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17.06.2011

10:32 Uhr

Zum Intendanten gewählt

Thomas Bellut soll das ZDF verjüngen

Eine spannende Wahl war es sicherlich nicht – dafür aber eine wichtige für den Medienstandort: Thomas Bellut wird neuer Intendant des ZDF. Mit 56 ist er jünger als seine Zuschauer – was seine größte Herausforderung ist.

Thomas Bellut wird neuer Intendant des ZDF. Quelle: dapd

Thomas Bellut wird neuer Intendant des ZDF.

MainzDer ZDF-Fernsehrat hat Thomas Bellut (56) im ersten Wahlgang mit großer Mehrheit zum neuen ZDF-Intendanten gewählt. Wie der Sender mitteilte, erhielt der Programmdirektor am Freitag in Berlin von den 73 anwesenden Fernsehräten 70 Ja-Stimmen. Notwendig wären 47 gewesen. Einer stimmte gegen Bellut, zwei enthielten sich. Damit wird Bellut im März 2012 Nachfolger von Markus Schächter, der nach zehn Jahren keine neue Amtsperiode als Intendant mehr anstrebte.

Programmdirektor Bellut soll das ZDF in der digitalen Welt verankern, in der Fernsehen und Internet zunehmend verschmelzen. Im Programm wird er über die Zukunft von „Wetten, dass..? entscheiden, nachdem Thomas Gottschalk seinen Abschied angekündigt hat. Über die Nachfolge Belluts als Programmdirektor wird erst später entschieden.

Das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz hatte kurz vor der Wahl einen Eilantrag auf Abbruch des Wahlverfahrens abgelehnt. Ein Mann aus Hessen hatte sich um den Intendantenposten beworben, war aber von keinem Fernsehratsmitglied unterstützt und damit nicht als Kandidat zugelassen worden. Daraufhin wollte er die Wahl stoppen lassen. Der Mann scheiterte nun in zwei Gerichtsinstanzen.

Personalentscheidungen im ZDF waren in der Vergangenheit zuweilen schwere Geburten. Der scheidende Intendant Markus Schächter brauchte drei Wahlgänge, um von den heillos zerstrittenen Parteien auf den ZDF-Chefsessel gesetzt zu werden.

Die ZDF-Intendantenwahl war keine Wahl im klassischen Sinn. Denn abgesehen von der Spaßkandidatur eines Feuilleton-Redakteurs der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ gab es keinen Konkurrenten im Kampf um den Chefsessel eines der größten öffentlich-rechtlichen Sender in Europa. Ein Aufschrei wegen des mangelnden Kandidatenwettbewerbs blieb dennoch aus. Denn über Parteigrenzen hinaus genießt der Politikwissenschaftler Bellut, der zum Thema „DDR-Berichterstattung in den Nachrichtenmedien der Bundesrepublik Deutschland“ promovierte, den Ruf eines undogmatischen Journalisten und kreativen Managers. Viele Politiker, wie den ZDF-Fernsehratsvorsitzenden und früheren CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz, kennt er seit vielen Jahren.
Bekannt wurde der Osnabrücker durch seine Sendung „Was nun, ...?“ in den späten neunziger Jahren. Der Katholik Bellut bewies in zahlreichen Talkrunden mit Spitzenpolitikern aller Parteien zwei Stärken: politische Unabhängigkeit und analytischen Sachverstand. Auch vor unpopulären Entscheidungen scheute der spätere Programmdirektor Bellut nicht zurück. So kündigte er vor drei Jahren die Zusammenarbeit mit der beliebten Literaturmagazin-Moderatorin Elke Heidenreich, nachdem sie sich negativ über den Sender geäußert hatte.

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