Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.11.2014

00:25 Uhr

Yahoo kauft Brightroll

Marissa Mayer schnappt sich Video-Werbedienst

Der Alibaba-Börsengang hat Yahoo die Kassen gefüllt – nun gibt Konzernchefin Marissa Mayer die Einnahmen wieder aus: Sie kauft den Video-Werbedienst Brightroll. Mit der Übernahme verfolgt sie ambitionierte Ziele.

Yahoo will mit dem Kauf von Brightroll Werbung auf allen Kanälen ausspielen – auch auf dem Smartphone. AFP

Yahoo will mit dem Kauf von Brightroll Werbung auf allen Kanälen ausspielen – auch auf dem Smartphone.

BangaloreYahoo investiert einen kleinen Teil seines Riesengewinns aus der Beteiligung am chinesischen Onlineriesen Alibaba: Der Internetkonzern schluckt für 640 Millionen Dollar (513 Mio Euro) in bar den Video-Werbedienst Brightroll. Das teilten die Unternehmen am Dienstag mit.

Die Übernahme soll im ersten Quartal 2015 abgeschlossen werden und Yahoo zur Nummer eins im umkämpften US-Markt für digitale Videowerbung machen. Brightroll hat etwa 400 Angestellte und wird laut Yahoo-Chefin Marissa Mayer über 100 Millionen Dollar Umsatz in diesem Jahr machen. Die Firma unterstützt Werbetreibende bei der Veröffentlichung von Werbung über verschiedene Kanäle, etwa im Fernsehen oder auf Webseiten.

Yahoo - Einmal Star und zurück

Ein Katalog fürs Internet

Als immer mehr Menschen online gingen, sorgt Yahoo für Orientierung: Das Unternehmen, 1994 von den Stanford-Doktoranden Jerry Yang und David Filo gegründet, führte in seinen Anfangsjahren einen Katalog mit interessanten Webseiten. Die Einträge erstellten zunächst nicht Suchroboter, wie es heute üblich ist, sondern Menschen. Um die Suche baute Yahoo bald ein Portal mit weiteren Diensten auf.

Profiteur des Dotcom-Booms

Bereits 1996, zwei Jahre nach der Gründung, ging Yahoo an die Börse. In den folgenden Jahren gehörte die Firma zu den Lieblingen der Anleger, der Aktienkurs stieg auf dem Höhepunkt des Dotcom-Booms auf den Höchstkurs von 119 Dollar. Als die Blase platzte, brachen jedoch auch die Werbeeinahmen ein – und der Kurs stürzte auf gut 8 Dollar ab.

Zu zweit gegen Google

Allein kamen Yahoo und Microsoft nicht gegen den Suchmaschinen-Riesen Google an – also taten sie sich 2009 zusammen. Seitdem nutzt Yahoo etwa die Suchmaschinen-Technologie von Microsoft („Bing“). Die Werbeumsätze teilen sich die Unternehmen. Echte Konkurrenz machen die beiden dem Primus aber auch gemeinsam nicht. Zuvor hatte Microsoft versucht, Yahoo komplett zu übernehmen, allerdings vergeblich.

Profitables Engagement in China

2005 beteiligte sich Yahoo am chinesischen Web-Portal Alibaba. Von dieser Partnerschaft profitiert das US-Unternehmen bis heute: Mit dem Verkauf von Anteilen nahm es 2012 4,3 Milliarden Dollar ein. Sollte Alibaba wie erwartet an die Börse gehen, könnte Yahoo weitere Milliarden erlösen.

Konzern ohne Führung

2007 stieg Yahoo-Mitgründer Jerry Yang zum CEO auf. Doch er hatte kein glückliches Händchen und übergab die Geschäfte bereits ein Jahr später an Carol Bartz. Die Saniererin eckte jedoch mit ihrer burschikosen Art so an, dass der Verwaltungsrat sie feuerte. Es folgten drei Kurzzeit- oder Interims-Chefs bis 2012 die langjährigere Google-Managerin Marissa Mayer die Geschäfte übernahm.

Marissa Mayer übernimmt

Es war ein Coup: Im Juli 2012 vermeldete Yahoo, dass die prominente Google-Managerin Marissa Mayer neue Chefin wird. Die wirbelte das Unternehmen in den ersten Monaten kräftig durcheinander, übernahm diverse Startups und sorgte auch sonst für Schlagzeilen. Die Schwäche im Kerngeschäft mit Anzeigen – vor allem Bannern – konnte sie aber nicht abstellen.

Mail, Suche, Nachrichten

Yahoo hat monatlich mehr als 700 Millionen Nutzer. Zu den beliebtesten Angeboten des Konzerns gehören Nachrichten, Suchmaschine und der E-Mail-Dienst. Eine treue Fangemeinde hat auch der Fotodienst Flickr. Zudem übernahm Yahoo 2013 für 1,1 Milliarden Dollar die Blogging-Plattform Tumblr, deren Community rasant wächst.

Altavista, Delicious, Alltheweb

Viele Dienste stellte Yahoo über die Jahre wieder ein, etwa die Suchmaschinen Altavista und Alltheweb. Den Social-Bookmarking-Dienst Delicious verkaufte das Unternehmen 2011 wieder.

Yahoo steht unter Investitionsdruck – der Konzern hat durch seine Alibaba-Beteiligung einen Nettogewinn von 6,3 Milliarden Dollar bei dessen Börsengang im September gemacht. Aktionäre fordern nun, dass das Geld sinnvoll eingesetzt wird. Zuletzt war auch immer wieder über einen Einstieg beim Foto-Dienst Snapchat spekuliert worden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×