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14.01.2014

11:48 Uhr

Zukauf für 3,2 Milliarden Dollar

Was Google mit Rauchmeldern vorhat

VonChristof Kerkmann

Das Internet ist nicht genug: Google setzt auf das vernetzte Haus und kauft das Start-up Nest, einen Anbieter intelligenter Heizthermostate und Rauchmelder. Warum interessiert sich der Konzern für angekohltes Toastbrot?

Das intelligente Zuhause

Google wird häuslich

Das intelligente Zuhause: Google wird häuslich

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DüsseldorfGoogle und Heizthermostate? Auf den ersten Blick passt das nicht zusammen. Der Internetkonzern kauft das Start-up Nest, das intelligente Heizungssteuerungen und Feuermelder herstellt. Dafür investiert er 3,2 Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro). Es handelt sich um die zweitgrößte Übernahme der Google-Geschichte, nur für Motorola gab der Konzern mehr aus. Die gekaufte Firma ist gerade einmal drei Jahre alt, Google hatte bereits das rasante Wachstum in zwei Finanzierungsrunden unterstützt.

Aber was will der Suchmaschinen-Riese mit einem Hersteller von Haushaltsgeräten? Einige Antworten.

Zugang zum vernetzten Haus

Google versucht schon seit einer Weile, seine Dienste im Alltag unverzichtbar zu machen, auch wenn es nicht um die Suche im Internet geht. Viele Schlagzeilen machen das autonom fahrende Auto und die Datenbrille Google Glass, auf der Elektronikmesse CES stellte der Konzern jüngst außerdem eine Partnerschaft mit großen Autoherstellern vor. Doch genauso versucht der Konzern, sich im vernetzten Haus einzunisten.

Die Einkaufsliste von Google

DeepMind

Die neueste Errungenschaft von Google ist das britische Start-up DeepMind, das sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigt. Schon seit langem wurde spekuliert, Google könnte zu Methoden der künstlichen Intelligenz greifen, um große Datenbestände besser auszuwerten. Im Januar 2014 hat der Konzern dann zugegriffen.

Motorola

Im Sommer 2011 kaufte Google für 12,5 Milliarden Dollar den Handy-Hersteller Motorola. Es war die erste große Transaktion, um Google auch im Hardware-Geschäft zu etablieren. Nach weniger als zwei Jahren stieß der Konzern das Geschäft aber wieder ab und verkaufte es an den chinesischen Elektronikhersteller Lenovo. Die meisten Patente zum Schutz seines Betriebssystems Android behielt Google indes.

Nest

Erst 2011 ging das Start-up Nest an den Start, überzeugte aber mit seinen elektronischen Haushaltsprodukten wie Thermostaten oder Rauchmeldern. Anfang 2014 schlug Google zu und verleibte sich die Firma für 3,2 Milliarden Dollar ein.

Doubleclick

Im Online-Werbemarkt ist Google ein Gigant. Um die eigene Position zu festigen, griff der Konzern im Jahr 2007 zu und kaufte für 3,1 Milliarden Dollar den Vermarktungsspezialisten Doubleclick.

YouTube

Für damals abenteuerlich erscheinende 1,65 Milliarden Dollar kaufte Google im Oktober 2006 die Online-Videoplattform YouTube. Seit Jahren ist es eine erfolgreiche Plattform zum Vertrieb von Video-Anzeigen.

Waze

Fast eine Milliarde Dollar war Google im Sommer 2013 der israelische Spezialist für Navigationssoftware Waze wert. Mit der Software können von unterwegs in Echtzeit Informationen über Verkehrsstörungen übertragen werden.

Android

Ein Beispiel für einen kleineren Zukauf mit großen folgen, war die Akquisition der Firma Android im August 2005 – für geschätzte 50 Millionen Dollar. Der Name setzte sich durch und wurde zum heute allgegenwätigen Google-Betriebssytem für mobile Geräte.

