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01.12.2012

13:52 Uhr

Zeitungen in der Krise

Entlassungswelle rollt durch die Presselandschaft

„Frankfurter Rundschau“, „FTD“, „Abendzeitung Nürnberg“ – ist das erst der Anfang? Nach Einschätzung der Arbeitsagentur fielen in der Zeitungsbranche seit 1949 nie so viele Stellen weg. Weitere Pleiten könnten folgen.

Noch gibt es die „Frankfurter Rundschau“ und „FTD“ am Kiosk, aber nicht mehr lange. dpa

Noch gibt es die „Frankfurter Rundschau“ und „FTD“ am Kiosk, aber nicht mehr lange.

Frankfurt/NürnbergDie deutsche Presse erlebt nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit derzeit die größte Entlassungswelle seit Bestehen der Bundesrepublik. „Vorher sind mal einzelne Redaktionen insolvent gegangen. Aber das war nie die Größenordnung, die heute erreicht wird, wo wir mehrere Redaktionen haben, die viele Menschen freisetzen“, sagte ein Sprecherin der Bundesagentur in Nürnberg auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa.

Verlage hatten wegen gesunkener Erlöse auf dem Print-Anzeigenmarkt zuletzt Schließungen, den Abbau von Arbeitsplätzen oder Umstrukturierungen angekündigt. Insgesamt sind Hunderte Arbeitsplätze betroffen. Die Wirtschaftszeitung „Financial Times Deutschland“ erscheint am nächsten Freitag zum letzten Mal. Die „Frankfurter Rundschau“ hatte vor rund zwei Wochen Insolvenz angemeldet. Schon Ende September war die „Abendzeitung Nürnberg“ nach 93 Jahren eingestellt worden.

Allein die Insolvenz der „Frankfurter Rundschau“ bedroht fast 500 Arbeitsplätze. Bei den Gruner + Jahr-Wirtschaftsmedien, zu denen die „FTD“ gehört, sind mehr als 300 Mitarbeiter betroffen. Der „Berliner Verlag“ („Berliner Kurier“, „Berliner Zeitung“) sieht sich nach eigenen Worten zu der Einsparung von mindestens 40 Stellen gezwungen. Bei der Nürnberger „Abendzeitung“ wurden 35 Mitarbeiter arbeitslos.

Auflagen überregionaler Zeitungen in Deutschland

Bild

Druckauflage: 3.482.808

Verkauf: 2.698.383

Abonnements: 50.043

Einzelverkauf: 2.580.272

Quelle: IVW, Zahlen für das 3. Quartal 2012

Süddeutsche Zeitung

Druckauflage: 522.600

Verkauf: 412.994

Abonnements: 281.772

Einzelverkauf: 67.796

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Druckauflage: 444.631

Verkauf: 354.317

Abonnements: 217.522

Einzelverkauf: 51.542

Die Welt

Druckauflage: 319.397

Verkauf: 250.959

Abonnements: 109.474

Einzelverkauf: 34.768

(inkl. Welt Kompakt, nur Mo.-Fr.)

Frankfurter Rundschau

Druckauflage: 149.688

Verkauf: 117.996

Abonnements: 64.682

Einzelverkauf: 17.046

Die Tageszeitung (taz)

Druckauflage: 72.300

Verkauf: 53.657

Abonnements: 45.078

Einzelverkauf: 4977

Handelsblatt

Druckauflage: 162.306

Verkauf: 137.725

Abonnements: 80.222

Einzelverkauf: 6052

Financial Times Deutschland

Druckauflage: 121.319

Verkauf: 102.101

Abonnements: 41.629

Einzelverkauf: 3102

Die Zeit (Wochenzeitung)

Druckauflage: 630.315

Verkauf: 501.415

Abonnements: 332.255

Einzelverkauf: 112.239

„Es ist ein schwieriger Markt im Augenblick“, sagte die Sprecherin der Bundesagentur. „Die Chancen, dass gerade die Kollegen aus dem Printbereich auch wieder im Printbereich unterkommen, sind nicht wahnsinnig gut.“ Es gebe Alternativen im Online-Bereich oder in der Unternehmenskommunikation.

