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17.02.2017

12:59 Uhr

Wolfspeed

Infineons US-Übernahme ist gescheitert

Der deutsche Chipkonzern Infineon wird den Halbleiterspezialisten Wolfspeed nicht übernehmen. Nachdem US-Behörden Sorgen über den Deal äußerten, erklärte der Wolfspeed-Mutterkonzern das Vorhaben für gescheitert.

Nach dem Veto der US-Behörden hat der Wolfspeed-Mutterkonzern Cree die Übernahme des Halbleiterspezialisten durch Infineon für gescheitert erklärt. Reuters, Sascha Rheker

Infineon

Nach dem Veto der US-Behörden hat der Wolfspeed-Mutterkonzern Cree die Übernahme des Halbleiterspezialisten durch Infineon für gescheitert erklärt.

Durham/MünchenDeutschlands größter Halbleiterhersteller Infineon ist mit der geplanten Übernahme des amerikanischen Chipkonzerns Wolfspeed endgültig gescheitert. Wegen Sicherheitsbedenken der US-Behörden habe sie die Transaktion abgeblasen, teilte die Wolfspeed-Mutter Cree am Donnerstag mit.

„Auch im intensiven Dialog mit den Behörden konnten wir keine Maßnahmen identifizieren, die die Bedenken entkräftet hätten“, räumte ein Infineon-Sprecher am Freitag ein. Vorstandschef Reinhard Ploss hatte bereits am Vortag nur noch von „einer extrem geringen Wahrscheinlichkeit“ gesprochen. Mittlerweile haben beide Seiten ihren Antrag bei der US-Prüfbehörde CFIUS zurückgezogen.

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Weil Wolfspeed auch militärische Anwendungen bedient, hatten die USA nationale Sicherheitsbedenken angemeldet. Die Münchner hielten es demnach nicht für wahrscheinlich, dass sie die Vorbehalte der US-Behörde CFIUS ausräumen und den 850-Millionen-Dollar-Deal retten können. Wie Cree weiter mitteilte, werde Infineon nun eine Vertragsstrafe von 12,5 Millionen Dollar an die US-Firma zahlen. Dabei kommen die Oberbayern noch glimpflich davon. Die Verträge hatten für die Strafe eine Spannbreite von 12,5 Millionen bis 42,5 Millionen Dollar vorgesehen.

Cree äußerte sich „schwer enttäuscht“ über die geplatzte Transaktion. „Wir bedauern das sehr“, fügte ein Infineon-Sprecher am Freitag hinzu. „Die Mitarbeiter von Wolfspeed und Infineon hatten sich sehr auf eine Zusammenarbeit gefreut.“ Das Geschäft seines Hauses stehe aber auch ohne die Amerikaner auf einer soliden Grundlage.

Die Bayern wollten mit Hilfe der Amerikaner ihre Expertise bei neuen Halbleitermaterialien wie Siliziumkarbid und Galliumnitrid stärken; bislang wird für die Chipproduktion hauptsächlich Silizium verwendet. Wolfspeed hätte etwa beim Bau kleinerer und effizienterer Ladegeräte für Elektroautos helfen und Infineon so seine Position als Zulieferer für die Pkw-Branche und für den neuen Mobilfunkstandard 5G stärken können. Vom Widerstand aus den USA waren die Bayern in der vergangenen Woche kalt erwischt worden.

Die größten Chiphersteller der Welt

Intel

Mit einem Umsatz von rund 50 Milliarden Dollar ist Intel der mit Abstand größte Chiphersteller der Welt. Seit fast einem Vierteljahrhundert führt Intel die Rangliste nun schon an. Der Konzern aus dem Silicon Valley lebt vor allem von seinen Prozessoren. Sie sind das Gehirn eines jeden Rechners. Die Halbleiter des Unternehmens stecken insbesondere in PCs, Notebooks und Servern. Im Geschäft mit Smartphones konnte Intel nie so recht Fuß fassen. Alles in allem erreicht Intel auf dem Halbleitermarkt einen Anteil von mehr als 15 Prozent.

Samsung Electronics

Die Chipsparte des koreanischen Elektronikkonzerns ist nach Intel weltweit die Nummer zwei und kommt den Experten von Gartner zufolge auf gut elf Prozent Markanteil. Die Asiaten sind vor allem stark in Speicherchips. Samsung beliefert unter anderem auch Apple. Halbleiter sind freilich nur ein Geschäft von vielen von Samsung Electronics. Die Koreaner liefern auch viele andere elektronische Bauteile sowie Waschmaschinen, Smartphones, Fernseher und sogar Kühlschränke und Staubsauger.

SK Hynix

Der zweite große südkoreanische Halbleiteranbieter heißt SK Hynix und liegt in der Weltrangliste auf Platz drei. Der Umsatz: Mehr als 16 Milliarden Dollar. SK Hynix produziert insbesondere Speicherchips und wurde in der Vergangenheit vom Staat gestützt, um eine Insolvenz abzuwenden. Als einer der ganz wenigen großen Chipkonzerne ist SK Hynix 2015 gewachsen.

