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07.04.2016

16:39 Uhr

IVG erfindet sich neu

Immobilienkonzern macht sich schön für Käufer und Börse

Der Immobilienkonzern IVG will seinen Eigentümern einen raschen Ausstieg ermöglichen: Mehr als 90 Prozent des Bestands sollen in ein neues Unternehmen fließen – mit Option auf einen Börsengang.

Die derzeitigen Eigentümer der IVG wollen möglichst bald aussteigen – Verkäufe sollen das nötige Geld dafür bringen. dpa

Immobilienkonzern IVG

Die derzeitigen Eigentümer der IVG wollen möglichst bald aussteigen – Verkäufe sollen das nötige Geld dafür bringen.

FrankfurtDer Immobilienkonzern IVG will seinen Eigentümern zu einem möglichst schnellen Ausstieg verhelfen. Bis zum Spätsommer soll das Kerngeschäft mit Büro-Immobilien in Deutschland wieder fit für den Kapitalmarkt sein. „Wir wollen im dritten Quartal für alles gewappnet sein“, sagte Vorstandschef Dietmar Binkowska am Donnerstag in Frankfurt. Dann sollen Büros im Marktwert von 3,2 Milliarden Euro – das sind rund 90 Prozent des Bestandes – in einem eigenständigen Unternehmen unter einem neuen Namen gebündelt und möglichst alle Verbindungen zur Holding gekappt werden. „Ein Börsengang ist nur eine Alternative“, auch eine Fusion mit einem anderen Gewerbeimmobilien-Unternehmen sei eine Möglichkeit, sagte Binkowska.

Die IVG war vor allem wegen der explodierenden Kosten für das Milliardenprojekt „The Squaire“ am Frankfurter Flughafen vor drei Jahren in die Insolvenz gerutscht. Seither gehört sie rund 50 früheren Gläubigern, vor allem Hedgefonds aus Großbritannien und den USA. Die Eigentümer wollen bald wieder aussteigen. „Es gibt immer Druck“, räumte der Vorstandschef ein. „Aber es gibt keinen Grund, auf Biegen und Brechen hinauszuwollen.“

Der „Squaire“ werde Teil der neuen Gesellschaft sein, nachdem ein Verkauf an zu niedrigen Geboten gescheitert war, betonte Binkowska. Der Leerstand in dem allein mit knapp 700 Millionen Euro bewerteten Squaire sei auf weniger als zehn Prozent gesenkt worden. „Wir haben die Probleme gelöst, und wir werden sie (die Immobilie) nicht verkaufen.“

Das sind Deutschlands Immobilienriesen

Platz 6: GAG

Die GAG Immobilien AG bewirtschaftet rund 42.000 Wohnungen. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben der größte Vermieter in Köln. Die GAG verwalte damit 2,8 Millionen Quadratmeter Wohnfläche.

Platz 5: GSW

Die GSW Immobilien kommt auf 60.000 Wohnungen. Das Unternehmen ist börsennotiert und wurde im Jahr 1924 gegründet. Schwerpunkt der Arbeit ist Berlin, die GSW ist dort nach eigenen Angaben „ein führendes privates Wohnimmobilienunternehmen“.

Platz 4: TAG

Die TAG Immobilien AG kommt auf Platz vier der deutschen Wohnungsriesen. Das Unternehmen verwaltet 68.781 Wohnungen. Hauptstandorte sind nach eigenen Angaben die Großräume Hamburg und Berlin, die Region Salzgitter, Thüringen/Sachsen sowie Nordrhein-Westfalen. Sitz der TAG ist Hamburg.

Platz 3: Deutsche Wohnen

Die Deutsche Wohnen mit Sitz in Berlin bewirtschaftete im April 2013 insgesamt 82.500 Wohnungen. Aktuell gibt das börsennotierte Unternehmen die Zahl der Wohnimmobilien mit rund 89.500 an. Schwerpunkt ist der Großraum Berlin sowie das Rhein-Main-Gebiet, Rheinland, Hannover, Braunschweig, Magdeburg.

Platz 2: Gagfah

Die Gagfah Gruppe mit Sitz in Essen ist die Nummer zwei der Wohnimmobilien-Unternehmen in Deutschland. Im April bewirtschaftete das Unternehmen 145.000 eigene Mietwohnungen und 13.000 für Dritte verwaltete Wohnungen. Aktuell gibt das Unternehmen sogar 35.000 für Dritte verwaltete Wohnungen an.

Platz 1: Deutsche Annington

Die Deutsche Annington erregte mit dem Börsengang im Juli 2013 zuletzt großes Aufsehen. Das Bochumer Immobilienunternehmen bewirtschaftet 210.000 Wohnungen - davon 180.000 eigene. Die Deutsche Annington stieg im Jahr 2005 auf, als sie die Viterra AG mit 138.000 Wohnungen von Eon erwarb.

Den Schuldenberg von einst 4,2 Milliarden Euro, unter dem die Bonner IVG zusammengebrochen war, haben Binkowska und seine Vorstandskollegen auf die Hälfte gesenkt. Sondereffekte, der Verkauf von Immobilien und ein Wertzuwachs des Bestands von mehr als 200 Millionen Euro ließen den Gewinn der Büro-Sparte 2015 auf 398 Millionen Euro schnellen. Im Zuge der Insolvenz waren die Immobilien um fast 700 Millionen Euro abgewertet worden.

Die Immobilienbestände im Ausland sollen getrennt verkauft werden, die in Triuva umbenannte Fonds-Sparte ebenfalls. Dabei gebe es aber „keine große Eile“, sagte Binkowska. Aus den Fonds, denen unter anderem von der IVG verwaltete Öl- und Gas-Speicher an der Nordsee gehören, waren seit 2012 fast zwei Milliarden Euro abgeflossen. Binkowska glaubt nun an die Trendwende.

Von

rtr

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