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29.03.2016

09:50 Uhr

Yahoo

Internet-Pionier drängt beim Ausverkauf zur Eile

VonAxel Postinett

Yahoo sucht dringend Käufer für sein Kerngeschäft. Bis zum 11. April müssen Interessenten offenbar ihre Angebote abgeben. Die kurze Frist hat ihren Grund. Konzernchefin Mayer ist bei den Verhandlungen ausgebootet.

Die Yahoo-Chefin ist mit ihrer Strategie gescheitert. dpa

Marissa Mayer

Die Yahoo-Chefin ist mit ihrer Strategie gescheitert.

San FranciscoYahoo macht Druck. Bis zum 11. April sollen potenzielle Interessenten ihre Angebote für die Kernbereiche des IT-Konzerns abgeben. Das berichtet das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf informierte Kreise.

Die Eile hat einen Grund: So könnte noch vor dem Sommer ein Vertrag abgeschlossen werden. Denn dann wird höchstwahrscheinlich auf der Aktionärsversammlung in einer Kampfabstimmung der komplette Aufsichtsrat abgewählt und durch Vertreter von Hedgefonds ersetzt werden.

Vorstandschefin Marissa Mayer ist auf der ganzen Linie gescheitert. Das Webunternehmen hat sich selbst zum Verkauf gestellt und will später nur noch als Dachgesellschaft ihre milliardenschwere Beteiligung am chinesischen E-Commerce-Riesen Alibaba halten. Eigentlich sollte sie steuerbefreit verkauft werden, aber das US-Finanzministerium spielt nicht mit.

Die Vita von Marissa Mayer

Geburt

Marissa Ann Mayer wurde am 30. Mai 1975 in Washington geboren.

Studium

Mayer studierte Informatik an der Stanford University. Nach dem Studium begann sie ihre Karriere beim Research Lab der Großbank UBS in der Schweiz.

Ihre Zeit bei Google

Anfang 1999 fing Mayer bei Google an. Dort wurde sie als Technikerin eingestellt und leitete das für die Webserver verantwortliche Team. Später war Mayer für die Erstellung neuer Google-Produkte zuständig. 2008 wurde sie vom Wirtschaftsmagazin Fortune als jüngste zu den 50 mächtigsten Frauen der Welt gezählt.

Ehrendoktorwürde

2009 erhielt Mayer vom Institute of Technology aus Illinois die Ehrendoktorwürde im Fachbereich Programmierung.

Der Wechsel zu Yahoo

Am 16. Juli 2012 wechselte Mayer von Google zum Konkurrenten Yahoo. Dort wurde sie zur Vorsitzenden der Geschäftsführung ernannt.

Sanierungsprogramm

Beim kriselnden Internetriesen Yahoo startete Mayer sofort ein Sanierungsprogramm. Als erstes wurde im Februar 2013 das Home-Office abgeschafft. „Bei Yahoo zu sein, das ist nicht nur ein Job, den man von Tag zu Tag erledigt. Es geht um eine Zusammenarbeit,
die nur in unseren Büros möglich ist,“ erklärte sie damals.

Einkünfte

Der Job bei Yahoo zahlt sich für Mayer aus. Ihr Gehalt im ersten halben Jahr bei Yahoo betrug fast 37 Millionen US-Dollar. Ihr Privatvermögen wird auf 300 Millionen Dollar geschätzt.

Privatleben

Mayer, die nach einer mehrjährigen Beziehung mit Google-Gründer Larry Page den Investmentbanker Zachary Bogue heiratete, brachte Anfang Oktober 2012 ihr erstes Kind, einen Jungen, zur Welt.

Jetzt soll es andersherum funktionieren. Angeblich gibt es bis zu 40 Interessenten für Yahoo komplett oder in Teilen. In der ersten Runde soll die Zahl laut WSJ drastisch reduziert werden.

Der Telekom-Konzern Verizon hat früher bereits Interesse gezeigt. Wie die Webseite Recode berichtet, spricht Microsoft mit Investoren über ein Buyout. Der Softwareriese versuche so, seinen Einfluss auf das Suchmaschinengeschäft zu behalten. Angeblich spricht auch der Medienkonzern Time Inc. mit Yahoo.

Der Brief mit der Frist an die Investoren kommt vor dem Hintergrund der offenen Kriegserklärung durch den Aktionärs-Aktivisten Starboard. In einem offenen Brief hatte er Aufsichtsrat und Vorstandschefin Mayer Versagen und zögerliche Verhandlungen mit Kaufinteressenten vorgeworfen. Der Fonds hat eine eigene Kandidatenliste für das Board vorgestellt, angeführt von Starboard-Chef Jeffrey Smith persönlich. Starboard hält nach eigenen Angaben 1,7 Prozent an Yahoo im Wert von derzeit rund 580 Millionen Dollar.

Yahoo und Starboard: Investor will Management komplett vor die Tür setzen

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Schon lange schwelt der Streit zwischen Yahoo und dem Großaktionär Starboard. Nun ist der Konflikt eskaliert: Die New Yorker Finanzfirma will das gesamte obere Führungsgremium austauschen – auch Chefin Marissa Mayer.

Marissa Mayer ist laut WSJ bei den Verkaufsverhandlungen ausgeschlossen. Offenbar nicht nur, weil sie kein Interesse an einem Verkauf hat, der ihren Job kosten würde. Sie könnte, so die Gerüchte, mit Investoren einen eigenes Kaufangebot vorlegen.

Welchen Wert das Kerngeschäft überhaupt noch hat, ist umstritten. Manche Analysten setzen es bei null an, weil alleine Alibaba und Yahoo Japan bereits so viel Wert sind wie der Aktienkurs. Ein Verkauf in Teilen, so die Hoffnung, bringe jedoch mehr ein als im Ganzen. Alleine das E-Mail-Geschäft könnte für einen Konzern wie Verizon zum Beispiel Milliarden wert sein.

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