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22.01.2015

06:33 Uhr

Windows 10

Microsoft wagt den großen Sprung

VonAxel Postinett

Von der Verteidigung in den Angriff: Windows 10 ersetzt nicht nur das ungeliebte Windows 8. Es katapultiert Microsoft in die neue Zukunft des holografischen Computings – und verweist Google und Facebook auf die Plätze.

Microsoft-Chef Nadella: „Windows als größter Internet-Service der Welt“.

Microsoft-Chef Nadella: „Windows als größter Internet-Service der Welt“.

SeattleTerry Myerson ist nicht Vorstandschef. Trotzdem ist er derzeit der wichtigste Mann bei Microsoft. Myerson, als Chef der Sparte Betriebssystem, muss reparieren, was nach Meinung vieler kaum noch zu reparieren ist. Die Vormachtstellung von Windows im IT-Markt. Apples Laptops rauben ebenso Marktanteile wie Googles Chrome-Laptops und Tablets. Doch Myerson gibt nicht auf. Oder wie er auf einer Veranstaltung in Redmond am Mittwoch sagt: „Wir müssen die Zukunft von Windows schärfen“.

Und er will sie richtig scharf haben. Die Überraschung des Tages war „Hololens“, eine Brille für dreidimensionale holografische Bilder von Personen oder Dingen. Nur Tage, nachdem Google die Einstellung seines Explorer-Programms für sein Google Glass bekanntgegeben hat, startet Microsoft den Frontalangriff.

Mit Hololens unternimmt man Rundgänge durch virtuelle Welten oder erstellt mit einer Software für Industrie-Design Objekte, die dann später mit 3-D-Druckern realisiert werden können. Medien und Designer gehören zu den ersten Zielgruppen von Hololens. Die Brille soll noch 2015 mit der neuen Windows-Version erscheinen.  

Wie Windows wurde, was es ist

Windows 1.0

Der Urahn des inzwischen meistgenutzten PC-Betriebssystems kam im November 1985 auf den Markt. Damals war Microsoft noch ein Außenseiter, während der Platzhirsch IBM und der Aufsteiger Apple den Kampf um den PC-Markt auszufechten schienen. Anfangs arbeitete sich Windows nur mühsam ins Geschäft – denn Microsoft verzichtete zunächst angesichts eines jahrelangen Patentstreits mit Apple auf grafische Bedienungselemente.

Windows 3.1

Mit dieser Version lernte Windows 1992, Videos abzuspielen, bekam die ersten integrierten Spiele und neue Schriften. Die Grundansicht mit den überlappenden Fenstern und einem Desktop für Programm-Symbole blieb – mit einigen Design-Änderungen – lange erhalten.

Windows NT

Parallel zu den Consumer-Versionen von Windows entwickelte Microsoft nach dem Scheitern des OS/2-Projektes mit IBM eine Windows-Version mit einem neuen Programm-Kern („Windows New Technology“). NT wurde mit Windows 2000 fortgeführt und ging später in Windows XP auf.

Windows 95

Die radikale Erneuerung von 1995 brachte in Grundzügen das Windows, das heute praktisch jeder kennt. Unter anderem wurde der „Start“-Knopf mit dem Balken am unteren Bildschirmrand eingeführt. Nachdem nachträglich der Web-Browser Internet Explorer zum Windows-Grundpaket hinzugefügt wurde, setzte sich Microsoft zum Ärger der Wettbewerbshüter in diesem Bereich gegen den Pionier Netscape durch. Auf die Version folgten die kleineren Aktualisierungen Windows 98 und ME.

Windows XP

2001 brachte Microsoft die bisher langlebigste Version seines Betriebssystems auf den Markt, die immer noch auf vielen Rechnern läuft. Mit Windows XP wurden viele visuelle Effekte hinzugefügt, ebenso wie wichtige Funktionen wie etwa schneller Benutzerwechsel, eine integrierte Firewall für mehr Sicherheit und verbesserter Medienwiedergabe.

Windows 7

Das Betriebssystem Windows Vista sollte XP verdrängen, wurde von den Nutzern aber weitgehend ignoriert. Die 2007 veröffentlichte Version bot zwar neue Bildschirmansichten, aber eine für viele Nutzer verwirrende Rechteverwaltung für Benutzerkonten. Erst mit der Vorstellung von Windows 7 im Oktober 2009 konnte Microsoft die Anwender wieder überzeugen.

