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26.09.2015

17:03 Uhr

Zukunft der IT

Das Ende der Smartphones naht

VonJoachim Hofer

Wie lange wird der Smartphone-Boom noch anhalten? Eine Marktforscherin prophezeit, dass die Geräte in zehn Jahren in der Versenkung verschwunden sein könnten. Ihr Nachfolger steht schon in den Startlöchern.

Am Freitag strömten wie hier in Sydney weltweit wieder Apple-Fans in die Läden, um sich das iPhone 6S zu sichern. dpa

Verkaufsschlager iPhone

Am Freitag strömten wie hier in Sydney weltweit wieder Apple-Fans in die Läden, um sich das iPhone 6S zu sichern.

MünchenDie Zahl ist gewaltig: Fast zwei Milliarden Mobiltelefone werden dieses Jahr rund um den Globus über die Ladentheken gehen. Das heißt: Rund ein Viertel der Weltbevölkerung legt sich ein neues Handy zu, in aller Regel ein Smartphone.

Am begehrtesten ist zweifellos das iPhone: Die neueste Variante 6S gibt es seit Freitag. Wie schon in den vergangenen Jahren haben Tausende weltweit vor den Apple-Läden übernachtet, um gleich früh am Freitagmorgen ein neues Gerät zu ergattern. Ob der Konzern den Erfolg von 2014 wiederholen kann ist freilich offen. Die Latte liegt hoch: Vergangenes Jahr hat die Kultmarke aus Kalifornien zwischen Oktober und Ende Dezember 34.000 iPhones verkauft – pro Stunde.

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Das iPhone bricht nicht nur immer wieder Verkaufsrekorde, sondern sorgt auch weltweit für Aufläufe vor den Apple Stores. Heute ist das neue iPhone 6S in Deutschland auf den Markt gekommen. Hält der Hype an?

Wenn die Prognosen von Gartner-Analystin Annette Zimmermann zutreffen, dann nähert sich der Smartphone-Boom ohnehin seinem Höhepunkt. Denn die tragbaren Alleskönner werden von neuen Geräten verdrängt. Statt zum Mobiltelefon würden die Leute schon in zehn Jahren massenhaft zu sogenannten Datenbrillen greifen. Oder, wie es die Münchener IT-Spezialistin ausdrückt: „Die Brille wird zum Handy.“

Was heute noch völlig verwegen erscheint, könnte bald schon Wirklichkeit werden. „In drei, vier Jahren werden die ersten wirklich attraktiven Datenbrillen auf den Markt kommen“, ist Zimmermann überzeugt. Gartner ist nicht das einzige Marktforschungsinstitut, das sich so weit aus dem Fenster lehnt. Auch die Experten von Yole Développement rechnen damit, dass die Computerbrillen ab 2019 massenhaft Kunden finden.

Bis dahin haben die Entwickler aber noch viel Arbeit vor sich: Sie haben an den Bildschirmen zu tüfteln, die Computerchips müssen kleiner und leistungsfähiger werden, ebenso die Batterien. Denn nur wenn die Brillen gut aussehen und nicht allzu häufig geladen werden müssen, werden die Käufer wirklich zugreifen, geben die Marktforscher zu bedenken.

Datenbrillen im Einsatz

Eher Lager als Büro

Da Datenbrillen vor allem den Vorzug bieten, mit zwei Händen arbeiten zu können, sind sie für Bürojobs weniger sinnvoll als für Tätigkeiten mit Werkzeugen oder körperlich fordernde Arbeit. Bisher kommen sie vor allem in der Logistik und in der Montage zum Einsatz.

Anpassung an den Arbeitsplatz

Wichtig ist, dass die Wearables perfekt in die Arbeitsprozesse eingepasst sind, dass sie mit der Arbeitskleidung, mit Bewegungsabläufen und der Arbeitsumgebung zusammenpassen. Viele Hindernisse stören da etwa.

Grafiken statt Text

Für textbasierte Arbeit sind die Brillen ungeeignet, da die Displays für den kurzen Blick gemacht und angelegt sind und nicht für langes Lesen.

Schlechte Performance bei mehreren Aufgaben

Studienteilnehmer der Bundesanstalt für Arbeitsschutz schafften bei gleichzeitigen Montage- und Kontrollarbeiten mit Datenbrillen weniger Output als mit Tablets, außerdem machten sie mehr Fehler und waren früher müde und unkonzentriert.

Künftige Anwendung

Auch wenn die Datenbrillen bisher eher im industriellen Bereich zum Einsatz kommen, gibt es auch schon Planungen für Datenbrillen im Bereich der Managementarbeit: So könnten etwa Mitarbeiter künftig mit einem Head Mounted Display an einem Meeting teilnehmen und den Kooperationspartnern über Datenbrillen Grafiken, Charts und Instruktionen in Echtzeit übermitteln.

Doch was macht die Spezialisten so zuversichtlich, dass das gelingt? Schließlich sind diese Geräte bis heute kaum verbreitet. Der Internetkonzern Google etwa hat seine Brille Google Glass sang- und klanglos wieder im Etui verschwinden lassen. Andere Projekte wie Oculus Rift haben sich erheblich verzögert. Die klobigen Apparate der Amerikaner, Skibrillen nicht unähnlich, sind ohnehin nicht für Otto-Normalverbraucher, sondern eher für passionierte Computerspieler geeignet oder für Ingenieure in Konzernen.

Die Brillen versetzen ihre Nutzer in imaginäre 3D-Welten. Anfang kommenden Jahres soll der Verkauf nun endlich starten. Der Softwarekonzern Microsoft hat ein ähnliches Konzept unter dem Namen Hololens angekündigt.

Wer heute durch einen Media Markt schlendert, der findet womöglich ein wenig versteckt schon Datenbrillen wie die Zeiss VR One oder die Gear VR von Samsung. Doch die breite Masse der Kunden steuert schnurstracks die Smartphones an.

Zimmermann rechnet damit, dass sich die Kunden dafür interessieren, sobald eine Marke wie Apple oder Google eine wirklich überzeugende Brille anbietet. Dann würden die Stückzahlen schnell steigen, der Preis massiv fallen, und ähnlich wie bei den Smartphones entstünde ein gigantisches Geschäft. Das große Vorbild: 2007 war es das iPhone, das den Durchbruch für diese Gerätekategorie brachte. Zimmermann: „Der größte Vorteil der Datenbrillen: Es ist eine natürliche Interaktion über Sprache oder Gesten, das lästige Tippen wie beim Smartphone entfällt.“

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