Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.03.2017

14:33 Uhr

X-Fab vor dem Börsengang

Chiphersteller geht auf Roadshow

VonJoachim Hofer

In der Chipbranche herrscht wieder Aufbruchstimmung. Der Erfurter Halbleiterproduzent X-Fab wagt sich an die Börse. Vorstandschef Rudi De Winter verspricht ein strammes Wachstum von mehr als zehn Prozent im Jahr.

Die Erfurter X-Fab stellt Halbleiter für 300 Kunden her. Jetzt sammeln die Ostdeutschen Geld an der Börse ein für die weitere Expansion. dpa

Halbleiterproduktion

Die Erfurter X-Fab stellt Halbleiter für 300 Kunden her. Jetzt sammeln die Ostdeutschen Geld an der Börse ein für die weitere Expansion.

MünchenVon Erfurt nach New York, Paris und London: In den nächsten Tagen reist Rudi De Winter um die halbe Welt. Der der Chef des ostdeutschen Chipherstellers X-Fab trifft einen Investor nach dem anderen, um seine Aktien anzupreisen. Wenn er genügend Käufer findet, werden die Papiere dann am 6. April zum ersten Mal an der Euronext in Paris gehandelt.

„Wir sammeln zusätzliches Kapital ein, um das weitere Wachstum zu unterstützen“, erklärte De Winter am Donnerstag im Gespräch mit dem Handelsblatt. Für die nächsten Jahre verspricht der Manager ein jährliches Plus von über zehn Prozent. Das ist wesentlich mehr, als die Analysten für die gesamte Halbleiterbranche vorhersagen. Doch De Winter glaubt an sein Konzept. Als sogenannte Foundry fertigt X-Fab Chips für Anbieter, die sich keine eigene Fabrik leisten können oder wollen. De Winter: „Unser Modell ergattert einen immer größeren Anteil am Chipmarkt.“

9 Tipps die Sie bei Neuemissionen beachten sollten

Tipp 1

Ob Twitter, Facebook, Rocket Internet  oder Alibaba: IPOs üben immer wieder einen großen Reiz auf Anleger aus. Doch es gibt einiges zu beachten, damit man sich an den Börsenneulingen nicht die Finger verbrennt. Beispielsweise: Wie soll der Emissionserlös, der Gewinn aus den Aktienverkäufen, verwendet werden? Fließt das Geld in das Unternehmen oder werden lediglich die Interessen Dritter befriedigt?

Tipp 2

Wie lange wollen die Altaktionäre ihre Anteile halten? An den Lock-up- oder Haltefristen können Sie gut erkennen, ob das Management an einen langfristigen Erfolg des Unternehmens glaubt oder nur auf einen kurzfristigen Kursgewinn spekuliert.

Tipp 3

Ist die Höhe des Emissionspreises, der Preis für die Aktien, angemessen im Vergleich zu anderen, ähnlichen Unternehmen aus der Branche? Ist das Unternehmen damit fair bewertet oder künstlich hochgespielt?

Tipp 4

Wie sehen die Umsatz- und Gewinnzahlen, die Kennziffern des Unternehmens in der Vergangenheit aus? Aber Vorsicht. In manchen wachstumskräftigen, aber riskanten Branchen (etwa in der Biotechnologie) ist es durchaus üblich, dass Unternehmen jahrelang Verluste einfahren, und trotzdem könnte eine Aktie zu empfehlen sein.

Tipp 5

Gibt es für die Produkte und Dienstleistungen des Unternehmens tatsächlich einen Bedarf, gibt es genügend Abnehmer? Nicht jede tolle Idee ist bei näherer Betrachtung auch wirklich marktfähig.

Tipp 6

Wie sieht die Konkurrenzsituation aus? Gibt es starke Wettbewerber mit hoher finanzieller Schlagkraft?

Tipp 7

Welchen Eindruck macht das Management auf Sie? Verfügt es über genügend Erfahrung und Kompetenz?

Tipp 8

Wie professionell kommuniziert das Unternehmen nach außen? Sind die Botschaften kompetent, stringent und informativ?

Tipp 9

Verstehen Sie die Geschäftsidee? Wenn nicht, dann sollten Sie auf diese Aktie verzichten und anderen den Vorzug geben/lassen.

Die Quelle

Über eine Kapitalerhöhung will De Winter 250 Millionen Euro einsammeln. Zusätzlich werden zwei Großaktionäre Papiere für mindestens 200 Millionen Euro abstoßen. Eine Aktie kostet zwischen acht und 10,50 Euro. Wie viel die Anleger letztlich zahlen werden, hängt von der Nachfrage ab. Im besten Fall wird X-Fab mit 1,3 Milliarden Euro bewertet, am unteren Ende der Preisspanne kommt das Unternehmen auf 1,05 Milliarden. Zum Vergleich: Deutschlands größter Halbleiterhersteller Infineon erreicht eine Marktkapitalisierung von gut 19 Milliarden Euro.

Das Angebot richtet sich auch ausdrücklich an private Investoren. Zehn Prozent der angebotenen Aktien sind für sie reserviert. X-Fab ist der erste deutsche Chiphersteller seit mehr als zehn Jahren, der sich an die Börse wagt. Zuletzt ging der Speicherproduzent Qimonda 2006 an die Wall Street. Der war drei Jahre nach der Emission bereits pleite.

Aufbruchstimmung in der Halbleiterindustrie: Deutscher Chiphersteller X-Fab strebt an die Börse

Aufbruchstimmung in der Halbleiterindustrie

Premium Deutscher Chiphersteller X-Fab strebt an die Börse

Zum ersten Mal seit Jahren wagt sich ein Speicherproduzent aus Deutschland aufs Parkett. Das Programm von X-Fab passt zur Aufbruchstimmung in der Branche. Doch die Konkurrenz aus China könnte bald übermächtig werden.

X-Fab-Chef De Winter will die gute Stimmung an den Börsen nutzen, profitiert aber auch von der hervorragenden Branchenkonjunktur. So rechnen die Marktforscher von IC Insights für das laufende Jahr mit einem weltweiten Umsatzplus der Chipindustrie von mindestens fünf Prozent; es könnten aber auch acht Prozent werden, so IC-Insights-Chef Bill McClean. „In jedem Fall wird es ein ordentliches Jahr“, betont der Analyst. Zum Vergleich: Vergangenes Jahr stiegen die Einnahmen um lediglich drei Prozent.

Dass Anschläge die Emission gefährden könnten, glaubt De Winter nicht. Attacken wie die in London vom Dienstag seien zwar traurig. Aber: „Vielleicht ist es gut, dass unser Leben dadurch nicht mehr beeinträchtigt wird.“

So wie bei X-Fab herrscht derzeit überall in der europäischen Chipindustrie Aufbruchstimmung. „Die europäischen Anbieter besitzen Schlüsselkompetenzen in wichtigen Zukunftsthemen“, unterstrich Laith Altimime, Präsident des Branchenverbands Semi Europa, kürzlich im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×