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17.07.2013

06:48 Uhr

Yahoo-Chefin ein Jahr im Amt

Mensch, Mayer!

VonChristof Kerkmann

Die Stimmung ist gut, aber die Zahlen lassen zu wünschen übrig: Ein Jahr nachdem Marissa Mayer den Chefposten bei Yahoo übernommen hat, lahmt der Internet-Pionier immer noch. Zukäufe sollen für neuen Schwung sorgen.

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Schlechte Zahlen für Marissa Mayer

Video: Schlechte Zahlen für Marissa Mayer

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DüsseldorfKostenlose Smartphones, kostenloses Mittagessen, kostenlose Fitness-Armbänder: Marissa Mayer tut etwas für ihre Mitarbeiter. Seit die frühere Google-Vorzeigefrau vor einem Jahr den Chefposten beim Internetkonzern Yahoo übernahm, soll die Stimmung im Unternehmen deutlich besser sein – nicht nur, aber auch wegen der neuen Annehmlichkeiten. Die Anleger sind ebenfalls begeistert, der Aktienkurs hat seitdem um mehr als 70 Prozent zugelegt. Doch die Zahlen wollen nicht so recht zur guten Laune in den Büros und an der Börse passen.

Denn Yahoo verliert im wichtigen Werbegeschäft gegenüber den Konkurrenten Google und Facebook weiter an Boden. Der Konzern kappte am Dienstag seine Umsatzprognose für 2013, nachdem die Erlöse im zweiten Quartal leicht zurückgingen. Vor allem Einbußen bei den Display-Anzeigen und niedrigere Werbepreise machten Yahoo zu schaffen. Mayer und Finanzvorstand Ken Goldman betonten bei der Vorstellung der Zahlen allerdings, dass das Unternehmen an neuen Werbeformaten und Technologien arbeite, die den Trend umkehren würden.

Im laufenden Jahr rechnet Yahoo nun mit einem Umsatz von 4,45 bis 4,55 Milliarden Dollar. Bislang war das Unternehmen von 4,5 bis 4,6 Milliarden Dollar ausgegangen. Im zweiten Quartal ging der Nettoumsatz auf 1,071 Milliarden Dollar zurück nach 1,081 Milliarden Dollar vor einem Jahr. Das lag im Rahmen der Erwartungen von Analysten. Ein Jahr nach Mayers Amtsantritt ist weiter nur in Ansätzen sichtbar, wie die Managerin das stagnierende Unternehmen wieder auf Wachstumskurs bringen will.

Doch zumindest vermittelt die Managerin Aufbruchstimmung. Als sie ihr Amt antrat, waren die Yahoo-Mitarbeiter demoralisiert. Personalquerelen schwächten das Unternehmen, und während vier Chefs in ebenso vielen Jahren kamen und wieder gingen, nahmen die Konkurrenten Google und Facebook dem Unternehmen im Werbegeschäft immer mehr Marktanteile ab.

Yahoo - Einmal Star und zurück

Ein Katalog fürs Internet

Als immer mehr Menschen online gingen, sorgt Yahoo für Orientierung: Das Unternehmen, 1994 von den Stanford-Doktoranden Jerry Yang und David Filo gegründet, führte in seinen Anfangsjahren einen Katalog mit interessanten Webseiten. Die Einträge erstellten zunächst nicht Suchroboter, wie es heute üblich ist, sondern Menschen. Um die Suche baute Yahoo bald ein Portal mit weiteren Diensten auf.

Profiteur des Dotcom-Booms

Bereits 1996, zwei Jahre nach der Gründung, ging Yahoo an die Börse. In den folgenden Jahren gehörte die Firma zu den Lieblingen der Anleger, der Aktienkurs stieg auf dem Höhepunkt des Dotcom-Booms auf den Höchstkurs von 119 Dollar. Als die Blase platzte, brachen jedoch auch die Werbeeinahmen ein – und der Kurs stürzte auf gut 8 Dollar ab.

Zu zweit gegen Google

Allein kamen Yahoo und Microsoft nicht gegen den Suchmaschinen-Riesen Google an – also taten sie sich 2009 zusammen. Seitdem nutzt Yahoo etwa die Suchmaschinen-Technologie von Microsoft („Bing“). Die Werbeumsätze teilen sich die Unternehmen. Echte Konkurrenz machen die beiden dem Primus aber auch gemeinsam nicht. Zuvor hatte Microsoft versucht, Yahoo komplett zu übernehmen, allerdings vergeblich.

Profitables Engagement in China

2005 beteiligte sich Yahoo am chinesischen Web-Portal Alibaba. Von dieser Partnerschaft profitiert das US-Unternehmen bis heute: Mit dem Verkauf von Anteilen nahm es 2012 4,3 Milliarden Dollar ein. Sollte Alibaba wie erwartet an die Börse gehen, könnte Yahoo weitere Milliarden erlösen.

