zwei von Zuckerbergs Kommilitonen klagen später mit dem Vorwurf, er habe ihnen die Idee für Facebook gestohlen. Der Streit wird im Jahr 2011 mit einem Vergleich beigelegt, die Kläger Tyler und Cameron Winklevoss erhalten 65 Millionen US-Dollar.

Der Newsfeed rückt ins Zentrum

Zweieinhalb Jahre nach der Gründung stattet Zuckerberg die Social-Media-Plattform mit dem Newsfeed aus – also mit einer Chronik, die alle Neuigkeiten aus dem Freundeskreis eines Nutzer anzeigt. Zuerst geht ein Aufschrei durch die Facebook-Gemeinde, die Mitglieder fürchten um ihre Privatsphäre. Doch der Amerikaner hält an seiner Idee fest und schließlich entwickelt sich Newsfeed zum zentralen Element von Facebook. Das Design der Nachrichtenchronik wird seitdem ständig überarbeitet, seit 2012 findet man dort auch Werbung.

Daumen hoch für Facebook

Im Februar 2009 führt Facebook den „Gefällt mir“-Knopf ein. Damit können Nutzer zeigen, dass ihnen etwas gefällt und dafür sorgen, dass sie bestimmte Nachrichten in ihren Newsfeed gespeist bekommen. Inzwischen hat das Symbol eine popkulturelle Bedeutung erlangt.

Profitabel dank Sandberg

Im März 2008 gibt Facebook bekannt, Sheryl Sandberg als Chefin fürs Tagesgeschäft (COO) von Facebook einzustellen. Der Auftrag der Harvard-Absolventin und ehemaligen Google-Managerin ist klar: Sie soll Facebook profitabel machen, was ihr zwei Jahre später auch gelingt. 2012 wird sie vom Time-Magazin in die Liste der 100 einflussreichsten Personen aufgenommen.

Umzug im Großformat

Mehr als 2000 Mitarbeiter beschäftigt Facebook im Juli 2011 – und allmählich werden die überwiegend angemieteten Gebäude in Palo Alto zu eng. Das Online-Unternehmen wird auf der Suche nach einer neuen Zentrale wieder im Silicon Valley fündig: Auf dem ehemaligen Campus des Computerherstellers Sun Microsystems stehen Mark Zuckerberg und seinen Mitarbeitern neun Gebäude auf knapp 24 Hektar zur Verfügung. Weil Facebook kurz zuvor 1,5 Milliarden Dollar von seinen Investoren eingesammelt hat, kann es sich den Umzug problemlos leisten.

Instagram und Whatsapp

Die bis dato größte Investition tätigt Mark Zuckerberg im April 2012: Für eine Milliarde US-Dollar schluckt Facebook das Start-Up Instagram. Das Unternehmen hatte eine gleichnamige App entwickelt, mit der man Fotos bearbeiten und teilen kann. Mit der Übernahme weicht Zuckerberg erstmals von seiner bisherigen Philosophie ab, die nur ein soziales Netzwerk für alle Nutzer vorsah. 2014 bewältigt Facebook eine weitaus größere Übernahme: Die Instant-Messaging-App Whatsapp kostet insgesamt 19 Milliarden Dollar.

Erst hui, dann pfui, dann hui

16 Milliarden US-Dollar an nur einem Tag – so viel Geld spült der bis dato größte Börsengang eines Internet-Unternehmens am 18. Mai 2012 in die Kasse von Facebook. Obwohl Experten einen deutlichen Anstieg des Kurses vorausgesagt hatten, bricht der Wert der Aktie dramatisch ein. Bis August 2012 halbiert sich der Ausgabepreis von 38 Dollar. Erst ein Jahr später wird dieser Wert wieder erreicht – danach steigt die Aktie in ungeahnte Höhen.

Jeder siebte bei Facebook

Im September 2012 verkündet Mark Zuckerberg stolz, dass Facebook die Marke von einer Milliarde Mitglieder geknackt hat. Rein rechnerisch ist somit jeder siebte Mensch der Welt bei dem sozialen Netzwerk angemeldet. Dabei haben die rund 1,3 Milliarden Einwohner Chinas bisher noch nicht einmal offiziellen Zugriff auf Facebook. Die Mitgliederzahlen steigen weiter, wenn auch langsamer als früher.

Geschäftsmodell überzeugt Anleger

Facebook reagiert auf die zunächst schlechte Entwicklung der Aktie: Das Unternehmen setzt alle Hebel in Bewegung, damit die Werbung in dem sozialen Netzwerk einträglicher wird, sowohl auf dem Desktop als auch auf mobilen Geräten – mit Erfolg. So gelingt es auch, die skeptischen Anleger zu überzeugen. Die Facebook-Aktie steigt im Oktober 2015 auf mehr als 100 Dollar.

Facebook enthüllte in der Zwischenbilanz Details zur Bewertung von Whatsapp. Die Nutzerbasis taxierte der Konzern auf rund zwei Milliarden Dollar, die Marke auf 450 Millionen Dollar und die Technologie auf 290 Millionen Dollar. Mit 15,3 Milliarden Dollar wird ein Großteil des Kaufpreises als Goodwill verbucht – diese Position taucht in der Bilanz auf, wenn bei einer Übernahme mehr gezahlt wird, als das Vermögen der Tochter wert ist. Facebook rechtfertigt diese hohe Summe mit zukünftigem Wachstum. Zudem erhofft sich der Konzern „strategische Vorteile im mobilen Ökosystem“.

Mit der Übernahme zeigt Firmenchef Mark Zuckerberg einmal mehr, dass Facebook im großen Stil investieren will, um das Wachstum in den nächsten Jahren anzukurbeln. Der Konzern hatte auch für 2,3 Milliarden Dollar den Datenbrillen-Hersteller Oculus VR übernommen. Insgesamt ist er an rund 40 Unternehmen beteiligt, darunter auch dem Fotodienst Instagram. In einer Telefonkonferenz mit Analysten kündigte Finanzchef David Wehner an, dass die Kosten und Ausgaben im kommenden Jahr um 55 bis 75 Prozent steigen könnten. Den Anlegern behagt das nicht, der Aktienkurs fiel daraufhin deutlich.

Von

chk

Kommentare (1)

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Herr Theo Gantenbein

29.10.2014, 14:45 Uhr

WhatsApp ist out - zumindest bei Usern, die auf Datensicherheit Wert legen. WhatsApp speichert z.B. alle gesendeten Bilder auf ihren Servern (und behält sie womöglich?)

Daher nutze ich nur noch Threema!

Die App kostet zwar 1,60 €, aber alles läuft super sicher und verschlüsselt ab und die Server stehen nicht im Homeland der NSA, sondern in der Schweiz...

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