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27.01.2017

06:50 Uhr

Windows-Absturz abgestoppt

Microsoft hat wieder Zukunft

VonAxel Postinett

Microsoft bewegt sich beständig in eine neue Welt: Das Bluten bei Windows ist gestoppt, die Zukunftsfelder wachsen. Die Wall Street glaubt daran, dass dem alten Softwareriesen die Wiedergeburt gelingt. Eine Analyse.

Der Microsoft-Chef verspricht die „Demokratisierung der künstlichen Intelligenz“ AFP; Files; Francois Guillot

Satya Nadella

Der Microsoft-Chef verspricht die „Demokratisierung der künstlichen Intelligenz“

San FranciscoDie Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2017 hätten kaum besser sein können. Microsoft übertraf auf der Umsatzseite mit 26,1 Milliarden Dollar und einem Plus von einem Prozent die Erwartungen der Analysten. Auch ohne die Neuerwerbung LinkedIn bleibt mit 25,8 Milliarden Dollar ein Plus. Der Nettogewinn zog sogar um acht Prozent auf 6,6 Milliarden Dollar an.

Der Cloud-Service Azure ist zum gefährlichsten Gegner der Nummer eins, AWS von Amazon, herangereift. Die Hardware-Sparte hält sich stabil auf hohem Niveau. Die nächste große Aufgabe ist angepackt: Konzernchef Satya Nadella will sämtliche kommerziellen Geschäftsbereiche mit künstlicher Intelligenz ausrüsten, die dann allen Kunden zur Verfügung stehen soll.

Die Geschichte von Microsoft Windows

1975

Am 4. April gründen die Kindheitsfreunde Bill Gates und Paul Allen das Unternehmen.

1980

Microsoft bekommt von IBM den Auftrag, ein Betriebssystem für den geplanten Personal Computer zu liefern. Microsoft bietet ein zugekauftes Programm unter dem Namen MS-DOS an. Microsoft kann MS-DOS auch anderen Herstellern verkaufen, so legt es der Deal fest.

1985

Microsoft veröffentlicht das erste - quasi noch unbrauchbare - Windows, eine grafische Erweiterung für MS-DOS.

1987

Microsoft stellt Windows 2 vor. Apple wirft Microsoft Ideenklau vor und klagt vor Gericht. In dem komplizierten Rechtsstreit kann sich Microsoft fünf Jahre später endgültig durchsetzen.

1990

Windows 3.0 erhält eine komplett neue Oberfläche. Die Nachfolgeversion 3.11 (1994) gilt als die erste wirklich brauchbare Windows-Variante.

1993

Mit Windows NT stellt Microsoft ein 32-Bit-System für Workstations und Server vor.

1995

Windows 95 wird mit einem zuvor unüblichen Marketing-Aufwand auf den Markt gebracht.

1998

Windows 98 kommt als Weiterentwicklung von Windows 95 auf den Markt.

2000

Windows Me ist das letzte Betriebssystem, das auf MS-DOS aufsetzt. Diese Windows-Variante galt als besonders fehleranfällig.

2001

Im Oktober bringt Microsoft Windows XP heraus, sein langlebigstes Betriebssystem. XP setzt auf der Architektur der Windows-NT-Familie auf.

2007

Windows Vista verkauft sich zwar gut, ist aber bei Nutzern unter anderem wegen umständlicher Bedienung unbeliebt.

2009

Windows 7 soll die Schwächen von Vista ausbessern.

2012

Windows 8 verfügt über zwei unterschiedliche Benutzeroberflächen: eine Kacheloptik für Tablet Computer und ein herkömmlicher Windows-Desktop für PCs. Anwender vermissen den beliebten Start-Button. Ein Jahr später wird das System auf die Version 8.1 aktualisiert.

2015

Mit Windows 10 bietet Microsoft eine einheitliche technische Plattform für PCs, Tablet-Computer und Smartphones an. Das Start-Menü kehrt auf den PC zurück.

Die Wall-Street-Analysten brauchten ein wenig Zeit, um ihre Checklisten abzuarbeiten, doch dann gaben sie Entwarnung: Nachbörslich gab die Aktie zunächst um bis zu zwei Prozent nach, stieg dann aber bis auf 0,8 Prozent über den Börsenschluss von 64,27 Dollar und lag damit weiter im Rekordbereich.

Die Sparte, in der Windows beheimatet ist, zeigte im abgelaufenen Quartal trotz Weihnachtsgeschäft die gewohnte Schwäche mit einem Umsatzverlust von fünf Prozent auf 11,8 Milliarden Dollar. Doch die Schelte für das „alte“ Betriebssystem greift zu kurz. Tatsächlich sind es die letzten Zuckungen des bereits abgeschriebenen Mobiltelefon-Geschäfts mit einem Umsatzminus von 81 Prozent, die das Bild verzerren. Dazu schwächelte die Spiele-Sparte Xbox mit minus drei Prozent. Die aktuelle Spielekonsole, eingeführt 2013, kommt in die Jahre.

Während die gesamte PC-Industrie weiter schrumpft, gibt es einzelne Wachstumsbereiche wie 2-1-Laptops, eine Kombination aus Notebook und Tablet. Das Geschäft mit Surface-Tablets und 2-1-Laptops wie dem Surface Book konnte sich mit einem Minus von zwei Prozent bei 1,321 Milliarden Dollar knapp behaupten. Produktneuheiten wie das gerade erst eingeführte Surface Studio greifen noch nicht.

Rechnet man die Verluste der anderen Bereiche heraus, ergäbe sich ein leichtes Plus von zwei Prozent in der Sparte. Damit wird klar, dass Windows nicht das Problem war. Wird aber das Ausbluten bei Windows gestoppt, können die Erfolge in den Wachstumsmärkten zur Geltung kommen. Das gefällt Analysten.

Kommentare (1)

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Frau Annette Bollmohr

27.01.2017, 11:51 Uhr

"Nadella selbst verspricht die „Demokratisierung der künstlichen Intelligenz“. Und wenn die erst einmal bei allen Business-Kunden angekommen ist, steigt automatisch die Auslastung der gigantischen Rechenzentren für Cloud-Computing. Nichts anderes ist das Ziel."

Vertrauenswürdigkeit ist jetzt das Allerwichtigste, um es erreichen zu können.

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