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19.10.2016

04:10 Uhr

Yahoo und Marissa Mayer

Chefin ohne Courage

VonBritta Weddeling

Yahoo legt seine Ergebnisse vor, den traditionellen Investorencall hat der Internetkonzern aber abgesagt. Vorstandschefin Marissa Mayer drückt sich vor ihren Kritikern – und vor allem vor unangenehmen Fragen.

Kein Redebedarf: Yahoo-Chefin Marissa Mayer hat Yahoos traditionellen Investorencall abgesagt. dpa

Yahoo

Kein Redebedarf: Yahoo-Chefin Marissa Mayer hat Yahoos traditionellen Investorencall abgesagt.

San FranciscoEine unrühmliche Amtszeit erreicht ihr unrühmliches Finale. Kurz vor Ende von Yahoos Unabhängigkeit brachte das Establishment um Marissa Mayer keinen Mut auf, sich den Fragen der Öffentlichkeit zu stellen. Fragen nach dem größten Datenleck der Technologie-Geschichte beispielsweise, bei dem Accounts von 500 Millionen Yahoo-Nutzern ausgespäht wurden, inklusive verschlüsselter Passwörter.

Fragen nach der Spionagetätigkeit für den US-Nachrichtendienst NSA, für den der Internetpionier eigene Schnüffelsoftware angefertigt und Millionen Nutzer bespitzelt hatte. Fragen nach dem fragilen und möglicherweise neu zu verhandelnden Deal mit Telekommunikationskonzern Verizon. Fragen auch nach Mayers eigener Zukunft.

Doch in diesem so entscheidenden Moment für ihre Firma blieb die Yahoo-Chefin stumm. Das stets an die Quartalsergebnisse anschließende Gespräch mit Investoren hatte sie mit Verweis auf die Übernahmeverhandlungen abgesagt. Die 41-Jährige ließ nur schriftlich mitteilen, das Unternehmen fühle eine „große Verantwortung“, seine Nutzer zu schützen und auch die Sicherheit ihrer Informationen.

Wichtige Momente der Yahoo-Geschichte

1994

Die Studenten Jerry Yang und David Filo gründen „Jerry und Davids Wegweiser für das World Wide Web“, ein nach Themen geordnetes Verzeichnis von Webseiten. Wenig später ändern sie den Namen in Yahoo.

1996

Yahoo geht an die Börse.

2000

Yahoo ist zeitweise mehr als 120 Milliarden Dollar wert. Anders als der Konkurrent AOL, der Time Warner übernehmen will, nutzt der Internet-Pionier die Bewertung nicht für einen großen Deal. Mit dem Platzen der Internet-Börsenblase fällt die Aktie um rund 90 Prozent.

2002

Yahoo-Chef Terry Semel versucht, für drei Milliarden Dollar Google zu kaufen. Die Gründer Larry Page und Sergey Brin lehnen ab.

2004

Yahoo versucht, ein eigenes Suchmaschinengeschäft aufzubauen.

2006

Semel, ein früherer Chef des Filmstudios Warner Brothers, will Mark Zuckerberg für eine Milliarde Dollar Facebook abkaufen. Zuckerberg überlegt, entscheidet sich aber gegen einen Verkauf.

2008

Microsoft bietet rund 45 Milliarden Dollar für Yahoo, um sein Web-Geschäft im Konkurrenzkampf mit Google aufzurüsten. Mitgründer Yang, der Semel inzwischen an der Spitze abgelöst hatte, lehnt ab.

2009

Microsoft liefert in einem auf zehn Jahre ausgelegten Deal die Suchmaschinen-Technologie für Yahoo.

2012

Nachdem mehrere Top-Manager scheitern, holt sich Yahoo Google-Managerin Marissa Mayer an die Spitze. Sie will das Mediengeschäft ausbauen und wieder in die Websuche zurückkehren.

2013

Mayer kauft für rund eine Milliarden Dollar die Blogplattform Tumblr, um jüngere Nutzer anzulocken.

2015

Yahoo will den rund 30 Milliarden Dollar teuren Anteil von 15 Prozent am chinesischen Online-Riesen Alibaba steuerfrei für die Aktionäre abspalten. Die US-Steuerbehörde signalisiert jedoch, dass sie den geplanten Deal nicht durchgehen lassen wird.

2016

Yahoo stellt sein Web-Kerngeschäft zum Verkauf, die Beteiligungen an Alibaba und Yahoo Japan sollen in der alten Gesellschaft bleiben. Der US-Telekommunikationskonzern Verizon übernimmt im Juli das Kerngeschäft für 4,83 Milliarden Dollar (4,4 Milliarden Euro).

Die gescheiterte Geschäftsführerin muss den Schein wahren. Schließlich will sie Yahoos Kerngeschäft immer noch für 4,8 Milliarden Dollar verkaufen. Nach Bekanntwerden der jüngsten Skandale hatte Verizon bereits angedeutet, den Deal neu verhandeln und weniger zahlen zu wollen als zunächst veranschlagt. Dem hatte Mayer eine Absage erteilt.

Sie nutzte auch an diesem Tag die Gelegenheit, ihre Haltung zu unterstreichen. „Wir bereiten uns weiter auf eine Integration mit Verizon vor“, ließ Mayer erklären. „Wir bleiben zuversichtlich und vertrauen nicht nur in den Wert unseres Geschäfts, sondern auch in den Wert, den Yahoos Produkte in das Leben unserer Nutzer bringen.“

Kommentare (10)

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Herr Franz Paul

19.10.2016, 11:33 Uhr

Ooooh, schon wieder ein Absturz einer der vorab hochgejubelten, fantastischen, übermenschlichen, emanzipierten amerikanischen TOP- (jedenfalls bei den Einkünften) Managerinnen. Die ja alles sooo viel besser können als die Männer. Wegen denen wir Quoten-Frauen bekommen haben. Ganz großes Kino!

Frau Lana Ebsel

19.10.2016, 12:25 Uhr

... aber das blonde Blau macht sich immer gut auf einem Firmenbild ...

Herr chris schnitzler

19.10.2016, 12:41 Uhr

Ja Franz Paule
ganz im Sinne unseren ausserirdischen Teilzeit Ministerinnen Nahles Schwesing van der layen usw die als Mutti einfach die besseren Minister abgeben und einfach nur toll sind als Mammi und Ministerin gleichzeitig-dies entspricht auch dem total tollen rot grünen Frauenbild in dem alle Frauen "Kariere" machen müssen und wir unbedingt Quoten für Frauen brauchen weil die ja so viel besser manegen und bla bla bla
Wenn nach den Grünen wird zukünftig jede Frau bevorzugt eingestellt und befüördert werden müssen- auch bei schlechterer Leistung!!!!!!! Ja ja kein Witz!!!

Herr Sarrazin bitte helfen Sie uns.
Dieses Land ist durch Frauen und Rot Grün ausser Kontrolle geraten und leidet an wahnhafter Gleichberechtigung!

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