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19.07.2016

15:54 Uhr

Yahoo vor der Zerschlagung

Marissa Mayers Zeit ist abgelaufen

VonAxel Postinett

Schon vor dem Verkauf des Kerngeschäfts zerfällt Yahoo. Die Abschreibung auf Tumblr zeigt, dass Konzernchefin Marissa Mayer die Visionen fehlten. Der Absturz von Yahoo ist ein Weckruf für jeden Manager. Ein Kommentar.

Die Managerin konnte den Absturz von Yahoo nicht verhindern. AP

Marissa Mayer

Die Managerin konnte den Absturz von Yahoo nicht verhindern.

San FranciscoDie glücklose Yahoo-Chefin Marissa Mayer macht Hausputz. Sie schreibt 482 Millionen Dollar vom Kaufpreis des 2013 für 1,1 Milliarden Dollar erworbenen Social Networks Tumblr ab, wie der Konzern am Montagabend bekanntgab. Zuvor hatte sie schon einmal 230 Millionen Dollar auf die Blogging-Plattform abgeschrieben. Sie will die Zentrale in Sunnyvale besenrein übergeben, falls irgendwann im zweiten Halbjahr ein Käufer die Kernbereiche des Web-Portals übernehmen sollten.

Die Weblegende Yahoo zerfällt, weil sie sich nicht schnell und drastisch genug diversifiziert hat. Yahoo war nie ein echtes Technologie-Unternehmen. Yahoo war und ist ein anzeigengetriebenes Medienunternehmen auf rein digitaler Basis. Und Tumblr war keine Diversifizierung, die man braucht, wenn ein altes Businessmodell zerbricht. Tumblr, Marissa Mayers Vorzeige-Akquisition, sollte einfach neue Absatzkanäle für das alte Geschäftsmodell erschließen. Mit Vollgas fuhr man in die falsche Richtung. Das ist es, was man Mayer und ihrem Aufsichtsrat am Ende vorwerfen muss: Ideenlosigkeit und fehlender Mut zur Transformation.

Wegen Tumblr-Abschreibung: Yahoo rutscht tief in die roten Zahlen

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Yahoo rutscht tief in die roten Zahlen

Der Internet-Konzern Yahoo steckt auch auf der Zielgeraden vor dem anstehenden Verkauf tief in den roten Zahlen. Diesmal verhagelte eine weitere Abschreibung auf den Milliarden-Zukauf Tumblr die Bilanz.

Wie das geht, haben andere bewiesen. Mark Zuckerberg etwa, der Facebook in 18 Monaten von einer Nullnummer in das Powerhaus der mobilen Werbewelt verwandelt hat. Oder Satya Nadella, der Microsoft, das beinahe einmal Yahoo für 38 Milliarden Dollar gekauft hätte, von der „Windows-Firma“ in das zweitgrößte Cloud-Unternehmen der Welt verwandelt hat. Und nicht zuletzt Google: Die Umwandlung in die Holding Alphabet war der Aufruf, die Vergangenheit hinter sich zu lassen.

Es sind starke Einzelpersönlichkeiten mit klaren Visionen, die solche Transformationen einleiten. Bei Yahoo haben sie gefehlt. Nicht erst seit Marissa Mayer, aber auch mit ihr. Ihre Zeit ist abgelaufen.

Die Geschichte von Yahoo ist zugleich Mahnung und Weckruf für alle Unternehmensmanager. Die digitale Transformation, an deren Beginn die Weltwirtschaft steht, kann nur überleben, wer dabei alles in Frage stellt, statt nur das Alte zu beschleunigen.

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