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04.08.2016

15:00 Uhr

Xing-Chef Vollmoeller

„Wir können 25 Millionen Mitglieder erreichen“

VonChristof Kerkmann

Das Karriere-Netzwerk Xing legt weiter kräftig zu. Im ersten Halbjahr meldeten sich fast 900.000 neue Mitglieder an. Dass Microsoft nun LinkedIn übernehmen will, macht Vorstandschef Thomas Vollmoeller nichts aus.

Das Karrierenetzwerk gewinnt weiter Nutzer hinzu – im deutschsprachigen Raum sind es inzwischen 10,5 Millionen. dpa

Vernetzen mit Xing

Das Karrierenetzwerk gewinnt weiter Nutzer hinzu – im deutschsprachigen Raum sind es inzwischen 10,5 Millionen.

HamburgDer Arbeitsmarkt in Deutschland brummt – und wenn in den nächsten Jahren die Babyboomer-Generation in Rente geht, wird der Wettbewerb um die Fachkräfte noch härter. Davon profitiert das Karrierenetzwerk Xing: Die Burda-Tochter steigerte den Umsatz im ersten Halbjahr um 21 Prozent auf 70,5 Millionen Euro, den Gewinn um 34 Prozent auf knapp zwölf Millionen Euro. Dabei spielte das E-Recruiting, also die Personalsuche im Netz, mit einem Plus von 30 Prozent eine wichtige Rolle. Es sei „eine der großen Wachstumssäulen der Firma“, sagte Xing-Chef Thomas Vollmoeller dem Handelsblatt.

Xing ist eine Kontaktbörse für Geschäftsleute. Während die Mitgliedschaft an sich kostenlos ist, verlangt das Unternehmen für bestimmte Premiumfunktionen eine monatliche Gebühr von mindestens sieben Euro. Mit einem Umsatz von 37,3 Millionen Euro im ersten Halbjahr ist das immer noch das größte Segment von Xing.

Bewerbungsstrategien für den Traumjob

Angebotsstrategie

Analysieren Sie, was Ihrem Traumarbeitgeber fehlt. „Das kann alles Mögliche sein, vom Youtube-Werbevideo über neue Vertriebsmethoden bis hinzu Beziehungen in einen interessanten Auslandsmarkt“, schreibt Karriereexpertin Svenja Hofert in Ihrem Buch „Die Guerilla Bewerbung“, das im Campus Verlag erschienen ist. Die Kunst ist, das Defizit vor dem Arbeitgeber zu erkennen und ihn davon zu überzeugen, dass er es mit Ihrer Hilfe beheben kann.

Die Kettenbrief-Strategie

Schlagen Sie Ihr Adressbuch auf und suchen Sie zehn Kontakte heraus, die Ihnen bei der Suche nach Ihrem neuen Job behilflich sein könnten. Wichtig sind nicht nur Menschen, die direkt einen Arbeitsplatz für Sie haben könnten, sondern auch Personen, die viele interessante Kontakte haben. Schreiben Sie ein prägnantes Kurzprofil, schicken Sie es an Ihre Kontakte mit der Bitte es wiederum an zehn Kontakte weiterzuleiten.

Die Terminstrategie

Persönlich miteinander in Kontakt kommen, das ist die Idee hinter dieser Strategie. Suchen Sie sich Ihren Wunscharbeitgeber und überlegen Sie, wer vor Ort der beste Ansprechpartner sein könnte. Rufen Sie einfach an, erklären Sie Ihr großes Interesse an dem Unternehmen und bitten Sie um einen kurzen Termin zum Kaffeetrinken. So ist der erste Kontakt hergestellt.

Die Anti-Aging-Strategie

Suchen Sie sich eine Aufgabe, die Ihrem Alter entspricht. Das hört sich erstmal hart an, ist aber ganz plausibel. Bewerben Sie sich nicht auf Inserate, die mindestens zwei bis drei Jahre Berufserfahrung voraussetzen, denn hier liegen nicht Ihre Stärken. Für viele ältere Führungskräfte, die es am Ende der beruflichen Laufbahn nochmal wissen wollen, ist die Position des Interimsmanager eine geeignete Aufgabe. Die Arbeitsagentur oder private Vermittler helfen gerne weiter.

Die Projektstrategie

Oftmals ist Projektarbeit der Einstieg in die Festanstellung. Deshalb überlegen Sie sich genau, erstens welches Projekt Sie realisieren könnten und zweitens für welche Institutionen oder Firmen es interessant sein könnte. Treten Sie an die potentiellen Interessenten heran und überzeugen Sie sie von Ihrer Idee. Die Bereitschaft in ein Projekt einzuwilligen ist höher, als eine neue Stelle zu schaffen. So können beide Seiten herausfinden, ob es passt.

Die Baumeister-Strategie

Schaffen Sie sich Ihren Traumjob einfach selbst. Entdecken Sie den Bedarf an einer bestimmten Dienstleistung oder einem Produkt und schlagen Sie einem Träger vor, sich darum zu kümmern. Das funktioniert besonders gut im öffentlichen Bereich. Sind Sie von der Idee restlos überzeugt, können Sie es sogar wagen, einen eigenen Verein oder eine Stiftung zu gründen.