„Es wird aber sicher für viele schwierig werden, wieder im Journalismus unterzukommen“, erklärte die Sprecherin. „Man kann auch schauen, sich mit freiberuflicher Tätigkeit selbstständig zu machen, aber da braucht man sehr viel Durchhaltevermögen.“ Die Arbeitsagenturen setzten bei arbeitslosen Journalisten vor allem auf Eigeninitiative, die Agentur könne weniger vermittelnd als beratend tätig werden.

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„Es werden nicht die letzten Opfer sein“

Der frühere Chefredakteur der schwer angeschlagenen „Frankfurter Rundschau“, Uwe Vorkötter, sieht in den Massenentlassungen auf dem Medienmarkt den Beginn einer Pleitewelle. „Die Krise, die seit Jahren beschworen wird, hat ihre ersten beiden prominenten Opfer gefordert. Es werden nicht die letzten sein“, schreibt Vorkötter in einem Gastbeitrag für das „medium magazin“ (Ausgabe 12/2012) angesichts der Einstellung der „Financial Times Deutschland“ und der drohenden Pleite der „Frankfurter Rundschau“ („FR“). „Die Insolvenz des einen und das Aus für das andere Blatt sind Menetekel.“

Vorkötter warnte die Branche zudem vor weiteren Sparrunden ohne Konzepte für den digitalen Wettbewerb. „Bleibt im Prinzip alles, wie es ist, und man spart einfach auf der Kostenseite den sinkenden Erlösen hinterher? Dann werden bald auch die Starken schwach“, schreibt Vorkötter (58). Er hatte bis zum vergangenen Juni die „FR“ und das Schwesterblatt „Berliner Zeitung“ mit geleitet.

Neben der eingereichten Insolvenz für die „Frankfurter Rundschau“ hatte die Mediengruppe M. DuMont Schauberg MDS zuletzt auch bei der „Berliner Zeitung“ und dem „Berliner Kurier“ auf drohende rote Zahlen reagiert. Im kommenden Jahr will MDS möglicherweise mehr als 80 Stellen im Berliner Verlag streichen, in dem die beiden Titel erscheinen. In Frankfurt wären insgesamt 487 Mitarbeiter von einer „FR“-Pleite betroffen.

Von

dpa

Kommentare (40)

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observer

01.12.2012, 14:04 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Super-Angie

01.12.2012, 14:08 Uhr

Fällig ist der Spiegel und das< SPD-Blatt Zeit

dort wird die Leserschaft permanent verarscht.

Hinter die Fichte geführt

Der Ausgang der Kriese wird einigen Lesern die Augen öffnen wund Sie werden Zeitungen Boykottieren einfach nicht mehr kaufen als Quittung der langjährigen hörigen Medienarbeit zur Merkel-Regierung.

Ich persönlich würde nie die Zeit Lesen, obwohl ich mal SPD Wähler war . Angewiedert lese ich ab und an Spiegel, würde mir das Blatt niemals Kaufen; wenn ich den Augstein sehen dann sehe ich den Gabor.

Wie beide sich wenden und eine Segelboot-Wende nach der anderen vollführen.

Das sind alles sehr unehrliche unredliche Blätter, die man am Markt nicht mehr braucht.

Die Marktbereinigung ist überfällig

Fakten

01.12.2012, 14:18 Uhr

Wenn ich die miserable Qualität der WAZ-Ausgaben sehe, wo kaum noch intelligente Beiträge zu lesen sind, wo schlechte und fehlerhafte Redaktionsberichte aufgeführt sind, wo die Bildanteile überdimensioniert (oft Kundenbilder, die nichts kosten) den Platz füllen, wo Nachrichten über die Geschehnisse vor Ort weiter schwinden, da muss man sich über die massiv steigenden Kündigungen der Tageszeitungen nicht wundern. Junge Leser gibt es kaum noch, weil sie sich in den aktuelleren schnellen Medien bewegen, und für ältere Menschen stimmen oftmals die Schriftgrößen nicht mehr, denn die Computerproduzierung lässt viel zu viel schlechten Gestaltungsspiellraum, weil man nicht aus der Sicht des Lesens gestaltet. Fehler über Fehler. Und heute habe ich auch mein Westfalenpostabo gekündigt, nach über 50 Jahren! Es ist mir das Geld nicht mehr wert.

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