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10.05.2016

21:28 Uhr

Zuckerberg unter Druck

US-Senatsausschuss verlangt Aufklärung von Facebook

Facebook weist den Vorwurf zurück, die Auswahl von Artikeln für die Rubrik „Trending Topics“ zu manipulieren. Doch der Druck nimmt zu. Der US-Senatsausschuss will wissen, wie die News-Trends zusammengestellt werden.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg ist wegen der „Trending Topics“ in die Kritik des US-Ausschusses geraten. Reuters

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Facebook-Chef Mark Zuckerberg ist wegen der „Trending Topics“ in die Kritik des US-Ausschusses geraten.

WashingtonFacebook gerät in den USA wegen Vorwürfen, seine Nachrichten-Inhalte zu Ungunsten konservativer Politiker zu manipulieren, zunehmend unter Druck. Der Handelsausschuss des Senats verlangt von Facebook Aufklärung darüber, wie seine Nachrichten-Trends („Trending Topics“) zusammengestellt werden.

Mitarbeiter des Konzerns sollten sich darauf vorbereiten, den Ausschuss über die Zusammenstellung der Rubrik zu unterrichten, schrieb der Ausschussvorsitzende John Thune am Dienstag an Konzernchef Mark Zuckerberg.

Ausgelöst worden war der Wirbel um die „Trending Topics“ durch einen Bericht des Nachrichtenportals „Gizmodo“. Darin erhob ein anonymer Ex-Betreuer der Nachrichtentrends den Vorwurf, Artikel konservativer Medien sowie Stimmen aus dem konservativen politischen Lager würden bei Facebook gezielt unterdrückt.

Laut „Gizmodo“ sollen einzelne Facebook-Mitarbeiter dafür gesorgt haben, dass etwa der republikanische Präsidentschaftskandidat im Jahr 2012, Mitt Romney, oder die inzwischen ausgeschiedenen Präsidentschaftsbewerber für die diesjährige Wahl, Ted Cruz und Scott Walker, nicht in den „Trending Topics“ auftauchten.

Facebooks Weg zum Weltkonzern

Vorläufer Facemash

Als Student an der Harvard-Universität programmiert Mark Zuckerberg mit mehreren Kommilitonen 2003 die Plattform facemash.com. Dort präsentiert er zwei zufällig ausgewählte Fotos von Harvard-Studentinnen – die Nutzer sollen über die Buttons „hot“ oder „not“ die attraktivere auswählen. Weil Zuckerberg die Bilder illegal beschafft hat und das Projekt massive Protesten auslöst, wird es nach kurzer Zeit wieder eingestellt.

„Thefacebook" geht online

Mark Zuckerberg und seine Mitgründer eröffnen im Februar 2004 „Thefacebook“. Es handelt sich um die Online-Version der gedruckten Jahrbücher. Das Konzept wird bald auf andere Universitäten ausgeweitet und verbreitet sich schließlich weltweit. Zwei von Zuckerbergs Kommilitonen klagen später mit dem Vorwurf, er habe ihnen die Idee für Facebook gestohlen. Der Streit wird im Jahr 2011 mit einem Vergleich beigelegt, die Kläger Tyler und Cameron Winklevoss erhalten 65 Millionen US-Dollar.

Der Newsfeed rückt ins Zentrum

Zweieinhalb Jahre nach der Gründung stattet Zuckerberg die Social-Media-Plattform mit dem Newsfeed aus – also mit einer Chronik, die alle Neuigkeiten aus dem Freundeskreis eines Nutzer anzeigt. Zuerst geht ein Aufschrei durch die Facebook-Gemeinde, die Mitglieder fürchten um ihre Privatsphäre. Doch der Amerikaner hält an seiner Idee fest und schließlich entwickelt sich Newsfeed zum zentralen Element von Facebook. Das Design der Nachrichtenchronik wird seitdem ständig überarbeitet, seit 2012 findet man dort auch Werbung.

Daumen hoch für Facebook

Im Februar 2009 führt Facebook den „Gefällt mir“-Knopf ein. Damit können Nutzer zeigen, dass ihnen etwas gefällt und dafür sorgen, dass sie bestimmte Nachrichten in ihren Newsfeed gespeist bekommen. Inzwischen hat das Symbol eine popkulturelle Bedeutung erlangt.

Profitabel dank Sandberg

Im März 2008 gibt Facebook bekannt, Sheryl Sandberg als Chefin fürs Tagesgeschäft (COO) von Facebook einzustellen. Der Auftrag der Harvard-Absolventin und ehemaligen Google-Managerin ist klar: Sie soll Facebook profitabel machen, was ihr zwei Jahre später auch gelingt. 2012 wird sie vom Time-Magazin in die Liste der 100 einflussreichsten Personen aufgenommen.

