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19.11.2014

09:56 Uhr

Zukunft von Google Glass getrübt

Die große Pleite im Silicon Valley

VonAxel Postinett

Google Glass galt als Prestigeobjekt des Silicon Valley – jetzt schweigt der Internetriese lieber über die Pläne mit der Superbrille. Vom Marktstart scheint Google Glass weit entfernt zu sein.

Google-Chef Sergey Brin rudert beim Projekt Google Glass zurück. dpa

Google-Chef Sergey Brin rudert beim Projekt Google Glass zurück.

San FranciscoFür die einen ist es die Inkarnation der Zukunft schlechthin. Für die anderen das schlechteste Produkt, das sie je gesehen haben, Symbol für den Verlust der Privatsphäre und Beweis dafür, dass das Silicon Valley endgültig den Bezug zur Realität verloren hat. Für Google war ist es ein Prestigeprodukt. Die Rede ist von der Datenbrille Google Glass. Nach fast zwei Jahren Hype und hinhaltenden Versprechungen scheint der Lack des Ungewöhnlichen ab.

Die Vorschusslorbeeren des unfehlbaren Innovators Google sind verwelkt. Die eigentlich für 2014 geplante breite Markteinführung ist praktisch geplatzt. Irgendwann 2015 ist jetzt das Ziel. E-Mail-Anfragen werden nicht beantwortet. Chris O’Neill, operativer Chef bei Google Glass, erwähnt gegenüber Reuters, man „arbeite unverändert an einem Start in den Konsumentenmarkt.“ Aber das brauche Zeit und man werde nicht starten, bevor das „Produkt absolut fertig sei.“

Bis dahin ist Funkstille angesagt. Auf der diesjährigen Hausmesse Google I/O war sie bei den Keynotes kein Thema und keiner der Google-Redner setzte sie auf der Bühne auf. Alles dreht sich jetzt um Smartwatches. Das Silicon Valley wartet auf Apples Watch, nicht mehr auf Googles Glass. Die Zeichen stehen auf Sturm für den Internet- und Service-Giganten Google. Es droht nach dem desaströsen Ausflug in die Smartphonebranche mit Motorola und dem Rohrkrepierer Google TV der nächste Flop in der Hardware-Welt. Dabei hätte Google Glass die kommende Computing-Plattform werden sollen. Das Smartphone vor dem Auge, Bedienung ohne Hände, alle Dienste in der (Google-)Cloud.

Die Einkaufsliste von Google

DeepMind

Die neueste Errungenschaft von Google ist das britische Start-up DeepMind, das sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigt. Schon seit langem wurde spekuliert, Google könnte zu Methoden der künstlichen Intelligenz greifen, um große Datenbestände besser auszuwerten. Im Januar 2014 hat der Konzern dann zugegriffen.

Motorola

Im Sommer 2011 kaufte Google für 12,5 Milliarden Dollar den Handy-Hersteller Motorola. Es war die erste große Transaktion, um Google auch im Hardware-Geschäft zu etablieren. Nach weniger als zwei Jahren stieß der Konzern das Geschäft aber wieder ab und verkaufte es an den chinesischen Elektronikhersteller Lenovo. Die meisten Patente zum Schutz seines Betriebssystems Android behielt Google indes.

Nest

Erst 2011 ging das Start-up Nest an den Start, überzeugte aber mit seinen elektronischen Haushaltsprodukten wie Thermostaten oder Rauchmeldern. Anfang 2014 schlug Google zu und verleibte sich die Firma für 3,2 Milliarden Dollar ein.

Doubleclick

Im Online-Werbemarkt ist Google ein Gigant. Um die eigene Position zu festigen, griff der Konzern im Jahr 2007 zu und kaufte für 3,1 Milliarden Dollar den Vermarktungsspezialisten Doubleclick.

YouTube

Für damals abenteuerlich erscheinende 1,65 Milliarden Dollar kaufte Google im Oktober 2006 die Online-Videoplattform YouTube. Seit Jahren ist es eine erfolgreiche Plattform zum Vertrieb von Video-Anzeigen.

