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01.06.2011

14:37 Uhr

Zahl des Tages

Teurer Billigheimer

Der Computerkonzern Lenovo ist in Kauflaune und bietet für Aldis Hoflieferanten einen dreistelligen Millionenbetrag. Medion bräuchte 22 Jahre, um das zu verdienen, was die Chinesen zahlen wollen.

KölnSeit heute stehen sie bei Aldi Nord in den Regalen: Multimedia-Computer vom Typ „Medion Akoya E4200 D“, Stückpreis 399 Euro. Und ebenfalls seit heute ist klar: Der Lieferant der Ware, die im SDAX notierte Medion AG, soll für den Preis von rund 1,6 Millionen Rechnern dieser Art den Besitzer wechseln. Der chinesische Lenovo-Konzern will den Großhändler kaufen. Und bietet jedem Aktionär 11 Euro pro Anteilsschein.

Kommt es zur Übernahme, dann wechselt nach 15 Jahren Zusammenarbeit der zentrale IT- und Elektroniklieferant von Aldi den Besitzer. Ein recht logischer Schritt, schließlich kauft Medion heute schon große Teile seiner Waren in China ein, vermutlich auch bei Lenovo. Denn der Konzern gehört zu den ganz Großen im PC-Geschäft. Vor gut sechs Jahren schluckte Lenovo die komplette Computerproduktion von IBM, eingeschlossen die „Thinkpad“-Laptop-Sparte. Damals zahlte Lenovo umgerechnet 1,3 Milliarden Euro. Der Billigheimer Medion ist den Asiaten heute also nahezu halb so viel wert wie die noble Bürocomputermarke IBM, seinerzeit immerhin drittgrößter PC-Hersteller der Welt. Das kann der Bochumer Firmengründer und Medion-Mehrheitseigner Gerd Brachmann durchaus geehrt fühlen.

Zumal die Margen in dem Geschäft rasiermesserscharf kalkuliert werden. Medion müsste, wenn alles so bliebe wie es ist, noch 22 Jahre weitermachen, um so viel einzunehmen, wie die Chinesen nun zahlen wollen. Bei 1,64 Milliarden Euro Umsatz erzielte das Unternehmen im vergangenen Jahr gerade mal 28 Millionen Euro operativen Gewinn, macht 1,7 Prozent Umsatzrendite. Würde Brachmann, der gut 60 Prozent der Medion-Anteile hält, den Gewinn komplett an die Eigentümer ausschütten, flössen ihm selbst etwa 17 Millionen Euro zu. Verkauft er stattdessen nun seine Aktien, kassiert er rund 380 Millionen Euro. Über ein solches Angebot sollte er gut nachdenken.

Für Lenovo wiederum, ein Unternehmen, das übrigens mehrheitlich vom chinesischen Staat kontrolliert wird, ist der 629-Millionen-Kauf ein vergleichsweise kleines Geschäft. Eigentlich will der Konzern, der als viertgrößter Hersteller etwa zehn Prozent Weltmarktanteil auf sich vereint, nämlich zur globalen Nummer eins aufsteigen. Dort aber bleiben die US-Konzerne HP und Dell, die gemeinsam fast ein Drittel aller Computer weltweit verkaufen, weiter vorn. Allenfalls an die Nummer Drei Acer rückt man näher heran. Und zumindest eine Marktführerschaft in Deutschland scheint greifbar: Gemeinsam mit Medion verkauft Lenovo demnächst jeden siebten Laptop hierzulande – das wäre mehr als doppelt so viel wie Lenovo allein umsetzt.

Von

Olaf Wittrock

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