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01.11.2016

10:26 Uhr

Youtube und Gema einigen sich

Es darf Musik gesehen werden

VonAchim Sawall
Quelle:Golem.de

Es schien ein Streit für die Ewigkeit – nun ist er beigelegt: Nach jahrelanger Fehde haben der Rechtverwerter Gema und das Videoportal Youtube einen Vertrag für Deutschland geschlossen. Künftig darf Musik gesehen werden.

Lizenzvertrag

Endlich! Youtube und Gema beenden Dauerstreit

Lizenzvertrag: Endlich! Youtube und Gema beenden Dauerstreit

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BerlinYoutube hat eine Vereinbarung mit dem Rechteverwerter Gema geschlossen. Das gab die Google-Tochterfirma am Diemstag bekannt. Damit sind Tausende Musikvideos, die bei YouTube in Deutschland wegen des Streits zwischen der Videoplattform und der Gema gesperrt waren, nunmehr frei verfügbar.

Nutzer könnten so „mehr ihrer Lieblingssongs auf Youtube genießen“, hieß es von Seiten des Videoportals. Musikverleger, Songwriter und Komponisten, die von der Gema vertreten würden, profitierten davon, dass ihre Musikinhalte künftig auch auf Youtube in Deutschland verfügbar seien.

Wer an YouTube verdient

Google

Der Internetkonzern kaufte Youtube im Oktober 2006, gerade einmal 19 Monate nach der Gründung der Videoseite. Google zahlte 1,65 Milliarden Dollar für Youtube. Das war damals der teuerste Zukauf in der Firmengeschichte, der sich aber rentiert haben dürfte.

Google (2)

Wie viel Google mit Youtube verdient, gibt das Unternehmen allerdings nicht gesondert an. Die Marktforschungsfirma eMarketer schätzt, dass Youtube 2015 etwa 1,13 Milliarden Dollar Umsatz mit Werbung gemacht hat.

Youtube-Stars

Youtube ist eine der meist genutzten Webseiten unter Jugendlichen, beliebte Videomacher können dort hunderttausende Fans sammeln. Wer so eine große Gefolgschaft hat, kann mit Werbung in den eigenen Videos und Zusammenarbeit mit Unternehmen Geld verdienen.

Youtube-Stars (2)

Besonders bekannte Youtuber wagen den Sprung in andere Bereiche: Die deutschen Slimani-Geschwister haben ein Buch und eine Modereihe herausgebracht, auch andere Youtuber sind mit Büchern auf dem Markt.

Vermarktungs-Netzwerke

Die Netzwerke sind sozusagen die Plattenfirmen der Youtube-Welt. Sie fördern Talente und sorgen für die Vermarktung von Anzeigen. Dafür verdienen sie an den Werbeeinnahmen mit.

Netzwerke (2)

Allerdings knirscht es hier: Mehrere bekannte Youtuber verließen jüngst das große deutsche Netzwerk Mediakraft. Sie beklagten Kommerzialisierung und mangelnde Unterstützung. Kurz danach ging auch Mediakraft-Mitgründer Christoph Krachten.

Unternehmen

Längst haben Firmen entdeckt, dass sie über Youtube ihre Produkte vermarkten können. Denn hier gucken Menschen freiwillig Werbung. Viele Firmen versuchen, witzige oder unterhaltsame Videos zu drehen, die die Nutzer von selbst weiterverbreiten. Außerdem geben sie Geld für Werbeeinblendungen vor und während Videos aus.

Unternehmen (2)

Ein Hindernis bei der Werbevermarktung ist, dass Youtube-Videos oft ausgefallen sind und die Qualität sehr unterschiedlich ist. Youtube hat daher ein Auswahl-Programm entwickelt. Damit können Werbekunden festlegen, dass ihre Videoanzeigen nur bei den beliebtesten Videos in bestimmten Kategorien auftauchen.

Christophe Muller, Head of International Music Partnerships bei Youtube, sagte: „Wir freuen uns sehr, eine Vereinbarung mit der Gema gefunden zu haben.“ Youtube und die Gema hätten sich entschieden, sich zu einigen, anstatt darauf zu warten, ihre rechtlichen Differenzen vor Gericht zu klären. Die finanziellen Bedingungen der Einigung wurden zunächst nicht bekannt. Die Seiten verwiesen auf eine Vertraulichkeitsvereinbarung. Die Vereinbarung gilt für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Ab sofort entfallen die sogenannten Sperrtafeln. Youtube werde diese nicht mehr vor Musikvideos schalten, erklärte die Gema. Das betreffe alle Videos der rund 70.000 Gema-Mitglieder sowie der Künstler, die die Gema im Ausland vertrete. Dank des Vertrags würden diese Künstler nun auch für das Abspielen der Videos auf YouTube bezahlt. Der Lizenzvertrag gilt auch für „den vertragslosen Zeitraum seit 2009“.

Die Vereinbarung deckt neben dem werbefinanzierten Dienst auch den neuen Subscription Service ab, den Youtube bereits in den USA anbietet und der auch in Europa starten soll. Wie viel das zu Google gehörende YouTube dafür bezahlt, wurde zunächst nicht bekannt.

„Die Urheber müssen für die Nutzung ihrer Musikwerke angemessen vergütet werden. Dafür wird sich die Gema auch weiterhin aktiv einsetzen“, sagte Thomas Theune, Direktor Sendung und Online bei der Gema. Weiterhin bestünden unterschiedliche Rechtsauffassungen zwischen Youtube und Gema darüber, ob Youtube oder die Uploader für die Lizenzierung der genutzten Musikwerke verantwortlich seien.

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