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20.04.2016

08:00 Uhr

Yahoo-Chefin Marissa Mayer

Totengräberin eines Internet-Pioniers

VonBritta Weddeling

Inmitten des Bieterstreits um den Konzern hat Yahoo seine Quartalszahlen vorgelegt. Sie unterstreichen, wie schlecht es um den einstigen Internet-Pionier bestellt ist. Chefin Marissa Mayer gibt sich jedoch stoisch.

Internet-Dino vor Verkauf

23 Prozent Zuwachs: Yahoo-Aktie trotzt schlechtem Geschäft

Internet-Dino vor Verkauf: 23 Prozent Zuwachs: Yahoo-Aktie trotzt schlechtem Geschäft

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San FranciscoEigentlich müssten die Analysten Marissa Mayer inzwischen Haltungsnoten verleihen, sitzt doch bei dieser Diskussion die ganze Tech-Welt vor dem Bildschirm und wartet darauf, dass etwas zerbricht in ihrem Gesicht. Aber nein, die Yahoo-Chefin verzieht keine Miene, nur ein wenig rau klingt die Stimme, als sie am Dienstagabend die Quartalsergebnisse herunterrattert. Nur einmal hustet sie, das war’s.

Stoisch verkündet Mayer, in leuchtend blauer Strickjacke vor firmenfarbenem Hintergrund in Violett, was ohnehin alle schon wissen: Es steht schlecht um ihre Firma, die dereinst das lukrative Geschäft mit den Werbebannern erfand und nun vor der Zerschlagung steht. Mayer wird zur Totengräberin eines Internet-Pioniers.

Die Vita von Marissa Mayer

Geburt

Marissa Ann Mayer wurde am 30. Mai 1975 in Washington geboren.

Studium

Mayer studierte Informatik an der Stanford University. Nach dem Studium begann sie ihre Karriere beim Research Lab der Großbank UBS in der Schweiz.

Ihre Zeit bei Google

Anfang 1999 fing Mayer bei Google an. Dort wurde sie als Technikerin eingestellt und leitete das für die Webserver verantwortliche Team. Später war Mayer für die Erstellung neuer Google-Produkte zuständig. 2008 wurde sie vom Wirtschaftsmagazin Fortune als jüngste zu den 50 mächtigsten Frauen der Welt gezählt.

Ehrendoktorwürde

2009 erhielt Mayer vom Institute of Technology aus Illinois die Ehrendoktorwürde im Fachbereich Programmierung.

Der Wechsel zu Yahoo

Am 16. Juli 2012 wechselte Mayer von Google zum Konkurrenten Yahoo. Dort wurde sie zur Vorsitzenden der Geschäftsführung ernannt.

Sanierungsprogramm

Beim kriselnden Internetriesen Yahoo startete Mayer sofort ein Sanierungsprogramm. Als erstes wurde im Februar 2013 das Home-Office abgeschafft. „Bei Yahoo zu sein, das ist nicht nur ein Job, den man von Tag zu Tag erledigt. Es geht um eine Zusammenarbeit,
die nur in unseren Büros möglich ist,“ erklärte sie damals.

Einkünfte

Der Job bei Yahoo zahlt sich für Mayer aus. Ihr Gehalt im ersten halben Jahr bei Yahoo betrug fast 37 Millionen US-Dollar. Ihr Privatvermögen wird auf 300 Millionen Dollar geschätzt.

Privatleben

Mayer, die nach einer mehrjährigen Beziehung mit Google-Gründer Larry Page den Investmentbanker Zachary Bogue heiratete, brachte Anfang Oktober 2012 ihr erstes Kind, einen Jungen, zur Welt.

Die aktuellen Zahlen belegen den Eindruck mehr als deutlich. Nirgendwo verzeichnete Yahoo vergangenes Quartal signifikante Zuwächse, im Gegenteil. Die Umsätze fielen um elf Prozent auf nun 1,09 Milliarden Dollar. Besonders übel sieht es im so wichtigen Kerngeschäft aus. Die Umsätze mit Display-Werbung sanken vergangenes Quartal um 0,8 Prozent auf 463 Millionen Dollar, die der Suchanzeigen gar um 9,3 Prozent.

Dort, wo die Konkurrenz investiert und wächst, zum Beispiel mit Video-Formaten, tritt Yahoo auf der Stelle. Gegenüber Google oder Facebook verliert die Firma weiter an Boden. Laut einer Prognose des US-Instituts E-Marketer sinkt Yahoos Anteil an den Investitionen im weltweiten Geschäft mit Online-Werbung weiter, von 2,4 Prozent vergangenes Jahr auf nun gerade einmal 1,5 Prozent.

Wer macht das Rennen um Yahoo?

Da half es auch nichts, dass Mayer versuchte, den Niedergang schönzureden. Yahoo habe einen „guten Start in das Jahr” gehabt und einen „großartigen Fortschritt” bei der geplanten Umstrukturierung gemacht, erklärte sie. Gemeint waren hier jedoch vor allem Sparmaßnahmen.

Yahoo hatte die Zahl der Belegschaft vergangenes Jahr drastisch reduziert. Die Entlassungen bezeichnete Mayer als „notwendig”, sie sei „stolz” auf das Ergebnis. „Ich glaube an Yahoo und bin jeden Tag inspiriert.” Die Beteuerungen klangen indes wenig glaubhaft, steht Mayer doch kurz vor dem Abgang.

Yahoo: Endspiel für Marissa Mayer

Yahoo

Endspiel für Marissa Mayer

Yahoo steht vor der Zerschlagung. Vorstandschefin Marissa Mayer hat das Kerngeschäft mit Internetwerbung zum Verkauf gestellt, die Frist für die potenziellen Bieter läuft ab. Was kann die Yahoo-Chefin noch erreichen?

Für das schwächelnde Kerngeschäft des Internet-Pioniers gibt es offenbar mehrere Interessenten. Wie das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtet, hätten nach Ablauf der Bieterfrist am Montag unter anderem Verizon, das als Favorit gilt, und das britische Verlagshaus der „Daily Mail“ Gebote abgegeben. Auch die Unternehmensgruppe TPG sowie ein Zusammenschluss der Investoren Bain Capital, Vista Equity Partners und dem früheren Yahoo-Chef Ross Levinsohn sei unter den Bietern, hieß es.

Angaben zu den Bietern oder zu einem Zeitplan machte Mayer nicht. Die Yahoo-Chefin sprach nur allgemein davon, dass die Firma einen „substanziellen Fortschritt” auf dem Weg hin zu „potentiellen strategischen Alternativen” mache.

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