Zagat

Einer der bekanntesten Herausgeber von Restaurantführern kam im Herbst 2011 unter die Google-Fittiche. Für etwa 150 Millionen Dollar kaufte Google Zagat, eine Firma, die Nutzerkritiken zu Restaurant und Geschäften sammelte und aufbereitete. Die Informationen flossen in den Kartendienst Google Maps ein.

Boston Dynamics

Der Roboter-Hersteller sorgte im Internet für Aufsehen mit einem Roboter, der sich wie eine Katze fortbewegt – und das in respektabler Geschwindigkeit und mit großer Wendigkeit. Seit Ende 2013 gehört das Unternehmen zu Google. Der Kaufpreis ist nicht bekannt.

Skybox Imaging

Google stärkt im Juni 2014 seine digitalen Kartendienste mit dem Kauf des Satelliten-Spezialisten Skybox Imaging, der Bilder aus dem All in hoher Auflösung erstellt. Der Preis liegt bei 500 Millionen Dollar in bar.

So präsentierte er im Mai 2011 das Projekt „Android@Home“, eine Art Technologie-Baukasten, mit dem Entwickler Anwendungen fürs intelligente Haus programmieren können. Das Smartphone soll zur Fernbedienung für Licht, Alarmanlage und Musik werden. Danach war von dem Projekt indes nicht mehr viel zu hören. Kürzlich sickerte außerdem durch, dass Google eine App zur Steuerung von Heizungen namens EnergySense entwickelt. Mit Google TV arbeitet das Unternehmen überdies an einem Betriebssystem für Fernseher, das bislang allerdings mäßigen Erfolg hat.

„Google will als Rückgrat deines Haushaltes daran beteiligt sein, wie du Energie verbrauchst oder Inhalte wie Musik konsumierst“, erklärte der Analyst Pat Moorhead von Moor Insights and Strategy gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Übernahme von Nest könnte diesem Ambitionen einen neuen Schub verleihen. Das Start-up hat noch keine Verkaufszahlen kommuniziert, sorgt aber in der Technologiebranche für viel Aufmerksamkeit. Es verleihe „einem langweiligen Thema wie der heimischen Wärmeregulierung Sexiness und Ästhetik“, merkt der Blogger Martin Weigert auf netzwertig.com an. Jetzt geht es darum, schnell zu expandieren. Google biete als Mutterkonzern die Möglichkeit, schnell die nötige Infrastruktur auszubauen, sagte Fadell nach der Ankündigung dem Technologieblog Recode – beispielsweise für den Vertrieb. Das kostet Geld.

„Die Automatisierung von Haushalten ist eine der größten Geschäftsmöglichkeiten, wenn man vom allgegenwärtigen Internet redet, das alles verbinden wird“, erklärte Wedbush-Analyst Shyam Patil gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Mit der Übernahme unternehme Google einen großen Schritt in dieser Strategie. „Nest Labs scheint zwar auf Thermostate und Feuermelder fokussiert zu sein, aber es ist nicht abwegig, dass Google diese Technologie mit der Zeit auf andere Geräte überträgt.“

Kommentare (17)

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Account gelöscht!

14.01.2014, 10:50 Uhr

Super!
Jetzt muss man den Rauchmelden nur noch ein olfaktorisches Modul einsetzen, und dann weiß die NSA sogar wann ich einen fahren lasse ...

Norbert

14.01.2014, 11:05 Uhr

Und die meisten Menschen werden so einen Müll auch noch in ihrem Haus installieren - unter vielem, vielem anderen...
Alles "vernetzt"
Ein klein wenig kritisch Denken, geschweige denn etwas in die Zukunft zu schauen kriegen die Kosumschafe wohl nicht mehr hin....
Armselige Sklaven....

Account gelöscht!

14.01.2014, 11:10 Uhr

OK.. nach Google Street View können wir uns nun auf Google Home View freuen...

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