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02.12.2014

15:54 Uhr

Wissenschaftsmagazin

„Nature“ gibt es wieder ein bisschen umsonst

VonCarsten Herz

Freigabe mit Hindernissen: Das renommierte Fachmagazin „Nature“ will künftig auch nichtzahlenden Lesern Zugang zu seinen Artikeln gewähren. Allerdings keinen direkten, sondern nur über Einladung.

Die Homepage des „Nature“-Magazins: Künftig sollen sich Artikel auch ohne Bezahlung öffnen. Screenshot

Die Homepage des „Nature“-Magazins: Künftig sollen sich Artikel auch ohne Bezahlung öffnen.

LondonLesen und auf die Festplatte legen, aber nicht ausdrucken: Die Artikel der renommierten Fachzeitschrift „Nature“ können künftig kostenlos verbreitet werden – allerdings nur über einem Umweg. Ab dieser Woche können mehr als neun Millionen Abonnenten von „Nature“ erstmals die kompletten Texte mit anderen Wissenschaftlern teilen, selbst wenn diese kein Abo haben, sagte Annette Thomas, Chefin des Macmillan-Verlags, dem Handelsblatt.

Das Fachmagazin, das zur deutschen Holtzbrinck-Gruppe zählt, bringt so neue Bewegung in den Austausch von wissenschaftlichen Publikationen. Wissenschaftler können in ihren Artikeln ab sofort auf die Aufsätze verlinken und ihren Lesern den Zugang zur Vollversion ermöglichen. Das gilt für Nature sowie 48 weitere wissenschaftliche Fachzeitschriften der Nature Publishing Group (NPG). Es ist ein ungewöhnlicher Schritt, der den Markt für Fachmagazine durcheinanderwirbeln könnte.

Denn der Verlag Macmillan Science and Education eröffnet seinen Nutzern damit einen offiziellen Weg an der Paywall, der Bezahlschranke, vorbei, um Forschungsergebnisse aus den iFachzeitschriften der Gruppe in die Öffentlichkeit zu tragen. Doch vollen Zugang bekommen die neuen Leser nicht: Die Dateien können zwar gespeichert, aber nicht ausgedruckt werden.

Macmillan-Chefin Thomas begründet den Schritt offiziell als Reaktion auf die „Bedürfnisse der Wissenschaft”, Forschungsergebnisse online weltweit zu teilen, was über Umwege im Universitätsbetrieb längst gängige Praxis sei. Ein weiteres Motiv dürfte jedoch auch die Hoffnung der Holtzbrinck-Tochter sein, stärker wieder die Kontrolle und die genaue Kenntnis über die Verbreitung der Verlags-Inhalte zu erlangen.

Dafür lockt der Verlag seine Abonnenten zusätzlich mit der Möglichkeit, die Artikel mit eigenen Kommentaren und Markierungen zu verschicken. Eine gewerbliche Nutzung schließt Macmillan dabei kategorisch aus – was in der Praxis jedoch schwierig zu kontrollieren sein dürfte.

Doch „Nature“ bewegt sich in einem speziellen Markt. Das Magazin gilt als eines der renommiertesten Fachmagazine weltweit – und eine Veröffentlichung dort als Ritterschlag für jeden Wissenschaftler. So zahlt „Nature“ im Gegensatz zu normalen Magazinen, die Autoren Honorar für die Abtretung des Copyrights zahlen, den Wissenschaftlern kein Geld.

Damit nicht genug: Fachmagazine machen ihren Autoren auch noch strenge Vorgaben, wie das Manuskript inhaltlich und formal aufgebaut sein muss. Bei Nichtbeachtung droht Ablehnung. Viele Universitäts-Bibliotheken und Wissenschaftler sind dennoch wegen ihrer hohen Relevanz auf die Magazine angewiesen. Das hat seinen Preis: 199 US-Dollar pro Jahr kostet das Abo für eine Person; eine Institution oder Bibliothek muss allerdings schon 2730 US-Dollar berappen.

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