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14.04.2016

13:45 Uhr

Xing kauft Eqipia

Die Headhunter im eigenen Büro

VonChristof Kerkmann

Wer könnte auf die Stelle passen? Unternehmen suchen oft verzweifelt Personal – dabei kennen vielleicht die eigenen Mitarbeiter geeignete Kandidaten. Mit einer Übernahme will das Netzwerk Xing daraus ein Geschäft machen.

Das berufliche Netzwerk Xing baut seine Sparte für E-Recruiting weiter aus. dpa

Die neue Kollegin?

Das berufliche Netzwerk Xing baut seine Sparte für E-Recruiting weiter aus.

Die besten Headhunter finden Firmen häufig in den eigenen Büros: ihre Mitarbeiter. Die wissen, wer von ihren ehemaligen Kollegen einen neuen Job sucht oder welcher Bekannte auf eine offene Stelle passt. Und zwar ohne lange Suche und Kaltakquise.

Das berufliche Online-Netzwerk Xing will Firmen künftig erleichtern, das Wissen der Mitarbeiter anzuzapfen: Es übernimmt das Schweizer Start-up Buddy Broker, das eine Suchtechnologie entwickelt hat. Der Kaufpreis beträgt 3,2 Millionen Franken (2,9 Millionen Euro), kann bei der Erreichung bestimmter Ziele aber um bis zu 4,8 Millionen Franken (4,4 Millionen Euro) steigen. Damit stärkt Xing, das mehrheitlich zum Medienkonzern Burda gehört, seine wichtige Sparte für die Personalsuche im Internet.

Bewerbungsstrategien für den Traumjob

Angebotsstrategie

Analysieren Sie, was Ihrem Traumarbeitgeber fehlt. „Das kann alles Mögliche sein, vom Youtube-Werbevideo über neue Vertriebsmethoden bis hinzu Beziehungen in einen interessanten Auslandsmarkt“, schreibt Karriereexpertin Svenja Hofert in Ihrem Buch „Die Guerilla Bewerbung“, das im Campus Verlag erschienen ist. Die Kunst ist, das Defizit vor dem Arbeitgeber zu erkennen und ihn davon zu überzeugen, dass er es mit Ihrer Hilfe beheben kann.

Die Kettenbrief-Strategie

Schlagen Sie Ihr Adressbuch auf und suchen Sie zehn Kontakte heraus, die Ihnen bei der Suche nach Ihrem neuen Job behilflich sein könnten. Wichtig sind nicht nur Menschen, die direkt einen Arbeitsplatz für Sie haben könnten, sondern auch Personen, die viele interessante Kontakte haben. Schreiben Sie ein prägnantes Kurzprofil, schicken Sie es an Ihre Kontakte mit der Bitte es wiederum an zehn Kontakte weiterzuleiten.

Die Terminstrategie

Persönlich miteinander in Kontakt kommen, das ist die Idee hinter dieser Strategie. Suchen Sie sich Ihren Wunscharbeitgeber und überlegen Sie, wer vor Ort der beste Ansprechpartner sein könnte. Rufen Sie einfach an, erklären Sie Ihr großes Interesse an dem Unternehmen und bitten Sie um einen kurzen Termin zum Kaffeetrinken. So ist der erste Kontakt hergestellt.

Die Anti-Aging-Strategie

Suchen Sie sich eine Aufgabe, die Ihrem Alter entspricht. Das hört sich erstmal hart an, ist aber ganz plausibel. Bewerben Sie sich nicht auf Inserate, die mindestens zwei bis drei Jahre Berufserfahrung voraussetzen, denn hier liegen nicht Ihre Stärken. Für viele ältere Führungskräfte, die es am Ende der beruflichen Laufbahn nochmal wissen wollen, ist die Position des Interimsmanager eine geeignete Aufgabe. Die Arbeitsagentur oder private Vermittler helfen gerne weiter.

Die Projektstrategie

Oftmals ist Projektarbeit der Einstieg in die Festanstellung. Deshalb überlegen Sie sich genau, erstens welches Projekt Sie realisieren könnten und zweitens für welche Institutionen oder Firmen es interessant sein könnte. Treten Sie an die potentiellen Interessenten heran und überzeugen Sie sie von Ihrer Idee. Die Bereitschaft in ein Projekt einzuwilligen ist höher, als eine neue Stelle zu schaffen. So können beide Seiten herausfinden, ob es passt.

Die Baumeister-Strategie

Schaffen Sie sich Ihren Traumjob einfach selbst. Entdecken Sie den Bedarf an einer bestimmten Dienstleistung oder einem Produkt und schlagen Sie einem Träger vor, sich darum zu kümmern. Das funktioniert besonders gut im öffentlichen Bereich. Sind Sie von der Idee restlos überzeugt, können Sie es sogar wagen, einen eigenen Verein oder eine Stiftung zu gründen.

