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26.07.2012

22:46 Uhr

Zuckerberg enttäuscht

Facebook-Aktie stürzt nach Quartalsbericht auf neuen Tiefstand

VonMartin Dowideit

Das soziale Netzwerk Facebook hat erstmals seit dem Börsengang Quartalszahlen vorgelegt. Beim Umsatz kann das Unternehmen 1,18 Milliarden Dollar verbuchen, etwas mehr als erwartet. Doch Gewinn gibt es keinen.

Ein Facebook-Mitarbeiter in der Zentrale des Unternehmens im kalifornischen Menlo Park. dapd

Ein Facebook-Mitarbeiter in der Zentrale des Unternehmens im kalifornischen Menlo Park.

DüsseldorfDas soziale Netzwerk Facebook hat in seinem ersten Quartalsbericht seit dem Börsengang im Mai einen Umsatz von 1,18 Milliarden Dollar gemeldet. Analysten hatten von dem Unternehmen im Durchschnitt ein Umsatzwachstum von 28 Prozent auf 1,15 Milliarden Dollar (940 Millionen Euro) erwartet. 84 Prozent des Umsatzes stammt aus dem Werbegeschäft. Die damit eingenommene eine Milliarde US-Dollar entspricht einem Wachstum von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert.

Von April bis Juni ist ein Verlust von 157 Millionen US-Dollar angefallen, der vor allem durch die mit dem Börsengang fälligen Aktienpakete für Mitarbeiter begründet wird. Ohne diesen Effekt sei statt eines Verlusts in Höhe von 8 Cent pro Aktie ein Gewinn von 12 Cent je Aktie verbucht worden. Im Vorjahreszeitraum hatte Facebook noch 240 Millionen Dollar Gewinn gemacht.

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Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer des Netzwerks stieg auf 955 Millionen zum Stichtag 30. Juni, ein Plus von 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Noch deutlicher legte die Zahl der Nutzer von mobilen Facebook-Angeboten zu. Die Zahl kletterte um 67 Prozent auf 543 Millionen. Bislang bleibt Facebook jedoch eine Lösung dafür schuldig, wie der stark steigende Anteil der Smartphone-Nutzer auch in bare Münze durch Werbeschaltungen umgewandelt werden kann.

Die Facebook-Aktie hatte im Tagesverlauf um mehr als acht Prozent auf 26,85 Dollar nachgegeben und verlor nach Veröffentlichung der Quartalszahlen im nachbörslichen Handel nochmals zehn Prozent. Gegen 22.45 Uhr deutscher Zeit lag der Kurs bei 23,90 Dollar und verzeichnete damit ein neues Allzeittief. Beim Börsengang in Mai war die Facebook-Aktie mit 38 Dollar an den Start gegangen und hatte seitdem eine Achterbahnfahrt hingelegt.

Diese Stimmen hatten den Facebook-Börsengang begleitet

Warren Buffett

Warren Buffett (Star-Investor)

„Die Idee, dass eine frisch an den Markt gebrachte Firma unter tausenden und abertausenden Firmen weltweit die günstigste Gelegenheit ist, ist einfach dümmlich."

Michael Pachter

Michael Pachter (Analyst bei Wedbush)

„Die platzierenden Banken haben es völlig vergeigt.“

Phillip Goldberg

Phillip Goldberg (Investor)

"Orders von Investoren, die am ersten Handelstag Facebook- Aktien kaufen wollten, wurden häufig erst Stunden später ausgeführt. In der Zwischenzeit hatten die Investoren, die diese Aktien kaufen wollten, keine Ahnung, ob ihre Geschäfte ausgeführt worden waren und daher keine Ahnung, ob sie überhaupt Facebook-Aktien hielten."

Goldberg hat Klage gegen den Börsenbetreiber Nasdaq eingereicht.

