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23.02.2015

15:45 Uhr

Xing baut Stellenmarkt aus

Das lukrative Geschäft mit der Karriere

VonMiriam Binner, Christof Kerkmann

ExklusivWer frustriert ist, kann bald in der Mittagspause einen neuen Job suchen: Das Karriere-Netzwerk Xing arbeitet an einer separaten Smartphone-App für seinen Stellenmarkt. Das Geschäft mit der Karriere wird immer wichtiger.

Das soziale Netzwerk will mehrere Apps entwickeln.

Xing-Chef Thomas Vollmoeller

Das soziale Netzwerk will mehrere Apps entwickeln.

DüsseldorfErst Kununu, jetzt Jobbörse.com – das Karriere-Netzwerk Xing drängt mit mehreren Übernahmen in den Stellenmarkt. Das Hamburger Unternehmen hofft, dass trotz des Wettbewerbs mit Branchengrößen wie Stepstone und Monster noch Wachstumspotenzial besteht. Eine wichtige Rolle spielt künftig auch eine separate App für die Jobsuche.

Für Intelligence Competence Center, den Betreiber von Jobbörse.com, blätterte Xing im Januar 6,3 Millionen Euro hin, weitere 2,4 Millionen Euro könnten im Erfolgsfall hinzukommen. Von Interesse ist vor allem die Suchtechnologie, die Millionen von Websites durchsucht und beispielsweise auf Firmenportalen offene Stellen herausfiltert. Damit will das Unternehmen seinen eigenen Stellenmarkt erweitern, in dem bisher nur bezahlte Anzeigen zu finden sind. „Unsere Mitglieder sollen alle Jobs sehen, die zu ihrem Leben passen“, sagte Xing-Chef Thomas Vollmoeller im Gespräch mit dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). Das Portal Jobbörse.com soll als eigenständige Marke bestehen bleiben. Dort sind derzeit 2,7 Millionen offene Stellen gelistet.

Experten sehen den Zukauf positiv. Durch das Zusatzangebot verbessere sich Xings Marktstellung, heißt es in einer Analyse der Privatbank Berenberg. Bereits 2013 hat das Unternehmen mit dem Zukauf der österreichischen Arbeitgeber-Bewertungsplattform Kununu sein Informationsangebot erweitert. Durch die Bewertungen von Kununu können Jobsuchende Stellenangebote auch nach Kategorien wie Familienfreundlichkeit sortieren lassen.

Alles rund um Xing

Kontaktbörse für Geschäftsleute

Gründer Lars Hinrichs ging es darum, einen Treffpunkt für Geschäftsleute zu schaffen – jenseits von Golfplätzen und Konferenzen. Anfangs hieß das Netzwerk noch Open Business Club oder kurz OpenBC.

Aus OpenBC wird Xing

Ende 2006, das Netzwerk hatte bereits 1,5 Millionen Mitglieder, benannte sich OpenBC in Xing um. Das sollte internationalen Nutzern die Aussprache erleichtern.

Gelistet im TecDax

Im Dezember 2006 ging Xing an die Börse, knapp fünf Jahre später gelang dem Unternehmen ein Karrieresprung: Im September 2015 stieg es in den TecDax auf, also den Index der 30 größten Technologiewerte.

Burda übernimmt die Regie

Der Medienkonzern Burda („Focus“) übernahm 2012 die Mehrheit der Xing-Aktien. Das soziale Netzwerk agiert aber weiter selbständig.

Konkurrent Linkedin holt auf

In den deutschsprachigen Ländern ist Xing eindeutig das wichtigste berufliche Online-Netzwerk. Konkurrent Linkedin setzt einiges daran, den Abstand zu verringern. Die Nutzerzahlen des US-Unternehmens sind deutlich gestiegen, allerdings ist Xing weiterhin mit Abstand die Nummer 1.

Geschäft mit Gebühren

2016 lag der Jahresumsatz bei 148,5 Millionen Euro. Der Großteil der Xing-Einnahmen stammt aus dem Geschäft mit dem E-Recruiting.

Für die Jobsuche werden Karriere-Netzwerke immer wichtiger und machen damit traditionellen Jobbörsen wie Monster oder Careerbuilder Konkurrenz. Unter den klassischen Jobportalen in Deutschland ist Stepstone der Marktführer, seit einigen Monaten betreibt Xing selbst einen Stellenmarkt. Diesen will das Unternehmen mit der Suche von Jobbörse.com verbessern. „Die Technologie war ein fehlendes Puzzlestück“, sagte Vollmoeller.

Das Geschäft mit der Jobsuche will Xing außerdem über eine separate App ausbauen. In den kommenden zwei Monaten wird der Xing-Stellenmarkt als eigenständige Anwendung an den Start gehen, außerdem sollen weitere Apps und Webangebote entwickelt werden. Bereits vor etwa einem Jahr hatte Vollmoeller in einem Interview mit dem Handelsblatt angekündigt, dass einzelne Anwendungen aus der Hauptanwendung ausgelagert werden könnten.

Im mobilen Geschäft sind weitere Investitionen geplant, wobei die Zahl der Entwickler innerhalb eines Jahres bereits etwa verdreifacht worden sei – Anfang 2014 waren es noch 15. Der Konzern setzt auf mehrere Entwicklerteams. „Durch die Integration von Desktop- und Mobile-Entwicklern in einem Team bekommen wir sehr viel mehr Geschwindigkeit auf die Straße“, so Vollmoeller.

Inzwischen komme bei Xing fast jede zweite Anfrage von mobilen Geräten. Zwar ist der Anteil der Nutzer, die vom PC aus zugreifen, leicht rückläufig. Aber Xing werde weiterhin stark vom Computer im Büro aus genutzt werden, sagte CEO Vollmoeller, wodurch sich eine „mobile first“-Entwicklung nicht als sinnvoll erweise: „Wir sind eben nicht Facebook.“

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