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13.06.2016

16:06 Uhr

IW Köln

Gehaltsunterschied zwischen Frau und Mann geringer als angenommen

Die Pläne zu einem Gesetzesentwurf zur Lohngleichheit zwischen Frauen und Männern können laut Wirtschaftsforschern des IW Köln in der Schublade bleiben. Sie sehen keinen Bedarf für ein staatliches Eingreifen.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) hat bereits vor Monaten einen Gesetzentwurf zur Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen vorgelegt. Das IW Köln sieht jedoch keinen Anlass für ein staatliches Eingreifen. dpa

Gehaltsunterschiede zwischen Männer und Frauen

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) hat bereits vor Monaten einen Gesetzentwurf zur Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen vorgelegt. Das IW Köln sieht jedoch keinen Anlass für ein staatliches Eingreifen.

KölnDie Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen in Deutschland ist nach Berechnungen des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) kleiner als weithin angenommen. Werde die Bezahlung in ähnlichen Branchen und Positionen miteinander verglichen, verringere sich der Gehaltsunterschied von etwa einem Fünftel auf rund 6,6 Prozent, wie das IW am Montag mitteilte.

Dem IW zufolge sind für die vom Statistischen Bundesamt auf 21 Prozent bezifferte Gehaltslücke zwischen den Geschlechtern vor allem „individuelle Entscheidungen“ bei der Berufswahl ausschlaggebend. Demnach sind Frauen in verhältnismäßig gering entlohnten Berufen in den Bereichen Erziehung, Gesundheit und Soziales mit drei Viertel aller Stellen überproportional vertreten. Im besser bezahlten verarbeitenden Gewerbe besetzten sie dagegen weniger als ein Drittel aller Jobs.

Warum Frauen im Hamsterrad und Männer im Vorstand landen

Zehn Thesen

10 wesentliche Thesen von Brigitte Witzer aus ihrem Buche „Die Fleißlüge - Warum Frauen im Hamsterrad landen und Männer im Vorstand“. Hat man schon jemals von einem fleißigen Mann auf einer Top-Position gehört? Kein Wunder also, dass Frauen in ihren traditionellen Rollen als „Prinzessin“ und „Superbiene“ grandios scheitern, weil sie genau darauf bauen: Fleiß. Los geht's mit These 1.

These 1: Tugend-Irrtum

Frauen wollen mit genau den gleichen Tugenden im Beruf erfolgreich sein wie schon ihre Mütter und Großmütter in Haus und Hof. Doch das Berufsleben ist ein Spiel mit eigenen Regeln, die oft genug unbekannt und nicht thematisiert sind.

These 2: Was zählt ist Fleiß und Schönheit

Die traditionelle Frauenrolle kann nur mit Fleiß oder Schönheit erfolgreich gelebt werden. Beides lässt sich gut messen und gut zeigen.

These 3: Frauen bleiben stecken

Fleiß führt zügig zu Top-Abschlüssen und oft sehr schnell ins mittlere Management bis an die „Gläserne Decke“. Aber auch weiter?

These 4: Auch Männer kennen Glasdecke

Die Sicht der anderen Seite: Männer holen sich in der Elternzeit blaue Flecken an der gleichen „Gläsernen Decke“: „Kann der das?“

These 5: Kein Arbeiten auf Augenhöhe

Fatal genug: Die „Gläserne Decke“ ist keine Erfindung der Arbeitswelt. Sie sichert viel mehr gegenseitige Abhängigkeiten und verhindert Augenhöhe zwischen Männern
und Frauen in allen Lebensbereichen.

These 6: Macht gewinnt über Inhalte

In der Wirtschaft gewinnt Strategie bzw. Macht ausnahmslos über Inhalte – Frauen kümmern sich eher um Inhalte, Männer um Strategie und Macht.

These 7: Frauen rächen sich mit...

Die Folge: Männer wechseln leicht ihre Strategien und tauschen Inhalte aus – und mit ihnen die fleißigen Frauen, die diese liefern. Inhaltsgetriebene Frauen rächen
sich mit der Abwertung strategischer Manager.

These 8: Für Männer reicht das Potential

Privat wie öffentlich gilt: Frauen müssen hier und jetzt gut sein – Prinzessinnengleich -, für Prinzen reicht das Potential.

These 9: Das Spiel der Königin

Frauen als „Prinzessinnen“ und „Superbienen“ üben neue Möglichkeiten als Heldin und gewinnen Augenhöhe als Königin. Erst in dieser Rolle begreifen sie das Gute am
Macht-Spiel: Einflussnahme, Strategie, Politik – mit persönlicher Überzeugung, aber sicher nicht mit Fleiß.

These 10: Der Weg zur eigenen Identität

Die Welt von Morgen ist auf diese Handlungsqualität angewiesen. Sie sollte gemeinsam von Männern und von Frauen gestaltet werden, die Hierarchie hinter sich lassen
und zur eigenen Identität finden.

Frauen nähmen überdies seltener Führungsaufgaben wahr und arbeiteten öfter in Teilzeit, erläuterte das IW. Würden noch weitere Faktoren wie etwa die Berufserfahrung berücksichtigt, sinke die gesamtwirtschaftliche Lohnlücke auf nur rund 3,8 Prozent.

„Die Entscheidungen über Karriere und Familie sind jedoch rein privat“, mahnte das IW. „Die Annahme, bei der Lohnlücke handele es sich um Diskriminierung durch die Unternehmen, ist unsachgemäß“, erklärte IW-Direktor Michael Hüther. Für ein gesetzliches Eingreifen fehle „die entscheidende Begründung“.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) hat bereits vor Monaten einen Gesetzentwurf zur Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen vorgelegt. Dieser stößt allerdings bei der Union auf Ablehnung. Umstritten ist vor allem das von Schwesig geplante Auskunftsrecht, mit dem Frauen erfahren können, was ihre männlichen Kollegen auf vergleichbaren Posten im Durchschnitt verdienen.

Von

afp

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