Die Power-Mail-Strategie

Schreiben Sie eine E-Mail, die der Leser nicht ignorieren kann. Finden Sie heraus, an welchen Stellen Ihr Lieblingsunternehmen Nachholbedarf hat und präsentieren Sie sich als Lösung. Das funktioniert natürlich nur, wenn Sie in der Branche schon Erfahrungen und Kontakte haben. Für diese Variante muss „Ihr Können und Ihr Hintergrund“ sehr interessant sein.

Die Expertenstrategie

Sie kennen sich mit einer speziellen Aufgabe oder einem Themengebiet gut aus und haben mindestens fünf Jahre Berufserfahrung in diesem Bereich? Dann könnte die Expertenstrategie die richtige sein. Wichtig ist, ihr Spezialgebiet so umfassend zu definieren, dass sie auf viele Angebote passen, aber gleichzeitig so viel Expertise zu besitzen, dass nicht viele mit Ihnen konkurrieren können. Die Autorin nennt sich zum Beispiel Expertin für neue Karrieren und nicht Spezialistin für MBA-Programme.

Buddy Broker hat das automatisierte Empfehlungsprogramm Eqipia entwickelt. Mit diesem können Unternehmen recherchieren, ob ihre eigenen Mitarbeiter bei Xing Kontakte haben, die auf offene Stellen passen. Ist das der Fall, schlägt die Software vor, den Bekannten, Kollegen oder Freund auf die Ausschreibung hinzuweisen. Mit ein paar Klicks geht eine Nachricht raus.

„Empfehlungen sind wahrscheinlich der effektivste und günstigste Kanal, um Mitarbeiter zu finden“, sagte Xing-Chef Thomas Vollmoeller. In vielen Firmen sei es bereits üblich, bei der Personalsuche auf Empfehlungen zu setzen und teils Prämien auszuloben. „Mit Eqipia nutzt man das Netzwerk seiner Mitarbeiter und bekommt dadurch wesentlich bessere Kontakte.“ Firmen zahlen dafür eine monatliche Gebühr. Bei 100 Mitarbeitern werden beispielsweise 4800 Euro pro Jahr fällig. Bis zum Herbst will Xing das Programm in die eigene Plattform integrieren.

Alles rund um Xing

Kontaktbörse für Geschäftsleute

Gründer Lars Hinrichs ging es darum, einen Treffpunkt für Geschäftsleute zu schaffen – jenseits von Golfplätzen und Konferenzen. Anfangs hieß das Netzwerk noch Open Business Club oder kurz OpenBC.

Aus OpenBC wird Xing

Ende 2006, das Netzwerk hatte bereits 1,5 Millionen Mitglieder, benannte sich OpenBC in Xing um. Das sollte internationalen Nutzern die Aussprache erleichtern.

Gelistet im TecDax

Im Dezember 2006 ging Xing an die Börse, knapp fünf Jahre später gelang dem Unternehmen ein Karrieresprung: Im September 2015 stieg es in den TecDax auf, also den Index der 30 größten Technologiewerte.

Burda übernimmt die Regie

Der Medienkonzern Burda („Focus“) übernahm 2012 die Mehrheit der Xing-Aktien. Das soziale Netzwerk agiert aber weiter selbständig.

Konkurrent Linkedin holt auf

In den deutschsprachigen Ländern ist Xing eindeutig das wichtigste berufliche Online-Netzwerk. Konkurrent Linkedin setzt einiges daran, den Abstand zu verringern. Die Nutzerzahlen des US-Unternehmens sind deutlich gestiegen, allerdings ist Xing weiterhin mit Abstand die Nummer 1.

Geschäft mit Gebühren

2016 lag der Jahresumsatz bei 148,5 Millionen Euro. Der Großteil der Xing-Einnahmen stammt aus dem Geschäft mit dem E-Recruiting.

Mit der Übernahme stärkt Xing eine wichtige Sparte. Die wichtigste Erlösquelle sind zwar nach wie vor die kostenpflichtigen Mitgliedschaften, die im vergangenen Geschäftsjahr 73 Millionen Euro Umsatz einbrachten. Das E-Recruiting war jedoch wichtigster Wachstumstreiber und legte um 26 Prozent auf rund 41 Millionen Euro zu. Welchen Umsatz Eqipia einbringen soll, schlüsselt Xing nicht auf.

Mit dem Kauf geht das Internetunternehmen allerdings eine Wette ein. „Der Markt für Mitarbeiterempfehlungen ist noch im Entstehen“, sagt Vollmoeller. „Wir sind das erste berufliche Netzwerk, das ein eigenes Empfehlungsprogramm herausbringt.“ Das spiegelt sich auch im Kaufpreis wieder, der eine beträchtliche Erfolgskomponente beinhaltet. „Die Bezahlung an Gründer hängt natürlich ein Stück weit davon ab, ob wir das Produkt in den nächsten zwei Jahren erfolgreich vermarkten können“, sagt Vollmoeller.

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