Mary Schapiro

Mary Schapiro (SEC-Chefin)

„Es gibt einige Probleme, die wir uns anschauen müssen, vor allem im Zusammenhang mit Facebook.“

Robert Greifeld

Robert Greifeld (Nasdaq-Chef)

„Es hat ganz klar Fehler gegeben.“

Jim Cramer

Jim Cramer (Ex-Börsenhändler und TV-Moderator)

„Es ist unbestritten, dass (Facebook) ein schnell wachsendes und gut geführtes Unternehmen ist und es könnte ein guter Deal sein (…) Nur nicht am Eröffnungstag“.

Henry Blodget

Henry Blodget (Chef der Analyseplattform “Business Insider”)

“Wenn sich das Wachstum nicht wieder zulegt, ist es schwer zu sehen, wie die Aktie groß zulegen soll“

David Rolfe

David Rolfe (Investmentchef von Wedgewood Partners)

„Die Wall Street ist ein strenger Lehrmeister. Nun wird von Facebook erwartet, dass das Unternehmen regelmäßig seine Ziele anhebt, um sie dann zu übertreffen.“

Simon Lee

Simon Lee (Analyst bei der Navy Federal Credit Union)

„Für Facebook ist immer noch eine Menge mehr Platz, und es wird weiterhin mehr Nachfrage nach der Aktie als Angebot geben 

Yves Maillot

Yves Maillot (Head of Investments von Robeco Gestions)

„Facebooks Preisgestaltung erscheint recht teuer zu sein" Der Börsengang dränge darüber hinaus in ein „sehr schwieriges Umfeld für den US-Aktienmarkt."

Tom Taulli

Tom Taulli (IPO-Experte für Tech-Aktien)

„Banker werden das Beispiel als Erinnerung für Firmen nutzen, dass sie beim Preis nicht zu hoch greifen sollten. Die Devise 'der Himmel ist die Grenze' gilt nicht mehr.“

John Scandalios

John Scandalios (Leiter Franklin Templeton Technologiefonds)

„Bei den Geschäftsmodellen gibt es noch viele offene Fragen"

Nick Einhorn

Nick Einhorn (Analyst der Beratungsfirma Renaissance Capital)

"Es war nicht so aufregend, wie es hätte sein können. Aber ich denke nicht, dass wir den Börsengang als Misserfolg werten sollten."

Larry Page

Larry Page (Gründer und Konzernchef von Google)

„Wir haben versucht, mehr einfache Leute teilhaben zu lassen.

In einer Talkshow äußerte sich Page über die Unterschiede zwischen den Börsengängen von Google und Facebook.

Facebook investierte im Quartal deutlich mehr als vor Jahresfrist. Die entsprechenden Ausgaben verdreifachten sich auf 413 Millionen Dollar. Nähere Auskünfte wollte Facebook am späten Abend in einer Telefonkonferenz mit Analysten geben.

Die größten Sorgen von Facebook

Die Nutzer bleiben aus

Facebook ist seit seinen Anfängen im Februar 2004 rasend schnell gewachsen. Das Soziale Netzwerk hat mehr als eine Milliarde aktive Nutzer, knapp 600 Millionen schauen sogar täglich vorbei. „Die Größe unserer Nutzerbasis und ihre Bindung an uns ist entscheidend für unseren Erfolg“, erklärt Facebook. Es gebe aber keine Garantie dafür, dass neue Funktionen gut ankämen und die Mitglieder bei Laune hielten. „Auch eine ganze Reihe anderer sozialer Netzwerke hat schnell an Popularität gewonnen, seitdem ist die Zahl der aktiven Nutzer aber zurückgegangen, in manchen Fällen sogar jäh.“ Facebook spielt damit auf den einst großen Rivalen MySpace an; auch die deutschen Konkurrenten SchülerVZ und StudiVZ bekommen den Facebook-Hype drastisch zu spüren.