Konzern ohne Führung

2007 stieg Yahoo-Mitgründer Jerry Yang zum CEO auf. Doch er hatte kein glückliches Händchen und übergab die Geschäfte bereits ein Jahr später an Carol Bartz. Die Saniererin eckte jedoch mit ihrer burschikosen Art so an, dass der Verwaltungsrat sie feuerte. Es folgten drei Kurzzeit- oder Interims-Chefs bis 2012 die langjährigere Google-Managerin Marissa Mayer die Geschäfte übernahm.

Marissa Mayer übernimmt

Es war ein Coup: Im Juli 2012 vermeldete Yahoo, dass die prominente Google-Managerin Marissa Mayer neue Chefin wird. Die wirbelte das Unternehmen in den ersten Monaten kräftig durcheinander, übernahm diverse Startups und sorgte auch sonst für Schlagzeilen. Die Schwäche im Kerngeschäft mit Anzeigen – vor allem Bannern – konnte sie aber nicht abstellen.

Mail, Suche, Nachrichten

Yahoo hat monatlich mehr als 700 Millionen Nutzer. Zu den beliebtesten Angeboten des Konzerns gehören Nachrichten, Suchmaschine und der E-Mail-Dienst. Eine treue Fangemeinde hat auch der Fotodienst Flickr. Zudem übernahm Yahoo 2013 für 1,1 Milliarden Dollar die Blogging-Plattform Tumblr, deren Community rasant wächst.

Altavista, Delicious, Alltheweb

Viele Dienste stellte Yahoo über die Jahre wieder ein, etwa die Suchmaschinen Altavista und Alltheweb. Den Social-Bookmarking-Dienst Delicious verkaufte das Unternehmen 2011 wieder.

Die Personalie war daher ein spektakulärer Coup: Yahoo konnte dem großen Rivalen Google eine seiner besten Kräfte abwerben. Die heute 38-Jährige war eine prägende Figur beim Suchmaschinen-Riesen und gestaltete wichtige Produkte wie die Suche entscheidend mit, durfte aber nicht in der obersten Führungsetage ran. Bei Yahoo bekam sie die Chance, selbst CEO zu werden.

Mayer machte von Beginn an Schlagzeilen. Sie holte die Yahoo-Heimarbeiter zurück in die Büros, um die Zusammenarbeit zu verbessern – und trat eine Diskussion über die Arbeitswelt von heute los. Sie brachte kurz nach ihrem Amtsantritt ihr erstes Kind zu Welt – und fachte eine Debatte über die Vereinbarkeit von Familie und Top-Management an. Und sie versteigerte bei einer Wohltätigkeitsauktion ein Mittagessen mit sich für 90.000 Dollar – und zeigte damit, dass sie Glamour und Gemeinnützigkeit miteinander verbinden kann.

Doch die Managerin ist mehr als eine Stimmungskanone, sie will das Unternehmen umkrempeln. Yahoo ist zwar nach wie vor eine beliebte Adresse im Web, mehr als 700 Millionen Nutzer besuchen die verschiedenen Seiten jeden Monat. Die Trends zu hochgerüsteten Suchmaschinen wie auch zu sozialen Netzwerken hat der einstige Pionier allerdings verpasst. Mayer will dafür sorgen, dass Yahoo trotz mächtiger Konkurrenten wie Google und Facebook relevant bleibt.

Kommentare (5)

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kraehendienst

17.07.2013, 09:14 Uhr

Schönheit, Attraktivität kann Modeseiten aber keine Wachstumsträume bei Wirtschaftsunternehmen erfüllen.

Account gelöscht!

17.07.2013, 09:39 Uhr

Was mich zuerst gewundert hat, ist, das alle grossen IT Konzerne in den USA von einer Ethnie geführt werden, die Immun gegen alles und jeden sind. Und um an zufällige Ereignisse zu glauben, bin ich mittlerweile zu aufgeklärt. Deren Weltneuordnung soll ja in 10 Jahren abgeschlossen und dann irreversibel sein. Sorry, ich weiss von nichts.

scharfschuetze

17.07.2013, 09:59 Uhr

Und wieder einmal eine amerikanische WUNDER-Managerin entzaubert.
Erinnert sich noch wer an CARLY Fiorina (oder so), die einst in Böblingen Bäume fällen liess, wegen eines einmaligen Hubschrauberfluges von Stuttgart nach Böblingen
(ca. 5 Minuten mit dem Heli) und danach HP fast an die Wand gefahren hat?
Es leben die Quotenfrauen! Die brauchen wir!

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