Waze

Fast eine Milliarde Dollar war Google im Sommer 2013 der israelische Spezialist für Navigationssoftware Waze wert. Mit der Software können von unterwegs in Echtzeit Informationen über Verkehrsstörungen übertragen werden.

Android

Ein Beispiel für einen kleineren Zukauf mit großen folgen, war die Akquisition der Firma Android im August 2005 – für geschätzte 50 Millionen Dollar. Der Name setzte sich durch und wurde zum heute allgegenwätigen Google-Betriebssytem für mobile Geräte.

Zagat

Einer der bekanntesten Herausgeber von Restaurantführern kam im Herbst 2011 unter die Google-Fittiche. Für etwa 150 Millionen Dollar kaufte Google Zagat, eine Firma, die Nutzerkritiken zu Restaurant und Geschäften sammelte und aufbereitete. Die Informationen flossen in den Kartendienst Google Maps ein.

Boston Dynamics

Der Roboter-Hersteller sorgte im Internet für Aufsehen mit einem Roboter, der sich wie eine Katze fortbewegt – und das in respektabler Geschwindigkeit und mit großer Wendigkeit. Seit Ende 2013 gehört das Unternehmen zu Google. Der Kaufpreis ist nicht bekannt.

Skybox Imaging

Google stärkt im Juni 2014 seine digitalen Kartendienste mit dem Kauf des Satelliten-Spezialisten Skybox Imaging, der Bilder aus dem All in hoher Auflösung erstellt. Der Preis liegt bei 500 Millionen Dollar in bar.

Doch wenn es ein Anzeichen für nachlassende Attraktivität gibt, dann ist es Ebay: Die Brille im technologischen Embryonalstadium, die neu 1.500 Dollar kostet und Daten wie E-Mails oder Textnachrichten auf die Netzhaut des Trägers projiziert, per Google Maps bequem den Weg weisen oder Wartungstechnikern Produktdetails und Reparaturanweisungen vor das Auge bringen soll, ist auf der Aktionsplattform gebraucht schon ab 560 Dollar aufwärts zu bekommen. Viele der Anzeigen trugen am Dienstag den Vermerk „kein Gebot“. Google selbst gibt keine Zahlen heraus über den bisherigen Verkauf.

Was heute auf Sergey’s Resterampe wieder abgestoßen wird, stellte Google-Mitgründer Sergey Brin 2012 mit einer pompösen Show vor. Fallschirmspringer landeten spektakulär auf dem Dach des Moscone Center in San Francisco, um Minuten später auf der Bühne der Hausmesse Google I/O zu stehen. Alles natürlich angeblich live und in bester Qualität gefilmt und auf die Großbildleinwand übertragen mit einer winzigen Kamera, versteckt in einem Brillengestell.

Kommentare (4)

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Frau Annette Bollmohr

19.11.2014, 10:47 Uhr

Also, ich bin ganz bestimmt nicht technologiefeindlich (ganz im Gegenteil, ich sehe sie sogar als große Errungenschaft der Menschheit an - und das, obwohl ich leider nicht gerade viel Ahnung davon habe), aber wenn ich jemanden mit so einem Ding auf der Nase sehen würde, würde ich zusehen, dass ich Land gewinne. Bloß weg da.
Nee, irgendwann ist gut, dann ist die Grenze erreicht.

Herr Theo Gantenbein

19.11.2014, 11:09 Uhr

Das Ding braucht kein Mensch. Google Glasses wurde nur von der Journallie gehypt, weil es so schon crazy und Web 2.0 war.

Über irgendwas muss man ja schreiben...

Herr Helmut Metz

19.11.2014, 11:32 Uhr

Google hat einfach zuviel Geld - noch...
Ansonsten ist so eine Brille vermutlich schon der feuchte Traum jedes pubertierenden Teenies: die geile Tussie in der Disco gleich mal abscannen... Abgleich mit allen Social-Media-Daten...aha, da haben wir schon ein Porträt samt Freundeskreis...oho, ihre Schwester ist ja die beste Freundin meiner Cousine...so kann man vielleicht am besten an sie rankommen...oh nein, unten im Kleingedruckten steht ja, dass sie momentan nur auf Mädels steht... :(

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