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18.04.2016

06:51 Uhr

Yahoo

Endspiel für Marissa Mayer

VonBritta Weddeling, Axel Postinett

Yahoo steht vor der Zerschlagung. Vorstandschefin Marissa Mayer hat das Kerngeschäft mit Internetwerbung zum Verkauf gestellt, die Frist für die potenziellen Bieter läuft ab. Was kann die Yahoo-Chefin noch erreichen?

Die Yahoo-Chefin Marissa Mayer gilt als unnahbar, ungeduldig, hart im Umgangston. AP

Marissa Mayer

Die Yahoo-Chefin Marissa Mayer gilt als unnahbar, ungeduldig, hart im Umgangston.

San FranciscoNichts symbolisiert die Situation bei Yahoo so deutlich wie die Architektur der letzten Betriebsfeier im alten Warenhaus in Dogpatch, San Francisco. Da thronte Marissa Mayer im abgesperrten VIP-Bereich und hielt Hof, im bodenlangen Abendkleid, auf einer blütenweißen Chaiselongue. Einzelne Mitarbeiter durften vortreten und ein Selfie schießen.

Die Yahoo-Chefin gilt als unnahbar, ungeduldig, hart im Umgangston. Statt andere zu promoten, so hieß es firmenintern, promotete Marissa vor allem Marissa. Ihr rigider Führungsstil gilt als einer wichtigsten Gründe dafür, warum sie daran gescheitert ist, den kriselnden Internetriesen wieder auf Kurs zu bringen.

Die Vita von Marissa Mayer

Geburt

Marissa Ann Mayer wurde am 30. Mai 1975 in Washington geboren.

Studium

Mayer studierte Informatik an der Stanford University. Nach dem Studium begann sie ihre Karriere beim Research Lab der Großbank UBS in der Schweiz.

Ihre Zeit bei Google

Anfang 1999 fing Mayer bei Google an. Dort wurde sie als Technikerin eingestellt und leitete das für die Webserver verantwortliche Team. Später war Mayer für die Erstellung neuer Google-Produkte zuständig. 2008 wurde sie vom Wirtschaftsmagazin Fortune als jüngste zu den 50 mächtigsten Frauen der Welt gezählt.

Ehrendoktorwürde

2009 erhielt Mayer vom Institute of Technology aus Illinois die Ehrendoktorwürde im Fachbereich Programmierung.

Der Wechsel zu Yahoo

Am 16. Juli 2012 wechselte Mayer von Google zum Konkurrenten Yahoo. Dort wurde sie zur Vorsitzenden der Geschäftsführung ernannt.

Sanierungsprogramm

Beim kriselnden Internetriesen Yahoo startete Mayer sofort ein Sanierungsprogramm. Als erstes wurde im Februar 2013 das Home-Office abgeschafft. „Bei Yahoo zu sein, das ist nicht nur ein Job, den man von Tag zu Tag erledigt. Es geht um eine Zusammenarbeit,
die nur in unseren Büros möglich ist,“ erklärte sie damals.

Einkünfte

Der Job bei Yahoo zahlt sich für Mayer aus. Ihr Gehalt im ersten halben Jahr bei Yahoo betrug fast 37 Millionen US-Dollar. Ihr Privatvermögen wird auf 300 Millionen Dollar geschätzt.

Privatleben

Mayer, die nach einer mehrjährigen Beziehung mit Google-Gründer Larry Page den Investmentbanker Zachary Bogue heiratete, brachte Anfang Oktober 2012 ihr erstes Kind, einen Jungen, zur Welt.

Jetzt steht Yahoo vor der Zerschlagung. Mayer hat das Kerngeschäft mit Internetwerbung zum Verkauf gestellt, die Frist für die potenziellen Bieter am Montag läuft ab. Wieder hat die 40-Jährige für sich selbst gut ausgesorgt. Verlässt sie die Firma nach einer Akquise, erhält sie eine Entschädigung in Höhe von um die 37 Millionen Dollar, sonst nur 12 Millionen Dollar.

Ein Sieg ist das „Endspiel um Yahoo“ für sie trotz der Millionen nicht, sondern eine Niederlage auf ganzer Linie, zeigt sich RBC-Analyst Mark Mahaney überzeugt. „Yahoo steht schlechter da als je zuvor. Die Reputation der Firma im Valley ist zerstört. Es ist schwer, überhaupt irgendeinen Geschäftsbereich zu finden, in dem Mayer erfolgreich war.”

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Im Schatten des Rampenlichts gibt es auch eine andere Welt: mit Ausbeutung, Machtspielen und Doppelmoral.

Wenn Yahoo durch die neue Chefin auch nur ein kleines bisschen besser da steht, hieß es stets in der Branche, als Mayer 2012 ihren Posten übernahm, dann hat sie schon gewonnen. Zu groß erschien die Aufgabe, den lahmen Internet-Pionier wieder auf Kurs zu bringen.

Doch die Managerin hat nichts an der Situation geändert. Aus der Heilsbringerin von damals wird nun die Nachlassverwalterin einer großen Idee. Mehrere Unternehmen haben bereits Interesse an einem oder mehreren Teilen von Yahoo gezeigt. Als Favorit gilt der Telekommunikationskonzern Verizon, der vergangenen Juni bereits den Ex-Internet-Riesen AOL für 4,4 Milliarden Dollar erworben hatte.

Als weitere Interessenten werden der britische Verlag der „Daily Mail“ gehandelt, der vor allem an Yahoos Sport-Sparte interessiert ist, weiterhin der Time-Verlag sowie die Investmentfirmen Blackstone und KKR. Bei Verizon könnte Manager Tim Armstrong, mit dem Mayer ehemals bei Google zusammengearbeitet hatte, Yahoos Internetgeschäft in das von AOL integrieren. Die Ex-Yahoo-Chefin müsste das Feld räumen.

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