Die Power-Mail-Strategie

Schreiben Sie eine E-Mail, die der Leser nicht ignorieren kann. Finden Sie heraus, an welchen Stellen Ihr Lieblingsunternehmen Nachholbedarf hat und präsentieren Sie sich als Lösung. Das funktioniert natürlich nur, wenn Sie in der Branche schon Erfahrungen und Kontakte haben. Für diese Variante muss „Ihr Können und Ihr Hintergrund“ sehr interessant sein.

Die Expertenstrategie

Sie kennen sich mit einer speziellen Aufgabe oder einem Themengebiet gut aus und haben mindestens fünf Jahre Berufserfahrung in diesem Bereich? Dann könnte die Expertenstrategie die richtige sein. Wichtig ist, ihr Spezialgebiet so umfassend zu definieren, dass sie auf viele Angebote passen, aber gleichzeitig so viel Expertise zu besitzen, dass nicht viele mit Ihnen konkurrieren können. Die Autorin nennt sich zum Beispiel Expertin für neue Karrieren und nicht Spezialistin für MBA-Programme.

Ein wichtiges Signal an die Investoren: Das Netzwerk wächst. Fast 900.000 Nutzer sind seit Jahresanfang dazugestoßen. Im deutschsprachigen Raum sind nun 10,5 Millionen Menschen angemeldet, von denen mehr als 900.000 für die Premiummitgliedschaft zahlen.

Vollmoeller sieht weiter Potenzial: „Bei beruflich genutzten Netzwerken liegt die Penetration beispielsweise in den USA etwa bei 20 bis 25 Prozent“ – das gilt beispielsweise für LinkedIn, das Microsoft übernehmen will. „Das können wir im deutschsprachigen Markt auch schaffen und eine Größenordnung von 20 bis 25 Millionen Mitgliedern erreichen.“ Das TecDax-Unternehmen konzentriert sich auf Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Alles rund um Xing

Kontaktbörse für Geschäftsleute

Gründer Lars Hinrichs ging es darum, einen Treffpunkt für Geschäftsleute zu schaffen – jenseits von Golfplätzen und Konferenzen. Anfangs hieß das Netzwerk noch Open Business Club oder kurz OpenBC.

Aus OpenBC wird Xing

Ende 2006, das Netzwerk hatte bereits 1,5 Millionen Mitglieder, benannte sich OpenBC in Xing um. Das sollte internationalen Nutzern die Aussprache erleichtern.

Gelistet im TecDax

Im Dezember 2006 ging Xing an die Börse, knapp fünf Jahre später gelang dem Unternehmen ein Karrieresprung: Im September 2015 stieg es in den TecDax auf, also den Index der 30 größten Technologiewerte.

Burda übernimmt die Regie

Der Medienkonzern Burda („Focus“) übernahm 2012 die Mehrheit der Xing-Aktien. Das soziale Netzwerk agiert aber weiter selbständig.

Konkurrent Linkedin holt auf

In den deutschsprachigen Ländern ist Xing eindeutig das wichtigste berufliche Online-Netzwerk. Konkurrent Linkedin setzt einiges daran, den Abstand zu verringern. Die Nutzerzahlen des US-Unternehmens sind deutlich gestiegen, allerdings ist Xing weiterhin mit Abstand die Nummer 1.

Geschäft mit Gebühren

2016 lag der Jahresumsatz bei 148,5 Millionen Euro. Der Großteil der Xing-Einnahmen stammt aus dem Geschäft mit dem E-Recruiting.

In den letzten Jahren hat Xing das Firmenkundengeschäft stark ausgebaut, gerade das E-Recruiting. So kündigte das Unternehmen im April die Übernahme von Eqipia an, einer Spezialsuchmaschine für die Personalanwerbung. Der Umsatz der Sparte legte seit Januar um 29 Prozent auf 25,3 Millionen Euro zu. Das Segment „Advertising & Events“, das Werbung und Veranstaltungen bündelt, wuchs um 11 Prozent auf 6,1 Millionen Euro.

Weitere Übernahmen sind angesichts einer Kreditlinie von 20 Millionen Euro möglich. Xing werde weiter ins E-Recruiting investieren, sagte Vollmoeller. „Das kann heißen, dass wir selbst Produkte entwickeln oder uns für eine entsprechende Akquisition entscheiden.“ Bei Übernahmen sei immer die Maßgabe, ein Produkt schnell auf den Markt zu bringen. „Wichtig ist uns eine gute Idee, die wir selbst noch größer machen können.“ In der Vergangenheit habe der Rahmen zwischen fünf und zehn Millionen Euro gelegen.

Dass Konkurrent LinkedIn mit Microsoft einen finanzstarken neuen Eigentümer bekommen soll, macht Vollmoeller keine Bange. Im Gegenteil: „Für Microsoft ist das ein guter Deal. Für uns ist das aber auch eine gute Nachricht, weil sich ein Hauptwettbewerber in eine andere Richtung bewegt als wir.“ Es deute alles darauf hin, „dass der Fokus auf einem verbesserten Vertriebsprodukt von Microsoft liegt“.

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