Qualcomm

In der Öffentlichkeit ist Qualcomm zu gut wie unbekannt, doch in der Halbleiterbranche sind die Kalifornier die Nummer vier mit zuletzt rund 16 Milliarden Dollar Umsatz. Die Firma liefert vor allem Chips für Smartphones. So stark ist Qualcomm auf diesem Feld, dass der Konzern wiederholt mit den Kartellämtern Probleme hatte. Das Unternehmen betreibt keine eigenen Fabriken sondern lässt alle seine Chips in sogenannten Foundries fertigen. Zudem verdient Qualcomm an Lizenzgebühren, weil jeder Handyhersteller auf geistiges Eigentum der Amerikaner zurückgreifen muss. 2015 war jedoch kein gutes Jahr für Qualcomm, der Umsatz ist kräftig gefallen. Mit einem Kurseinbruch von einem Drittel lief es auch auf dem Parkett alles andere als rund.

Micron Technology

Der US-Konzern arbeitet eng mit Intel zusammen und steht auf Rang fünf der Umsatzrangliste der Halbleiterindustrie. Zuletzt lagen die Erlöse bei rund 14,5 Milliarden Dollar. Micron verkauft hauptsächlich Speicherchips. Gemeinsam mit Intel hofft Micron derzeit auf eine ganz neue Generation an Speicherchips. Die neuen Chips sollen 1000 Mal schneller sein als die derzeit gebräuchlichen NAND-Speicherchips. Gleichzeitig können die fortschrittlichen Halbleiter zehn Mal mehr Daten fassen als die herkömmlichen Arbeitsspeicher, die sogenannten DRAMs. Im Gegensatz zu den DRAM-Chips, und ähnlich wie bei NAND, gehen die Informationen bei der neuen Technik nicht verloren, wenn der Strom erlischt. NAND hat in den vergangenen Jahren in vielen Rechnern die Festplatten verdrängt und wird jetzt womöglich selbst durch die neue Technik abgelöst. Intel und Micron haben die neue Technik 3D Xpoint genannt.

Texas Instruments

Vielen Menschen ist der US-Konzern vor allem wegen der Taschenrechner ein Begriff. Dabei lebt Texas Instruments vor allem von Chips und gilt als einer der verlässlichsten und über Jahrzehnte hinweg profitabelsten Anbieter. Der Umsatz lag zuletzt bei gut elf Milliarden Dollar, damit rangiert die Firma auf Platz sechs der Weltrangliste.

Toshiba Semiconductor

Der größte japanische Chiphersteller kam zuletzt auf Erlöse von 8,5 Milliarden Dollar, das reicht für Platz sieben in der Weltrangliste. Der Marktanteil beträgt fast drei Prozent.

Broadcom

Der US-Konzern ist der große Wettbewerber von Qualcomm im Geschäft mit Handychips und liegt auf Platz acht der größten Halbleiterhersteller. Allerdings wird es Broadcom nicht mehr lange geben. Arvago schluckt den Konkurrenten gerade und gibt dafür die Rekordsumme von 37 Milliarden Dollar aus. So viel wurde in der Industrie noch nie bei einer Übernahme auf den Tisch gelegt.

ST Microelectronics

Bislang der größte europäische Halbleiterhersteller, doch diese Position wird der Konzern nicht mehr lange behalten. Der Grund: NXP aus Eindhoven hat Ende 2015 den amerikanischen Rivalen Freescale übernommen und ist wird damit vom Umsatz her an ST Microelectronics vorbei ziehen. Das französisch-italienische Unternehmen ST Microelectronics erreichte zuletzt einen Jahresumsatz von fast sieben Milliarden Euro, das ergab den Marktforschern von Gartner zufolge Platz neun. Die Firma mit Hauptsitz in Genf beliefert zahlreiche Industrien, tut sich aber seit Jahren wirtschaftlich schwer. Eine Bürde ist die Historie, weil es viele Standorte in den beiden Ursprungsländern Frankreich und Italien gibt.

Infineon

Der wichtigste deutsche Chipproduzent und der einzige Hersteller hierzulande in den Top-ten der Branche. Die Münchener sind 2015 um rund ein Drittel gewachsen, vor allem aufgrund der Übernahme des US-Rivalen International Rectifier. Auch an der Börse lief es vergangenes Jahr prächtig, mit einem Kursplus von gut 50 Prozent gehörte die ehemalige Siemens-Sparte zu den größten Gewinnern im Dax. Infineon wird seinen Platz unter den zehn größten Herstellern vermutlich bald verlieren, weil der holländische Wettbewerber NXP den amerikanischen Rivalen Freescale jüngst geschluckt hat.

Autor: Joachim Hofer

In jüngster Zeit hatten mehrere Firmen in den USA Probleme mit einer Übernahme bekommen. Im Dezember hatte der chinesische Investor Fujian Grand Chip Investment den Kauf des deutschen Chipanlagenbauers Aixtron abgeblasen, nachdem die US-Regierung - damals noch unter Präsident Barack Obama - dazwischengefunkt hatte. Die Sicherheitsbehörden hatten Bedenken, da China militärischer Rivale der beiden Nato-Staaten USA und Deutschland ist. Der Roboterbauer Kuka verkaufte auf dem Weg zur Übernahme durch den chinesischen Hausgeräte-Hersteller Midea seine Rüstungsaktivitäten in den Vereinigten Staaten an eine amerikanische Firma – auf Geheiß der US-Behörden.

Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer warb kürzlich mit dem Versprechen von Milliardeninvestitionen und neuen Jobs in den USA für die geplante Fusion mit dem amerikanischen Saatgutriesen Monsanto. Die Konzerne sind bei der 66 Milliarden Dollar schweren Transaktion unter anderem auf das Wohlwollen der dortigen Aufsichtsbehörden angewiesen.

Von

rtr

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