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14.07.2016

13:19 Uhr

Wolfspeed Power

Infineon kauft wieder ein

VonJoachim Hofer

Der Münchener Dax-Konzern gibt 850 Millionen Dollar aus für den US-Konkurrenten Wolfspeed. Das ist kein Grund zur Sorge für die Anteilseigner: Vorstandschef Ploss hat ein glückliches Händchen bei Übernahmen.

Infineon kauft den US-Konkurrenten Wolfspeed. dpa

Infineon

Infineon kauft den US-Konkurrenten Wolfspeed.

MünchenDeutschlands größter Halbleiterhersteller verstärkt sich erneut in Amerika. Für 850 Millionen Dollar, umgerechnet 765 Millionen Euro, kauft Vorstandschef Reinhard Ploss den Wettbewerber Wolfspeed Power. Das Unternehmen ist bisher Teil des LED-Produzenten Cree. „Das Geschäft und Know-how von Wolfspeed und Infineon ergänzen sich in hohem Maße“, sagte Ploss an diesem Donnerstag. Beide Firmen produzieren Chips für die Stromversorgung.

Es ist nicht das erste Mal, dass Ploss jenseits des Atlantiks zuschlägt. Vor zwei Jahren erst hat Infineon den Wettbewerber International Rectifier aus Kalifornien für drei Milliarden Dollar geschluckt.

Infineon nimmt für den Kauf Bankkredite von 720 Millionen Dollar auf. In den zwölf Monaten bis zum 27. März habe Wolfspeed einen Umsatz von 173 Millionen Dollar (155 Millionen Euro) erzielt, teilte Infineon an diesem Donnerstag mit. Zum Vergleich: Infineon kam im ersten Quartal des Jahres auf Erlöse von 1,6 Milliarden Euro. Die Übernahme werde sich sofort positiv auf Marge und Ergebnis auswirken, heißt es in einer Mitteilung. Der Deal soll Ende des Jahres abgeschlossen werden.

Die größten Chiphersteller der Welt

Intel

Mit einem Umsatz von rund 50 Milliarden Dollar ist Intel der mit Abstand größte Chiphersteller der Welt. Seit fast einem Vierteljahrhundert führt Intel die Rangliste nun schon an. Der Konzern aus dem Silicon Valley lebt vor allem von seinen Prozessoren. Sie sind das Gehirn eines jeden Rechners. Die Halbleiter des Unternehmens stecken insbesondere in PCs, Notebooks und Servern. Im Geschäft mit Smartphones konnte Intel nie so recht Fuß fassen. Alles in allem erreicht Intel auf dem Halbleitermarkt einen Anteil von mehr als 15 Prozent.

Samsung Electronics

Die Chipsparte des koreanischen Elektronikkonzerns ist nach Intel weltweit die Nummer zwei und kommt den Experten von Gartner zufolge auf gut elf Prozent Markanteil. Die Asiaten sind vor allem stark in Speicherchips. Samsung beliefert unter anderem auch Apple. Halbleiter sind freilich nur ein Geschäft von vielen von Samsung Electronics. Die Koreaner liefern auch viele andere elektronische Bauteile sowie Waschmaschinen, Smartphones, Fernseher und sogar Kühlschränke und Staubsauger.

SK Hynix

Der zweite große südkoreanische Halbleiteranbieter heißt SK Hynix und liegt in der Weltrangliste auf Platz drei. Der Umsatz: Mehr als 16 Milliarden Dollar. SK Hynix produziert insbesondere Speicherchips und wurde in der Vergangenheit vom Staat gestützt, um eine Insolvenz abzuwenden. Als einer der ganz wenigen großen Chipkonzerne ist SK Hynix 2015 gewachsen.

Qualcomm

In der Öffentlichkeit ist Qualcomm zu gut wie unbekannt, doch in der Halbleiterbranche sind die Kalifornier die Nummer vier mit zuletzt rund 16 Milliarden Dollar Umsatz. Die Firma liefert vor allem Chips für Smartphones. So stark ist Qualcomm auf diesem Feld, dass der Konzern wiederholt mit den Kartellämtern Probleme hatte. Das Unternehmen betreibt keine eigenen Fabriken sondern lässt alle seine Chips in sogenannten Foundries fertigen. Zudem verdient Qualcomm an Lizenzgebühren, weil jeder Handyhersteller auf geistiges Eigentum der Amerikaner zurückgreifen muss. 2015 war jedoch kein gutes Jahr für Qualcomm, der Umsatz ist kräftig gefallen. Mit einem Kurseinbruch von einem Drittel lief es auch auf dem Parkett alles andere als rund.

