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11.04.2015

15:41 Uhr

Xiaomi unter Druck

Angriff der Klon-Krieger

Der chinesische Smartphone-Hersteller Xiaomi ist zu einer Spitzenmarke aufgestiegen – indem er Apple-Produkte nachahmte. Nun werden die Kopierer kopiert. Sogar in Deutschland werden abgekupferte Geräte vertrieben.

Die Chinesen, die lange Apple kopierten, werden im Erfolg nun selbst kopiert. Reuters

Mobiltelefone von Xiaomi

Die Chinesen, die lange Apple kopierten, werden im Erfolg nun selbst kopiert.

PekingDie Verkäufer in der Pekinger Zentrale des Smartphone-Herstellers Xiaomi kommen kaum hinterher. Besucher drängen in die Verkaufsräume im Erdgeschoss der Firmenzentrale. An weißen Wänden hängen Werbetafeln für die neuesten Smartphones, aber mittlerweile produziert Xiaomi auch Fernseher, Tablets und vieles mehr. Fast im Monatstakt bringt die Firma neue Geräte auf den Markt.

Gerade feiert Xiaomi (übersetzt bedeutet der Firmenname „kleines Reiskorn“ oder „Hirse“) seinen fünften Geburtstag und buhlt mit Kampfpreise um die Gunst der Kunden. Das Einstiegsmodell seiner Smartphone-Reihe ist schon für umgerechnet 74 Euro zu haben.

Xiaomi ist gelungen, was Experten für nahezu unmöglich hielten. Nach der Gründung 2010 ist die Firma im umkämpften Markt für Smartphones in China zum Marktführer aufgestiegen. Mehr noch: Xiaomi gehört heute zu den fünf größten Smartphone-Anbietern weltweit.

„Xiaomi ist so groß geworden, weil es erfolgreich die Marke Apple kopiert hat“, sagt Jost Wübbeke vom Mercator Institut für China-Studien (Merics) der Deutschen Presse-Agentur in Peking. Inzwischen hat der einstige Kopierer ein eigenes Image aufgebaut. „Xiaomi ist schick - nicht mehr weil es Apple nachahmt, sondern weil es Xiaomi ist.“

Smartphone-Markt im Wandel

Samsung weniger dominant

Samsung ist der mit Abstand größte Hersteller von Smartphones, doch die Dominanz bröckelt. Im dritten Quartal 2014 verkaufte der südkoreanische Konzern 78,1 Millionen Smartphones und damit deutlich weniger als ein Jahr zuvor, als er 85 Millionen Geräte absetzte. Der Marktanteil sank von 32,5 auf 23,8 Prozent, wie der Marktforscher IDC ermittelt hat. Wegen niedrigerer Verkaufspreise sinkt auch der Profit.

Apple setzt auf Premium

Apple hält seinen Marktanteil mit 12 Prozent weitgehend stabil. Der Absatz stieg deutlich auf 39,3 Millionen Geräte, wozu die neuen Modelle iPhone 6 und iPhone 6 Plus einen deutlichen Beitrag leisteten. Weil der Konzern Premiumpreise verlangt, arbeitet er mit Margen, um die ihn die Konkurrenten beneidenk.

Xiaomi holt rasant auf

Im Westen ist Xiaomi kaum bekannt, doch in China ist der Smartphone-Hersteller äußerst populär. Dank dreistelliger Wachstumsraten ist das Unternehmen nun mit einem Marktanteil von 5,3 Prozent drittgrößer Hersteller. Im dritten Quartal verkaufte er 17,3 Millionen Handys, wozu vor allem das Highend-Gerät Mi4 beitrug. Die spannende Frage: Kann Xiaomi auch im Westen Fuß fassen?

Lenovo wächst mit Motorola

Lenovo hat sich als PC-Hersteller einen Namen gemacht, drängt aber auch in den wachsenden Smartphone-Markt. Im dritten Quartal 2014 verkaufte der Konzern 16,9 Millionen Geräte, vor allem in Asien, dem Nahen Osten und Afrika. Der Marktanteil betrug 5,2 Prozent. Mit der Übernahme von Motorola dürfte der Konzern weiter wachsen.

LG legt deutlich zu

Der koreanische Hersteller LG verkauft viele günstige Geräte, ist mit dem G3 aber auch im Premiumsegment vertreten. Im dritten Quartal verkaufte er laut IDC 16,8 Millionen Geräte und sicherte sich damit 5,1 Prozent des Smartphone-Marktes. Das Resultat: LG konnte zuletzt auch den Gewinn deutlich steigern.

Große Namen, kleiner Marktanteil

Jenseits der Top 5 finden sich viele bekannte Namen: Sony und Blackberry etwa, aber auch Microsoft als Käufer der Nokia-Gerätesparte. Auch der chinesische Hersteller Huawei zählt dazu. 48,6 Prozent des Marktes fallen in diese Sammelkategorie, die IDC nicht weiter aufschlüsselt.

Doch der gewaltige Erfolg hat eine große Schattenseite für das Pekinger Unternehmen. Mittlerweile kupfern viele Konkurrenten die Produkte des einstigen Nachahmers selbst ab, um am Aufstieg mitzuverdienen. Auf einen besonders dreisten Fall stieß kürzlich die US-amerikanische Sicherheitsfirma Bluebox. Sie untersuchte das neueste Aushängeprodukt von Xiaomi, das Smartphone Mi4, und stieß auf ein Spionageprogramm, die im Hintergrund die Nutzer aushorchen können. Xiaomi war alarmiert und untersuchte den Fall.

Dann stellte sich heraus: Das Gerät war eine Fälschung, aber eine besonders gute. Selbst die Sicherheitsmerkmale hatten die Fälscher nachgebaut. Denn Xiaomi installiert mittlerweile Programme auf seinen Geräten, die überprüfen, ob das Produkt ein Original ist. Das Mi4-Smartphone im Test von Bluebox war so ausgeklügelt, dass es den Prüfern erfolgreich vorgaukelte, ein echtes Xiaomi-Gerät zu sein.

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