Umzug im Großformat

Mehr als 2000 Mitarbeiter beschäftigt Facebook im Juli 2011 – und allmählich werden die überwiegend angemieteten Gebäude in Palo Alto zu eng. Das Online-Unternehmen wird auf der Suche nach einer neuen Zentrale wieder im Silicon Valley fündig: Auf dem ehemaligen Campus des Computerherstellers Sun Microsystems stehen Mark Zuckerberg und seinen Mitarbeitern neun Gebäude auf knapp 24 Hektar zur Verfügung. Weil Facebook kurz zuvor 1,5 Milliarden Dollar von seinen Investoren eingesammelt hat, kann es sich den Umzug problemlos leisten.

Instagram und Whatsapp

Die bis dato größte Investition tätigt Mark Zuckerberg im April 2012: Für eine Milliarde US-Dollar schluckt Facebook das Start-Up Instagram. Das Unternehmen hatte eine gleichnamige App entwickelt, mit der man Fotos bearbeiten und teilen kann. Mit der Übernahme weicht Zuckerberg erstmals von seiner bisherigen Philosophie ab, die nur ein soziales Netzwerk für alle Nutzer vorsah. 2014 bewältigt Facebook eine weitaus größere Übernahme: Die Instant-Messaging-App Whatsapp kostet insgesamt 19 Milliarden Dollar.

Erst hui, dann pfui, dann hui

16 Milliarden US-Dollar an nur einem Tag – so viel Geld spült der bis dato größte Börsengang eines Internet-Unternehmens am 18. Mai 2012 in die Kasse von Facebook. Obwohl Experten einen deutlichen Anstieg des Kurses vorausgesagt hatten, bricht der Wert der Aktie dramatisch ein. Bis August 2012 halbiert sich der Ausgabepreis von 38 Dollar. Erst ein Jahr später wird dieser Wert wieder erreicht – danach steigt die Aktie in ungeahnte Höhen.

Jeder siebte bei Facebook

Im September 2012 verkündet Mark Zuckerberg stolz, dass Facebook die Marke von einer Milliarde Mitglieder geknackt hat. Rein rechnerisch ist somit jeder siebte Mensch der Welt bei dem sozialen Netzwerk angemeldet. Dabei haben die rund 1,3 Milliarden Einwohner Chinas bisher noch nicht einmal offiziellen Zugriff auf Facebook. Die Mitgliederzahlen steigen weiter, wenn auch langsamer als früher.

Geschäftsmodell überzeugt Anleger

Facebook reagiert auf die zunächst schlechte Entwicklung der Aktie: Das Unternehmen setzt alle Hebel in Bewegung, damit die Werbung in dem sozialen Netzwerk einträglicher wird, sowohl auf dem Desktop als auch auf mobilen Geräten – mit Erfolg. So gelingt es auch, die skeptischen Anleger zu überzeugen. Die Facebook-Aktie steigt im Oktober 2015 auf mehr als 100 Dollar.

Facebook wehrte sich gegen die Vorwürfe. Das Unternehmen habe „strenge Richtlinien“, um die Neutralität des Nachrichtenangebots zu sichern, erklärte der Facebook-Manager Tom Stocky, der für die „Trending Topics“ zuständig ist. Facebook sei „eine Plattform für Menschen und Perspektiven aus dem ganzen politischen Spektrum“.

Die Zusammensetzung der Rubrik werde durch Algorithmen bestimmt, deren Ergebnisse von einem Team überprüft, aber „nie manipuliert“ würden, führte Stocky aus. Bei der Überprüfung gehe es nur darum sicherzustellen, dass es sich bei den herausgefilterten Inhalten tatsächlich um Nachrichten handle.

Trending Topics: Facebook weist Manipulationsvorwürfe zurück

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Facebook weist Manipulationsvorwürfe zurück

Für hunderte Millionen Menschen ist Facebook eine zentrale Nachrichtenquelle. Jetzt erklärten frühere Mitarbeiter, News über Konservative in den USA seien unterdrückt worden. Das Online-Netzwerk bestreitet die Vorwürfe.

Der republikanische Senator Thune schickte eine lange Liste von Fragen an Zuckerberg. In dem von „Gizmodo“ veröffentlichten Brief verlangt der republikanische Senator Auskunft darüber, ob Betreuer der „Trending Topics“ tatsächlich den Inhalt der Rubrik manipuliert hätten, indem sie konservative Inhalte unterdrückten und gezielt andere Inhalte einfließen ließen, die gar nicht den Status eines "Trends" erreicht hätten.

Facebook ist eine der weltweit führenden Quellen für Nachrichteninhalte, insbesondere für jüngere Nutzer. Die englischsprachige Rubrik „Trending Topics“ soll einen Überblick darüber verschaffen, welche Inhalte die Facebook-Gemeinde gerade verstärkt interessieren. Eine deutsche Version der „Trending Topics“ existiert bislang nicht.

Von

afp

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