Micron Technology

Der US-Konzern arbeitet eng mit Intel zusammen und steht auf Rang fünf der Umsatzrangliste der Halbleiterindustrie. Zuletzt lagen die Erlöse bei rund 14,5 Milliarden Dollar. Micron verkauft hauptsächlich Speicherchips. Gemeinsam mit Intel hofft Micron derzeit auf eine ganz neue Generation an Speicherchips. Die neuen Chips sollen 1000 Mal schneller sein als die derzeit gebräuchlichen NAND-Speicherchips. Gleichzeitig können die fortschrittlichen Halbleiter zehn Mal mehr Daten fassen als die herkömmlichen Arbeitsspeicher, die sogenannten DRAMs. Im Gegensatz zu den DRAM-Chips, und ähnlich wie bei NAND, gehen die Informationen bei der neuen Technik nicht verloren, wenn der Strom erlischt. NAND hat in den vergangenen Jahren in vielen Rechnern die Festplatten verdrängt und wird jetzt womöglich selbst durch die neue Technik abgelöst. Intel und Micron haben die neue Technik 3D Xpoint genannt.

Texas Instruments

Vielen Menschen ist der US-Konzern vor allem wegen der Taschenrechner ein Begriff. Dabei lebt Texas Instruments vor allem von Chips und gilt als einer der verlässlichsten und über Jahrzehnte hinweg profitabelsten Anbieter. Der Umsatz lag zuletzt bei gut elf Milliarden Dollar, damit rangiert die Firma auf Platz sechs der Weltrangliste.

Toshiba Semiconductor

Der größte japanische Chiphersteller kam zuletzt auf Erlöse von 8,5 Milliarden Dollar, das reicht für Platz sieben in der Weltrangliste. Der Marktanteil beträgt fast drei Prozent.

Broadcom

Der US-Konzern ist der große Wettbewerber von Qualcomm im Geschäft mit Handychips und liegt auf Platz acht der größten Halbleiterhersteller. Allerdings wird es Broadcom nicht mehr lange geben. Arvago schluckt den Konkurrenten gerade und gibt dafür die Rekordsumme von 37 Milliarden Dollar aus. So viel wurde in der Industrie noch nie bei einer Übernahme auf den Tisch gelegt.

ST Microelectronics

Bislang der größte europäische Halbleiterhersteller, doch diese Position wird der Konzern nicht mehr lange behalten. Der Grund: NXP aus Eindhoven hat Ende 2015 den amerikanischen Rivalen Freescale übernommen und ist wird damit vom Umsatz her an ST Microelectronics vorbei ziehen. Das französisch-italienische Unternehmen ST Microelectronics erreichte zuletzt einen Jahresumsatz von fast sieben Milliarden Euro, das ergab den Marktforschern von Gartner zufolge Platz neun. Die Firma mit Hauptsitz in Genf beliefert zahlreiche Industrien, tut sich aber seit Jahren wirtschaftlich schwer. Eine Bürde ist die Historie, weil es viele Standorte in den beiden Ursprungsländern Frankreich und Italien gibt.

Infineon

Der wichtigste deutsche Chipproduzent und der einzige Hersteller hierzulande in den Top-ten der Branche. Die Münchener sind 2015 um rund ein Drittel gewachsen, vor allem aufgrund der Übernahme des US-Rivalen International Rectifier. Auch an der Börse lief es vergangenes Jahr prächtig, mit einem Kursplus von gut 50 Prozent gehörte die ehemalige Siemens-Sparte zu den größten Gewinnern im Dax. Infineon wird seinen Platz unter den zehn größten Herstellern vermutlich bald verlieren, weil der holländische Wettbewerber NXP den amerikanischen Rivalen Freescale jüngst geschluckt hat.

Autor: Joachim Hofer

Die Ankündigung kam an der Börse gut an. In einem freundlichen Umfeld kletterte der Aktienkurs am Mittag um gut zwei Prozent auf rund 13,6 Euro. Damit gehörte Infineon zu den besten Werten im Dax. Die positive Reaktion ist kein Wunder, denn die letzte Akquisition hat Ploss fast geräuschlos integriert, und das auch noch wesentlich schneller als zunächst geplant. Das Ergebnis: Heute steht Infineon so gut da wie noch nie seit der Abspaltung von Siemens Ende des vergangenen Jahrtausends.

Knapp vier Jahre ist es her, seit der gebürtige Franke Ploss das Steuer beim wichtigsten deutschen Chiphersteller übernommen hat. Mit Erfolg: Alle wesentlichen Kenn- und Steuerungszahlen zeigen seither nach oben. Auch in dem bis zum 30. September laufenden Geschäftsjahr sieht es gut aus. Der Umsatz soll um zwölf Prozent klettern.

Im Vergleich zu vielen anderen Übernahmen in der Chipbranche ist die Transaktion von Infineon bescheiden. So hat erst dieses Frühjahr Microchip den Rivalen Atmel für rund 3,5 Milliarden Dollar geschluckt. NXP aus Eindhoven hat sich für zwölf Milliarden Dollar den US-Wettbewerber Freescale geschnappt.

Doch es hat seinen Grund, dass die Firmen zukaufen: Es wird immer schwieriger, aus eigener Kraft zu wachsen. So rechnen die Marktforscher von Gartner damit, dass der Umsatz der Branche 2016 weltweit leicht schrumpfen wird, und das schon das zweite Jahr in Folge. So etwas habe es in der Geschichte der Industrie bisher nur einmal zuvor gegeben, warnen die Experten.

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