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15.02.2017

16:48 Uhr

Zuckerbergs Video-Pläne

Facebook TV geht auf Sendung

VonJohannes Steger

Ein soziales Netzwerk ist nicht genug: Mark Zuckerberg weitet Facebook in immer neue Geschäftsbereiche aus – jetzt stellt der Konzern eine neue TV-App vor. Kommt bald die erste Serie aus den Facebook-Studios?

Der Facebook-Chef hat große Pläne. Reuters, Sascha Rheker

Mark Zuckerberg

Der Facebook-Chef hat große Pläne.

DüsseldorfWas hat Facebook mit CNN, der „New York Times“ oder Fox News gemeinsam? Eigentlich wenig, könnte man meinen: Facebook ist eine Plattform, die drei anderen Unternehmen sind Medienhäuser. Doch manch ein Internetnutzer macht diesen Unterschied nicht: Wie eine kürzlich veröffentliche Untersuchung des US-Meinungsforschungsinstituts Pew ergab, hält immerhin einer von zehn Befragten Facebook für einen Nachrichtenerzeuger, wenn sie nach der Quelle einer Nachricht gefragt wurden, die sie im Netz angeklickt hatten. Das verwundert, schließlich produziert Facebook keine eigenen Inhalte. Zumindest bisher.

Facebook, das war bisher Desktop und Handybildschirm. Jetzt entsteht noch ein weiterer Kanal: Wie das Unternehmen am Dienstag bestätigte, soll nun auch eine TV-App hinzukommen. Die ist gedacht für die sogenannten Set-Top-Boxen wie zum Beispiel Apple TV, Amazons Fire TV oder die entsprechenden Geräte des Samsung-Konzerns. Es ist der nächste Schachzug des Mark Zuckerberg, der sich schon lange von der simplen Plattform-Idee verabschiedet zu haben scheint.

Welche Facebook-Dienste die Deutschen nutzen

Mehr als „Gefällt mir”

Facebook ist nicht nur eine Internetseite oder eine App. Das soziale Netzwerk wurde in den vergangenen Jahren kräftig erweitert. Die bekanntesten Teile sind der Facebook Messenger, Instagram und Whatsapp. Das Statistik-Portal Statista hat die Deutschen gefragt, welche Dienste und Produkte sie mindestens gelegentlich nutzen.

Facebook allgemein

72 Prozent nutzen das Social Media Portal. Dabei ist der Unterschied zwischen Männern (73 Prozent) und Frauen (71 Prozent) gering.

Facebook Messenger

Den Facebook-Nachrichtendienst nutzen 43 Prozent der Befragten – Männer wie Frauen.

Instagram

Den Online-Dienst Instagram zum Teilen von Fotos und Videos nutzen 26 Prozent der Männer und 22 Prozent der Frauen.

Whatsapp

Den Instant-Messaging-Dienst, der seit dem Jahr 2014 zu Facebook gehört, wird 70 Prozent der Befragten genutzt. Mit 71 Prozent männlichen und 70 Prozent weiblichen Nutzern sind die Unterschiede bei den Geschlechtern gering.

Ob Musiklizenzen, Virtual Reality oder Kooperationen mit Medienunternehmen – Zuckerberg weitet die Geschäftsbereiche des Konzerns immer weiter aus. Die neue TV-App soll nicht nur Inhalte Dritter präsentieren. Vieles deutet daraufhin, dass Facebook schon bald auch selbst Inhalte produzieren könnte.

Der beste Freund, der seinen Sommerurlaub auf Video festgehalten hat, die Liveübertragung vom Silvesterfeuerwerk am New Yorker Times Square oder der neueste Clip von der Lieblings-Comedysendung: All das sollen Facebook-Nutzer über die neue App sehen können – natürlich aber nur, wenn die Inhalte bereits auf der Plattform abrufbar sind. Videoempfehlungen sollen dem Zuschauer ausgespielt und zum Beispiel gespeicherte Filme angezeigt werden.

Nach Rekordhoch: Facebook stimmt auf härtere Zeiten ein

Nach Rekordhoch

Facebook stimmt auf härtere Zeiten ein

Beim Umsatz und Gewinn erreicht Facebook abermals Höchststände. Weniger Wachstum, mehr Kosten: Facebook ist so stark wie nie zuvor, aber muss sich trotzdem neu erfinden. Wird es Mark Zuckerberg ein zweites Mal gelingen?

Das alles ist Teil von Mark Zuckerbergs großangelegter Videooffensive, die er bereits zu den vergangenen Quartalszahlen umriss. Video sei ein Megatrend, sagte der Facebook-Chef im Gespräch mit Analysten. Man wolle dafür sorgen, dass Menschen das soziale Netzwerk als Ort für interessante und relevante Videos begreifen: „Letztes Jahr haben wir begonnen, in mehr Videoinhalte zu investieren, um damit ein Ökosystem dafür zu erschaffen. Und wir planen, das 2017 auszubauen.“ Die TV-App scheint der wesentliche Faktor in Zuckerbergs Bewegtbild-„Ökosystem“.

Und sie trifft den Nerv der Zeit, ist Sebastian Buggert, Mitglied der Geschäftsführung beim Marktforschungsinstitut rheingold, überzeugt: „Auch in der Mediennutzung beobachten wir einen immer stärker werdenden Trend zur Personalisierung.“ Kunden hätten sich daran gewöhnt, dass für sie eine Vorabauswahl getroffen und gefiltert werde: „Viele Verbraucher sind sich über die entstehende Filterblase bewusst, aber auch über die komfortablen Seiten einer Selektion durch die Anbieter“, sagt Buggert.

Facebook liefere dabei die wohl stärkste Personalisierung und biete anders als Streamingdienste wie Netflix noch eine soziale Komponente. Für viele sei Facebook längst die erste Schnittstelle zu Medieninhalten und Information im Internet: „Diese Marktmacht weitet Facebook jetzt auf das Fernsehen aus.“ Das belegt auch die Untersuchung des Pew Research Center vom Februar 2017: Immerhin 35 Prozent der Befragten beziehen ihre Nachrichten über Soziale Netzwerke.

Kommentare (1)

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Lothar dM

15.02.2017, 17:21 Uhr

Immer häufiger etablieren sich global wirksame monopolistische Strukturen, egal ob bei google, ebay, amazon oder facebook. Insb. wenn es dann noch um Meinungen geht wird die Sache extrem brenzlig, aber es scheint nicht wirklich jemanden zu interessieren, insb. in der Politik. Da wird lieber gegen kritische Mitbürger vorgegangen. Brave New World.

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