Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.11.2015

13:56 Uhr

Yahoo-Chefin

Marissa Mayer läuft die Zeit davon

Bei Yahoo schwindet das Vertrauen in Chefin Marissa Mayer. Nun will sie die profitable Alibaba-Beteiligung abspalten. Doch damit stößt sie auf Widerstand der Investoren. Die Stimmung im Konzern nähert sich dem Tiefpunkt.

Mit ihrem Vorhaben stößt die Yahoo-Chefin auf Widerstand aus den Reihen der Investoren. Reuters

Marissa Mayer

Mit ihrem Vorhaben stößt die Yahoo-Chefin auf Widerstand aus den Reihen der Investoren.

San FranciscoMarissa Mayer hatte große Pläne: Die Vorstandsvorsitzende des Internetkonzerns Yahoo kaufte Dutzende Startups, ließ die Apps des Unternehmens überarbeiten und stieg in das Geschäft mit Bewegtbildern ein. Allein die Blogging-Plattform Tumblr ließ sich Yahoo 1,1 Milliarden Dollar kosten. Doch all die Ausgaben und neuen Projekte haben sich in den dreieinhalb Jahren seit ihrem Amtsantritt nicht ausgezahlt. Der Aktienkurs sank in diesem Jahr schon um 35 Prozent und Investoren fordern immer lauter Mayers Ablösung.

„Das ist wie bei „Des Kaisers neue Kleider““, sagt Eric Jackson, Yahoo-Aktionär und Geschäftsführer des Hedgefonds Ader Investment Management. „Dem Unternehmen und den Aktionären wäre besser gedient, wenn sie gehen würde.“ Jackson drückt sich wahrscheinlich deutlicher aus als viele andere von Mayers Kritikern, aber mit seiner Meinung steht er nicht allein. So empfahl der Analyst Robert Peck von Sun Trust kürzlich in einem Brief an den Verwaltungsrat von Yahoo, Mayers Entlassung zu erwägen.

Die Vita von Marissa Mayer

Geburt

Marissa Ann Mayer wurde am 30. Mai 1975 in Washington geboren.

Studium

Mayer studierte Informatik an der Stanford University. Nach dem Studium begann sie ihre Karriere beim Research Lab der Großbank UBS in der Schweiz.

Ihre Zeit bei Google

Anfang 1999 fing Mayer bei Google an. Dort wurde sie als Technikerin eingestellt und leitete das für die Webserver verantwortliche Team. Später war Mayer für die Erstellung neuer Google-Produkte zuständig. 2008 wurde sie vom Wirtschaftsmagazin Fortune als jüngste zu den 50 mächtigsten Frauen der Welt gezählt.

Ehrendoktorwürde

2009 erhielt Mayer vom Institute of Technology aus Illinois die Ehrendoktorwürde im Fachbereich Programmierung.

Der Wechsel zu Yahoo

Am 16. Juli 2012 wechselte Mayer von Google zum Konkurrenten Yahoo. Dort wurde sie zur Vorsitzenden der Geschäftsführung ernannt.

Sanierungsprogramm

Beim kriselnden Internetriesen Yahoo startete Mayer sofort ein Sanierungsprogramm. Als erstes wurde im Februar 2013 das Home-Office abgeschafft. „Bei Yahoo zu sein, das ist nicht nur ein Job, den man von Tag zu Tag erledigt. Es geht um eine Zusammenarbeit,
die nur in unseren Büros möglich ist,“ erklärte sie damals.

Einkünfte

Der Job bei Yahoo zahlt sich für Mayer aus. Ihr Gehalt im ersten halben Jahr bei Yahoo betrug fast 37 Millionen US-Dollar. Ihr Privatvermögen wird auf 300 Millionen Dollar geschätzt.

Privatleben

Mayer, die nach einer mehrjährigen Beziehung mit Google-Gründer Larry Page den Investmentbanker Zachary Bogue heiratete, brachte Anfang Oktober 2012 ihr erstes Kind, einen Jungen, zur Welt.

Der Investor Jeffrey Smith vom Hedgefonds Starboard Value verlangt dagegen, dass Mayer eine geplante Abspaltung von Yahoos wertvollstem Aktivposten – eine 30 Milliarden Dollar schwere Beteiligung am chinesischen Onlinehändler Alibaba Group - aufgibt und stattdessen das Internetgeschäft verkauft. Für den Fall, dass Mayer ihren derzeitigen Kurs weiter verfolgt, droht Smith mit einer Rebellion der Aktionäre im kommenden Jahr.

Aber nicht nur bei den Investoren, auch unter den Mitarbeitern ist die Stimmung alles andere als gut. Ihre Zustimmungsraten auf der Website Glassdoor.com, wo Angestellte ihre Arbeitgeber bewerten können, liegen derzeit bei 73 Prozent. Kurz nach ihrem Einstieg bei Yahoo im Juli 2012 waren es noch 99 Prozent. In den vergangenen zwölf Monaten haben zudem mindestens zwölf Mitglieder des Management-Teams den Konzern verlassen, darunter Marketing-Chefin Kathy Savitt und die Leiterin des Bereichs Entwicklung und Akquisition, Jacqueline Reses.

Mayer hat wiederholt bekräftigt, Yahoo sei auf dem richtigen Weg, zuletzt im Oktober, als sie sich zu den enttäuschenden Quartalszahlen äußerte. Sie habe „aggressive Erwartungen“ an das Kerngeschäft von Yahoo, erklärte sie. „Wir haben das richtige Talent, die richtige Strategie und die richtigen Mittel, um für unsere Investoren langfristig nachhaltiges Wachstum zu erzielen.“

Alibaba-Beteiligung: Yahoo-Pläne für steuerfreie Auslagerung wanken

Alibaba-Beteiligung

Yahoo-Pläne für steuerfreie Auslagerung wanken

Seine verbliebenen Alibaba-Aktien will Yahoo in eine neuen Firma auslagern - und Anleger daran steuerfrei beteiligen. Doch dabei schießt nun die US-Steuerbehörde quer – und Yahoo-Anleger machen Druck.

Der Umsatz von Yahoo fiel allerdings um acht Prozent gegenüber dem Vorjahr, der größte Rückgang seit dem Antritt von Mayer. Und im Quartal von Oktober bis Dezember wird es wohl noch schlimmer, denn das Unternehmen erwartet einen Rückgang der Nettoumsätze um rund 20 Prozent. Mayer plant nun weitere Umstrukturierungen, die wahrscheinlich Hunderte Arbeitsplätze kosten werden. Yahoo müsse sich auf weniger Produkte von besserer Qualität konzentrieren, erklärte sie im Oktober. Details sollen im Januar folgen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×