Die Werbung bleibt aus

Emsige Nutzer sind gut und schön, aber das Geld bringen erst die Werbekunden. Knapp 90 Prozent der Einnahmen stammten im vergangenen Jahr aus Anzeigen. Bislang tut sich die Werbebranche aber noch schwer damit, den Wert von Facebook-Anzeigen zu erkennen, in vielen Unternehmen gelten sie eher als Experiment denn als fester Bestandteil der Kampagnen. Überdies besuchen immer mehr Nutzer Facebook mit dem Smartphone oder Tablet-Computer. Auf den kleinen Bildschirmen der mobilen Geräte lässt sich Werbung jedoch schlechter platzieren. Immerhin konnte das US-Unternehmen bei den mobilen Anzeigen zuletzt deutlich zulegen – ein Hoffnungszeichen für die Investoren.

Die Konkurrenz schläft nicht

Facebook ist zwar die unumstrittene Nummer eins unter den Sozialen Netzwerken, doch das Internet ist groß. „Wir sehen uns in nahezu jedem Bereich unseres Geschäfts Konkurrenz gegenüber, darunter von Firmen wie Google, Microsoft und Twitter“, erklärt Facebook in einem Bericht an die Börsenaufsicht SEC. So hat Google mit Google+ ein eigenes Soziales Netzwerk aufgezogen, das allerdings noch deutlich kleiner ist als der blaue Riese. Es gibt auch starke regionale Netzwerke, Facebook führt namentlich Cyworld in Korea, Mixi in Japan, die Google-Tochter Orkut in Brasilien und Indien sowie vKontakte in Russland auf. Auf dem chinesischen Markt, wo Facebook noch gar nicht vertreten ist, warten die Platzhirsche Renren, Sina und Tencent. „Einige unserer aktuellen und künftigen Rivalen haben deutlich mehr Ressourcen und eine bessere Stellung in bestimmten Märkten als wir.“

Die Staatsmacht greift durch

Die Regierungen haben Facebook im Blick: „Es ist möglich, dass die Regierungen in einem oder mehreren Ländern die Inhalte von Facebook zensieren oder den Zugang zu Facebook einschränken“, weiß das Unternehmen. Denn das Soziale Netzwerk kann ungeahnte Kräfte entfalten – wie der arabische Frühling zeigte. Die jungen Menschen, die auf die Straße gingen, hatten sich nicht zuletzt über Facebook organisiert. Es habe bereits Zensur unter anderem in Iran, Nordkorea und Syrien gegeben, zählt Facebook auf. Alles große Märkte. In anderen Ländern wie Deutschland musste sich Facebook wiederum Kritik an einem laschen Umgang mit dem Datenschutz vorhalten lassen.

Die Nerds untergraben das Geschäft

Facebook-Chef Mark Zuckerberg sagt, ihm gehe es nicht in erster Linie ums Geldverdienen. Er wolle das Netzwerk vorantreiben. Auf diese Linie hat er auch seine mehr als 3000 Mitarbeiter eingeschworen. „Wir haben eine Kultur, die die Mitarbeiter dazu ermuntert, schnell neue Produkte zu entwickeln und sie rasch einzuführen.“ Diese Firmenkultur vertrage sich aber nicht immer mit dem Geschäftlichen, räumt Facebook ein. „Wir treffen regelmäßig Produktentscheidungen, die unseren Umsatz und unsere Profitabilität kurzfristig schmälern können.“

Kommentare (12)

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Ludwig500

26.07.2012, 22:29 Uhr

Ehrlich gesagt lache ich mich innerlich kaputt. Ein Nerd narrt die Finanzmärkte. Zuckerberg hat seine Milliarden im Sack. Er hat den Märkten eine tolle Geschichte erzählt, und die sind drauf reingefallen. Das Timing des Börsengangs war perfekt.

Hut ab, Herr Zuckerberg

-eine facebook-Karteileiche-

mono

26.07.2012, 22:49 Uhr

Myspace lässt grüssen.

Account gelöscht!

26.07.2012, 22:55 Uhr

das Problem ist garnicht facebook sondern die völlig überzogenen Erwartungen der gierigen Anleger. aber ok die hat unser marc gut ausgenutzt :)

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