Windows 8

Mit Windows 8 wollte sich Microsoft für den Wandel der Computer-Welt rüsten: Die neue Kacheloberfläche ist für Touchscreens ausgelegt und eignet sich damit auch für Tablet-Computer – äußerlich ähnelt das System damit dem Smartphone-Betriebssystem Windows Phone. Microsoft stellte Windows 8 im Oktober 2012 vor. Gerade an der neuen Bedienung wurde jedoch schnell viel Kritik laut.

Windows 8.1

Ein Update für Windows 8 kam im Oktober 2013 auf den Markt. Das kostenlose Windows 8.1 soll die größten Kritikpunkte an dem Vorgänger ausräumen. So können Nutzer direkt auf den Desktop starten und so die Kacheloberfläche umgehen. Zudem kehrt der Startknopf zurück, wenn auch nicht das klassische Startmenü.

Windows 10

Im Sommer 2015 hat Microsoft Windows 10 auf den Markt gebracht. Der Konzern verspricht so viele Neuerungen, dass die Produktbezeichnung „9“ mit Absicht übersprungen wurde. Das neue System soll auf allen Geräten laufen, vom Desktop-PC bis zum Smartphone. Der Konzern will die Version mit regelmäßigen Updates auf dem Stand der Technik halten. Eine optische Änderung: Das Startmenü kehrt zurück.

Forrester-Analyst James McQuivey vergleicht die Datenbrille gar mit der Einführung des iPhones: „Wenn Hololens ein Erfolg wird, wird das alles ändern“, erklärt er in Seattle. „So wie die Maus änderte, wie wir mit Computern umgegangen sind, und so wie der Berührungsschirm des iPhones.“ Forrester schätzt, dass „Gemischt-Realitäts-Computing“ bis 2020 der Durchbruch gelingen wird, wenn Apple und Google aufgeholt haben werden.

Aber bis dahin dürfte der Markt Microsoft gehören. Der von vielen bereits angezählte Software-Riese aus Redmond geht in die Offensive und schlägt so auch Oculus, die 3-D-Spielebrille, die CEO Mark Zuckerberg 2014 für zwei Milliarden Dollar erworben hat. Zuckerberg selbst hält virtuelle Realität für die nächste Computerplattform und sieht Oculus als „Langfristwette auf die Zukunft des Computings“. Zumindest in diesem Punkt stimmen er und Microsoft-CEO Satya Nadella überein.

Der Microsoft-Chef erklärt die Zeiten von Windows als Software alter Schule für beendet: „Stellen Sie sich Windows als größten Internet-Service der Welt vor“, malt er die Zukunft an die Wand.

Kommentare (8)

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Herr Erik Wikinger

22.01.2015, 07:22 Uhr

Na, da bekommt die Überwachung noch eine neue Dimension dazu....
Die Schafe werden begeistert sein....

Herr Lutz Pape

22.01.2015, 08:23 Uhr

Ist ja an sich alles schön und gut. Fortschritt gerade in der PC Branche ist notwendig.
Allerdings sollte Microsoft meines Erachtens nach langsam mal wieder verstärkt an Prosumer denken. Etliche Funktionen sind nur sehr schwer deaktivier- bzw löschbar.
Ich bin in den letzten Jahren länger mit dem Einrichten eines neuen Windows PC beschäftig als mit der Installation.
Und dabei rede ich nicht von der Software die man draufhaben möchte, sondern von der Deaktivierung unnötiger Dienste und der Systembereinigung von unnützen Tools.
Sowas mag alles auf einem Medion PC gut ankommen, ist für mich aber ein Graus.
Optionales Lean-System bei dem man alle Tools einzeln installieren muss wäre okay.

Herr richard roehl

22.01.2015, 09:11 Uhr

Microsoft hechelt mal wieder der Entwicklung von Google & Co hinterher, auch der Fehlentwicklung (Google Glass). Warum aus Fehlern anderer Lernen, wenn man glaubt alles besser zu können. Was Windows angeht, so ist zu hoffen, dass angesichts der emprischen Regel, dass jedes 2. Release zumindest kein ultimativer Schrott ist, jetzt ein zumindest ansatzweise brauchbares Release ansteht

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