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20.03.2013

20:46 Uhr

Zeitungsgruppe

WAZ baut 200 Stellen in NRW ab

Die WAZ Zeitungsgruppe baut in NRW im Redaktions- und Verwaltungsbereich 200 Stellen ab. Vor allem der einbrechende Anzeigenmarkt soll Schuld sein. Der Stellenabbau soll „so sozialverträglich wie möglich“ erfolgen.

Die Essener WAZ-Gruppe baut 200 Stellen in NRW ab. dapd

Die Essener WAZ-Gruppe baut 200 Stellen in NRW ab.

EssenDie WAZ Zeitungsgruppe baut im Redaktions- und Verwaltungsbereich in Nordrhein-Westfalen rund 200 Stellen ab. Dies teilte das Unternehmen am Mittwoch in Essen mit. Die Geschäftsleitung habe am Mittwoch die Betriebsräte darüber informiert, dass man sich zu dem Abbau gezwungen sehe, hieß es. Von Entlassungen sei nicht die Rede. „Diese Entscheidung ist uns mehr als schwer gefallen, und wir versichern, dass wir so sozialverträglich wie nur möglich handeln werden“, erklärte eine Unternehmenssprecherin auf dpa-Anfrage.

Als Grund für den Stellenabbau gab sie an: „Der signifikant einbrechende Anzeigenmarkt und die erodierenden Auflagenzahlen im Tageszeitungsbereich führen auch bei unserer Mediengruppe zu deutlichen Umsatzrückgängen.“ Weitere Angaben machte die Zeitungsgruppe nicht. Zuvor hatte der Branchendienst newsroom.de über den geplanten Abbau berichtet.

Erst Mitte Januar hatte die WAZ Mediengruppe mitgeteilt, dass sie die Redaktion der defizitären „Westfälischen Rundschau“ mit 120 Stellen schließt. Der Titel blieb erhalten. Den Mantel der WR liefert seit Anfang Februar die Zentralredaktion der WAZ-Gruppe, lokale Inhalte kommen seit Februar von der WAZ-eigenen „Westfalenpost“ sowie von anderen Verlagen der Region.

Die Zeitungskrise

Deutschland, Zeitungsland

Trotz aller Hiobsbotschaften aus der Medienbranche ist Deutschland immer noch ein Zeitungsland: Nach aktuellen Angaben des Bundesverbandes deutscher Zeitungsverleger (BDZV) gibt es hier 315 lokale und regionale Abonnementzeitungen, 10 überregionale Blätter sowie 8 Straßenverkaufszeitungen, vor allem die „Bild“.

Die Auflagen sinken

Doch die meisten Blätter verlieren von Jahr zu Jahr an Auflage. Im zweiten Quartal 2013 wurden pro Erscheinungstag 20,64 Millionen Tageszeitungen verkauft, wie aus einer Erhebung der IVW hervorgeht. Das sind rund 4 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Darin sind rund 0,38 Millionen E-Paper-Ausgaben enthalten. Bei den Wochenzeitungen zeichnet sich ein ähnlicher Trend ab: Die verkaufte Auflage sank um rund 20.000 auf 1,73 Millionen Exemplare.

Der Werbemarkt schwächelt

Die sinkende Auflage trifft die Zeitungen gleich doppelt: Zum einen sinken die Vertriebserlöse, wenn die Verlage den Verkaufspreis nicht anheben (was in den letzten Jahren aber viele getan haben). Zum anderen verdienen sie weniger mit den Anzeigen – deren Preis richtet sich nach der Reichweite. Während der Gesamtwerbemarkt 2012 um 0,9 Prozent schrumpfte, verzeichneten die Zeitungen einen Umsatzrückgang von 9,1 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Fürs laufende Jahr erwartet der Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft, dass die Verlage maximal eine schwarze Null erreichen.

Rubrikenmärkte wandern ins Netz ab

Mit Kleinanzeigen, Stellenausschreibungen und Autoanzeigen haben die Verlage jahrzehntelang gutes Geld verdient. Doch die Rubrikenmärkte sind weitgehend ins Internet abgewandert – viele der Portale gehören nicht Verlagen, sondern anderen Akteuren. Hier gibt es nur wenige Ausnahmen. Im Online-Geschäft sehr aktiv ist beispielsweise der Axel-Springer-Verlag, ihm gehören das Immobilienportal Immonet und das Stellenportal Stepstone.

Digitale Produkte gleichen Minus nicht aus

Die große Hoffnung auf den Verkauf digitaler Ausgaben hat sich bislang nicht erfüllt. Zwar verkaufen sich E-Paper immer besser, im zweiten Quartal 2013 waren es rund 380.000 Exemplare. Doch das ist zu wenig, um den Rückgang der Printauflage aufzufangen. Die Reichweite der Web-Portale steigt zwar, doch die Werbeeinnahmen gleichen das Umsatzminus nicht aus. Viele Verlage hoffen, mit Bezahlmodellen im Netz mehr Geld zu erwirtschaften.

Hoffnung auf die große Reichweite

„Gedruckt, online und mobil erreichen die Zeitungen aktuell ein Publikum, das so groß ist wie nie zuvor“, erklärt der BDZV. Auf diese Reichweite hoffen die Verleger. Als Chancen nennt der Verband das Digitalgeschäft, aber auch neue Geschäftsfelder wie Aus- und Weiterbildung oder Veranstaltungsmanagement. Allerdings haben viele Verlage mit diversen Sparrunden das Personal stark ausgedünnt – das erschwert die Umsetzung neuer Ideen.

Bezahlinhalte als Ausweg?

Immer mehr Verlage hoffen, mit Bezahlinhalten den Umsatz steigern zu können. Beim „metered model“, das etwa die „Welt“ verwendet, dürfen die Leser nur eine bestimmte Zahl an Artikeln kostenlos lesen – danach müssen sie ein Abo abschließen. Und die „Bild“ stellt nur einen Teil der Artikel kostenlos ins Netz, andere Beiträge bekommen nur zahlende Kunden zu sehen.

Der WAZ Mediengruppe mit mehr als 10 000 Mitarbeitern gehören nach eigenen Angaben vom Januar mehr als 30 Tages- und Wochenzeitungen, über 170 Publikums- und Fachzeitschriften, rund 100 Anzeigenblätter und fast 400 Kundenzeitschriften. In Deutschland gibt das Unternehmen Tageszeitungen in Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Niedersachsen heraus. Die Mediengruppe hält außerdem Mehrheitsbeteiligungen an lokalen Radiosendern in NRW. Im Magazinbereich gehört zu der WAZ-Gruppe der Münchener Gong Verlag („Gong“, „TV direkt“), die WAZ-Women Group („Neue Welt“, „Frau im Spiegel“) sowie zahlreiche Tier-, Rätsel- und Fachzeitschriften. Das Unternehmen ist auch in Österreich sowie in Südost- und Osteuropa aktiv.

Von

dpa

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