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14.08.2015

13:35 Uhr

Zweites Düsseldorfer Terrassengespräch

Der Journalist auf seinem digitalen Weg

VonCatrin Bialek

Auf der Handelsblatt-Dachterrasse ging es dieses Mal um die Zukunft des Journalismus. Die ist digital, da waren sich die Teilnehmer um Sascha Lobo einig. Der bekannte Blogger gab den Medienmachern „Pfeffer“.

„Ich widerspreche gerne“ Rudolf Wichert für Handelsblatt

Sascha Lobo mit ARD-Moderatorin Anne Will

„Ich widerspreche gerne“

DüsseldorfDie Digitalisierung hat die Medienbranche in ihren Grundfesten erschüttert. Das Aussenden von Botschaften reicht längst nicht mehr, heute geht es um Interaktion, um Auseinandersetzung mit Lesern und Beobachtern. Soziale Netzwerke wie der Kurznachrichtendienst Twitter und das Freunde-Netzwerk Facebook haben den Dialog radikal beschleunigt. Das zeigte sich auch beim zweiten „Düsseldorfer Terrassengespräch“ unter dem Motto „Wie verändert die Digitalisierung den Journalismus?“.

Die rund 130 Gäste, die Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart am Donnerstagabend auf die Dachterrasse des Verlagshauses eingeladen hatte, sandten zig Kommentare und Bilder ins Netz. Der Hashtag #terrassentalk gelangte kurzzeitig sogar in die Trending Topics, in jene Rubrik, die die beliebtesten Begriffe im Twitter-Universum auflistet. „Sehr spannende Diskussion mit ,open end‘“, schrieb einer, und ein anderer meinte: „Lauschige Abendveranstaltung“.

Best of Sascha Lobo

„Ich hing an der Like-Nadel“

Best of Sascha Lobo: „Ich hing an der Like-Nadel“

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Kommentare zum Twittern gab es reichlich, schließlich standen einige der profiliertesten Matadore des digitalen Journalismus auf dem Podium und stritten über die Zukunft der eigenen Zunft: Anita Zielina, Chefredakteurin Neue Produkte der Neuen Zürcher Zeitung, Mathias Müller von Blumencron, Chefredakteur Digitale Produkte der FAZ, Franziska Bluhm, Chefredakteurin von Wirtschaftswoche Online sowie der bekannte Blogger und Buchautor Sascha Lobo - der „Pfeffer in die mediale Selbstgefälligkeit“ streuen sollte, wie Steingart augenzwinkernd sagte.

Diese ihm zugedachte Rolle nahm Irokesenhaarschnitt-Träger Lobo („Ich widerspreche gerne“) widerspruchslos an. Er korrigierte etwa den Talk-Moderator Georg Altrogge, Chefredakteur des Online-Branchendienstes Meedia, mit den trockenen Worten „Diese Frage ist falsch gestellt“ oder provozierte seine Talk-Kollegen mit dem Statement: „Wenn man ein digitalpublizistisches Projekt scheitern lassen will, gibt man es einem Journalisten. Wenn man es teuer scheitern lassen will, gibt man es einem Berater.“

FAZ-Journalist Müller von Blumencron hielt dagegen: „Ohne eine gute journalistische Idee, die sich von den gedruckten Produkten unterscheidet, hat man im Netz keine Chance.“ Als Beispiele führte er „Spiegel Online“, wo er früher selbst arbeitete, „Politico“, „Huffington Post“ oder auch „Buzzfeed“ an. Allesamt Projekte, denen eine journalistische Idee zugrunde liegt. Er plädierte für mehr Mut in der deutschen Verlagsbranche: „Sie sind nur dann ein guter Innovator, wenn Sie sich selbst kannibalisieren.“

Die Digitalisierung, so viel ist klar, hat einen ganzen Berufsstand auf den Kopf gestellt. Immer mehr Menschen konsumieren journalistische Inhalte übers Internet, zumeist auch auf dem Smartphone. Das schafft zweifelsohne Chancen, die die Österreicherin Zielina mit einer höheren Verfügbarkeit von Informationen und einer größeren Nähe zu den Lesern beschrieb. „Journalismus ist weiterhin das Erzählen von Geschichten, hat aber auch ein großes Element des Zuhörens und der Interaktion“, sagte sie. Und Bluhm, Online-Chefredakteurin der Wirtschaftswoche, ergänzte: „Um ein Kopf oder eine Marke im Journalismus zu werden, muss man schlicht erstmal da sein.“ Ein kleiner Seitenhieb auf all jene Kollegen, die sich Kanälen wie Twitter oder Facebook verweigern.

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Kommentare (1)

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Herr Roland Magiera

14.08.2015, 14:16 Uhr

„Wenn man ein digitalpublizistisches Projekt scheitern lassen will, gibt man es einem Journalisten. Wenn man es teuer scheitern lassen will, gibt man es einem Berater.“


Da hat er die Politiker vergessen, die sogar unbegreiflicherweise zu blöde sind, eine digitale Staatsbibliothek aufzubauen, obwohl die so unendlich wichtig wäre.
Die sind eben als Allerletzte daran interessiert, das Land der Dichter und Denker wieder auferstehen zu lassen und sich am Ende kritischen Fragen stellen zu müssen, etwa warum man geradezu zwanghaft die Fehler der Vergangenheit wiederholt.
Es ist so krass geworden, dass man UNSERE Klassiker nur als eingescannten Nachdruck in den USA bestellen kann und da die die Sprache nicht verstehen, fehlen schon einmal ein paar Seiten aber das ist hunderttausendmal besser als das was die Bundesregierung schafft.

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