Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.02.2016

07:57 Uhr

Yahoo-Chefin Marissa Mayer

Die Todesspirale scheint unaufhaltsam

VonAxel Postinett

Es wird einsam um den einstigen Internet-Pionier Yahoo und die glücklose Chefin Marissa Mayer. Entlassungen, sinkende Gewinne und Umsätze, die Todesspirale scheint unaufhaltsam. Sind Mayers Tage gezählt?

Anlagestratege zu Yahoo

„Es fehlen die Visionen“

Anlagestratege zu Yahoo: „Es fehlen die Visionen“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

San FranciscoEigentlich ist es schon fast ein Witz. Mit aller Gewalt versuchte Yahoo-Chefin Marissa Mayer seit Anfang 2015 den damals mit rund 40 Milliarden Dollar bewerteten Anteil am Online-Handels-Riesen Alibaba zu verkaufen. Gleichzeitig wollte sie dabei den Fängen der amerikanischen Steuerbehörde entgehen.

Damals lag der Kurs der chinesischen Alibaba-Aktie noch über 100 Dollar. Also wurden für sehr viel Geld Steuerexperten und Banker angeheuert, die einen verwegenen Plan zusammenbastelten, um die Anteile steuerfrei auf die Aktionäre zu übertragen. Doch das Finanzministerium zerriss ihn in der Luft.

Die Vita von Marissa Mayer

Geburt

Marissa Ann Mayer wurde am 30. Mai 1975 in Washington geboren.

Studium

Mayer studierte Informatik an der Stanford University. Nach dem Studium begann sie ihre Karriere beim Research Lab der Großbank UBS in der Schweiz.

Ihre Zeit bei Google

Anfang 1999 fing Mayer bei Google an. Dort wurde sie als Technikerin eingestellt und leitete das für die Webserver verantwortliche Team. Später war Mayer für die Erstellung neuer Google-Produkte zuständig. 2008 wurde sie vom Wirtschaftsmagazin Fortune als jüngste zu den 50 mächtigsten Frauen der Welt gezählt.

Ehrendoktorwürde

2009 erhielt Mayer vom Institute of Technology aus Illinois die Ehrendoktorwürde im Fachbereich Programmierung.

Der Wechsel zu Yahoo

Am 16. Juli 2012 wechselte Mayer von Google zum Konkurrenten Yahoo. Dort wurde sie zur Vorsitzenden der Geschäftsführung ernannt.

Sanierungsprogramm

Beim kriselnden Internetriesen Yahoo startete Mayer sofort ein Sanierungsprogramm. Als erstes wurde im Februar 2013 das Home-Office abgeschafft. „Bei Yahoo zu sein, das ist nicht nur ein Job, den man von Tag zu Tag erledigt. Es geht um eine Zusammenarbeit,
die nur in unseren Büros möglich ist,“ erklärte sie damals.

Einkünfte

Der Job bei Yahoo zahlt sich für Mayer aus. Ihr Gehalt im ersten halben Jahr bei Yahoo betrug fast 37 Millionen US-Dollar. Ihr Privatvermögen wird auf 300 Millionen Dollar geschätzt.

Privatleben

Mayer, die nach einer mehrjährigen Beziehung mit Google-Gründer Larry Page den Investmentbanker Zachary Bogue heiratete, brachte Anfang Oktober 2012 ihr erstes Kind, einen Jungen, zur Welt.

Hätte Mayer damals einfach die Anteile verkauft und die 35 Prozent Steuern bezahlt, hätte sie rund 65 Dollar pro Aktie einbehalten. So viel kostete ein Alibaba-Anteil am Dienstag an der New Yorker Börse. Und das ist jetzt der Vorsteuerwert. Ein einziger Flopp und symptomatisch für die Amtszeit von Mayer.

Ein Desaster für Mayer

Es grenzte schon an Hilflosigkeit, als Yahoo-Verwaltungsratschef Maynard Webb am Dienstag betonte: „Die Abtrennung unseres Anteils an Alibaba hat weiterhin Priorität und ist unser direktester Weg zur Wertmaximierung.“ Wenn die Alibaba-Aktie nicht wieder dramatisch steigt, wird er nie mehr als das bekommen, was er vor einem Jahr ohne jede Trickserei hätte mitnehmen können. Aus jetziger Sicht sogar weniger.

Nun wird die Trickserei auf die Spitze getrieben. Neben dem Streben nach einem Turnaround suche man nach „strategischen Alternativen“ so Yahoos oberster Aufseher. Das heißt übersetzt, Yahoo steht zum Verkauf, ganz oder in Teilen. Das Ziel: Wenn alles verkauft ist, dann bleibt nur der Alibaba-Anteil übrig. Sozusagen die eigene Ausgliederung durch die Hintertür.

Es ist ein Desaster für Marissa Mayer. Sie hat einfach keinen guten Lauf. Bei ihrem Antritt vor knapp vier Jahren noch mit vielen Vorschusslorbeeren bedacht, reiht sich seitdem eine Pleite an die nächste. Das Börsenjahr 2015 sah einen Kursverlust von 34 Prozent. Im abgelaufenen Weihnachts-Quartal, ein Quartal mit gigantischen Wachstumsraten bei der Konkurrenz Google und Facebook, kletterte der Yahoo-Umsatz im Jahresvergleich um gerade einmal 1,6 Prozent auf gut 1,27 Milliarden Dollar (1,16 Milliarden Euro).

Es gab einen Nettoverlust von 4,43 Milliarden Dollar nach einem Minus von 166,3 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Auslöser waren gewaltige Abschreibungen von 4,5 Milliarden Dollar auf den Firmenwert. Auch bereinigt um Einmaleffekte sieht der verbleibende Gewinn mit 63 Millionen Dollar wenig erbaulich aus.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×