Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.04.2013

14:41 Uhr

WLAN-Mitschnitte

Datenschützer verdonnert Google zu Bußgeld

E-Mails, Fotos, Passwörter: Google sammelte mit seinen Street-View-Autos Daten aus unverschlüsselten WLAN-Netzen. Alles ein Versehen, beteuerte der Internet-Konzern. Trotzdem muss er ein Bußgeld zahlen.

Beim Erfassen des Straßenbildes für Google Street View hat der Konzern illegal andere Daten gesammelt. dpa

Beim Erfassen des Straßenbildes für Google Street View hat der Konzern illegal andere Daten gesammelt.

HamburgHamburgs Datenschutz-Beauftragter Johannes Caspar hat ein Bußgeld in Höhe von 145.000 Euro gegen den Internetkonzern Google verhängt. Geahndet wird damit eine illegale Datensammlung, wie die Behörde am Montag in der Hansestadt mitteilte. Google hatte zwischen 2008 und 2010 bei Aufnahmen von Bildern für seinen Straßenfoto-Dienst Street View auch Daten aus unverschlüsselten WLAN-Netzen erfasst.

„Unter den im Vorbeifahren erfassten Informationen befanden sich auch erhebliche Mengen an personenbezogenen Daten unterschiedlichster Qualität. Beispielsweise wurden E-Mails, Passwörter, Fotos und Chat-Protokolle erfasst“, stellte Caspar in der Mitteilung am Montag fest. Das weltweite Problem war 2010 auf Nachfragen des Datenschützers hin öffentlich geworden. Nach Ermittlung von US-Behörden hatte ein einzelner Mitarbeiter die Funktion in die Software der Kamera-Wagen eingefügt.

Die Hamburger Staatsanwaltschaft hatte strafrechtliche Ermittlungen zu dem Fall im November eingestellt. Der Datenschutz-Beauftragte führte die Angelegenheit aber als Ordnungswidrigkeitsverfahren weiter und verhängte nun das Bußgeld. Es stehe fest, dass Google „fahrlässig unbefugt personenbezogene Daten erhoben und gespeichert” habe, erklärte Caspar. Der US-Konzern hatte stets bestritten, die Daten vorsätzlich gesammelt zu haben.

Googles wichtigste Geschäfte

Vielzahl an Produkten

Google Suche, Gmail, Google Maps, der Online-Speicher Google Drive, das Smartphone-Betriebssystem Android mit dem App-Store Google Play und, und, und: Die Liste der Google-Dienste wird immer länger. Und in seinen geheimen Labs arbeitet der Konzern an einem selbstfahrenden Auto oder Ballons, über die entlegene Gegenden mit Internet-Zugängen versorgen sollen.

Hochprofitable Suche

Wenn es aber um das Geldverdienen geht, ist Google vom Geschäft mit Online-Werbung abhängig. Fast 90 Prozent des Umsatzes stammen aus diesem Segment, ein Großteil aus der Internet-Suche. In der Bilanz wird sonst nur noch ein Segment mit dem wenig aussagekräftigen Titel „Other“ (Anderes) aufgelistet.

Android

Googles Betriebssystem Android dominiert den Smartphone-Markt. Es hilft dem Konzern, seine Dienste fürs mobile Internet zu verbreiten, sorgt mit dem Play Store mit Apps, Filmen und Musik aber auch für wachsende Einnahmen. Experten vermuten, dass diese den Großteil des „sonstigen“ Umsatzes ausmachen.

Google Appsl

Um sich aus der Abhängigkeit aus den Werbeeinnahmen zu befreien, hat Google in den vergangenen Jahren immer wieder Initiativen gestartet, etwa kostenpflichte Anwendungen für Firmen. Das Office-Paket Apps for Business und die E-Mail-Plattform sind Kernbestandteile der Geschäftskundenstrategie. Google Apps generiert Umsatz aus monatlichen Gebühren.

Google+

Soziale Netzwerke sind viele Internet-Nutzer zum ersten Anlaufpunkt im Internet geworden. Facebook ist hier mit Abstand die Nummer 1, Google will dem Marktführer mit Google+ Paroli bieten. Dass der Konzern den riesigen Abstand aufholt, ist allerdings unwahrscheinlich.

Cloud Computing

Ob Gmail, Google Docs oder Google Drive: Google-Dienste laufen nicht auf dem lokalen Rechner, sondern im Rechenzentrum. Der Konzern hat eine große Expertise in Sachen Cloud Computing, die er auch vermarkten will: Firmen können Rechenleistung oder Speicher bei dem Konzern mieten.

Chrome OS

Google will mit Chrome OS ein neuartiges Betriebssystem für Computer etablieren – es setzt voll aufs Internet und ruft Daten und Dienste aus der „Wolke“ ab. Mit dem System will das Unternehmen seine Produkte verbreiten. Bislang ist die Verbreitung von Chrome OS allerdings noch überschaubar.

Auch Caspar erhob keinen entsprechenden Vorwurf. Der Fall lasse aber den Schluss zu, dass Googles firmeninterne Kontrollmechanismen „in erheblicher Weise versagt haben”. „Nach meiner Einschätzung handelt es sich bei dem Sachverhalt um einen der größten bislang bekannt gewordenen Datenschutz-Verstöße überhaupt. Google hat sich bei der Aufklärung kooperativ gezeigt und öffentlich ein Fehlverhalten eingeräumt“, erklärte Caspar.

Der US-Konzern hatte 2008 bis 2010 Autos mit Kameras durch die Straßen deutscher Großstädte geschickt, um Aufnahmen für den Straßenbilder-Dienst Street View zu machen. Diese sammelten im Vorbeifahren allerdings auch Daten, die sie aus unverschlüsselten WLAN-Netzwerken empfingen.

Nach Angaben von Google handelte es sich um einen „Fehler“, durch den die Funktionen in die Steuerungsprogramme integriert worden seien. Die Autos hätten während der Fahrt auch nur kurze, praktisch wertlose „Informationsschnipsel” aus ungesicherten drahtlosen Netzen aufschnappen können. Diese seien zudem nie ausgewertet und verwendet worden. Die Daten sind dem Unternehmen zufolge gelöscht.

Google musste wegen des Vorfalls bereits in mehreren Ländern Sanktionen hinnehmen. In den USA zahlte Google sieben Millionen Dollar Strafe. Der damit verbundene Vergleich stelle sicher, dass der Konzern in der Zukunft keine ähnlichen Verfahren mehr anwende, um ohne Zustimmung an persönliche Daten zu gelangen, teilte der federführende Staatsanwalt aus Connecticut, George Jepsen, Mitte März mit. Das Unternehmen habe sich unter anderem verpflichtet, seine Mitarbeiter entsprechend zu schulen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×